Umweltjournal.de | Geld und Finanz  | Artikel Nr.: 518

Bericht der Hauptversammlung vom 29.08.2001 der unit energy europe AG in Bad Homburg





Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Herr Regehr, eröffnete die HV und erläuterte die bisherige Kapitalverwendung bei der unit[e]. Danach hat sich der „Bankbestand“ im Lauf des Jahres 2000 unter dem Strich kaum verändert, da die Höhe der Mehrausgaben im Vergleich zum Vorjahr (ca. 6 Mio. DM) ziemlich genau den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung entsprach. Der Buchwert zum 31.12.00 belief sich auf ca. 35 Mio. DM.

Herr Gratz, als Aufsichtsrat der ersten Stunde, schilderte die AR-Tätigkeit und ließ dabei kein gutes Haar an Herrn Jakubowski, den er mit dem Rattenfänger von Hameln verglich. Zudem habe sich Herr Lomecky für den Vorstand als „nicht geeignet“ erwiesen. Projekte seien „schlecht eingeleitet und durchgeführt“ worden. Auch die Kritik von Herrn Gratz am zwischenzeitlichen Finanzvorstand Kemmerling fiel deutlich aus.

{b1r} Als größtes aktuelles Probleme bezeichnete Herr Regehr die Beschaffung der für weitere Investitionen benötigten Finanzmittel sowie das Imageproblem der Gesellschaft. So seien alle vier als Nachfolger für Herrn Weber in die engere Wahl gezogenen externen Vorstands-Kandidaten letztlich abgesprungen.

Herr Weber erklärte, er sei aus dem Unternehmen ausgeschieden, um andere Aufgaben zu übernehmen. Nach seiner Einschätzung im Spätherbst 2000 sei das Unternehmen weitgehend stabilisiert und die Weichen gestellt gewesen, so dass ein anderer Vorstand die Führung übernehmen konnte. Als optimale Besetzung erachte er einen „echten Finanzer und einen echten Techniker“. Er unterstützt ausdrücklich den Kurs von Herrn Beyer als Vorstand und sieht darin eine gute Strategie.

Herr Beyer hielt es nach seinem Amtsantritt für sinnvoll, sich zunächst um das zukünftige Konzept zu kümmern. Mit der Analyse der Projekte sowie der Finanzen wurden mit Herrn Schwarzenbohler und Herrn Dr. Köllermeier externe Berater beauftragt. Herr Schwarzenbohler berichtete über die Anlagen der Gesellschaft mit ihren zum Teil unter Plan liegenden Erträgen, was jedoch überwiegend auf besondere Wetterverhältnisse zurückzuführen sei und ging auch detailliert auf den Stand des Problemprojekts Ancinale ein. Aufschlußreich war seine Einschätzung der in Planung befindlichen Projekte, insbesondere die Aussage, daß die beiden geplanten tschechischen Wasserkraftwerke an der Elbe nicht wirtschaftlich betrieben werden könnten.

Zur Finanzsituation nahm Herr Dr. Köllermeier Stellung. Nach dem neuen Finanzplan sind weitere Verkäufe von stillen Beteiligungen und Anlagen in einer Höhe von 4 Mio. DM eingeplant. Denn bis November müssen 3 Mio. DM in Ancinale investiert werden, um die Voraussetzungen für die Bewilligung neuer Fördermittel in Höhe von 10 Mio. DM zu erfüllen. Hinzu kommt ein erwarteter operativer Verlust bis Ende des Jahres von 1 Mio. DM.
Ab dem 2. Quartal 2002 soll Ancinale einen Ergebnisbeitrag von 680 TDM p.a. leisten und sich dadurch zum rentabelsten Investment entwickeln. Derzeit bestehen bezüglich der fristgerechten Fertigstellung jedoch noch hohe Unsicherheiten.

{b2l} Herr Beyer (Vorstand) stellte ausführlich die aktuelle Situation der Tochtergesellschaften dar und bekräftigte abschließend noch einmal seine klare Strategie nach dem Motto: Weg von risikoreichen Investments und hin zu überschaubaren Projekten.
Parallel zu den Bauarbeiten laufen für das Projekt Ancinale Verkaufsgespräche, teils für den aktuellen sowie auch für den schlüsselfertigen Zustand. Mit Investitionen in Osteuropa will er zukünftig sehr vorsichtig sein. Neue Wasserkraftprojekte könnten nur unter der Voraussetzung angegangen werden, daß man sowohl über das Management als auch über die Finanzierung dafür verfüge, was derzeit nicht der Fall sei. Statt dessen soll die Windenergie ausgebaut werden mit dem Schwerpunktland Frankreich. Von der Realisierung kleiner Windparkprojekten in Deutschland verspreche er sich keine großen Renditen, sondern vor allem eine Imageverbesserung. Mit dem Windradhersteller Fuhrländer zeichnet sich, laut Beyer, eine Partnerschaft ab und es laufen Gespräche mit Fondsgesellschaften über Projektfinanzierungen. Für Italien liegen zudem Angebote für Windparkprojekt mit 20-30 MW vor, die aber nur mit einer Partnerschaft durchzuführen sind.

Weiterhinlaufen für die AG derzeit ernsthafte Verhandlungen mit einem strategischen Investor aus Kanada, der eigene bestehende Projekte einbringen will und im Gegenzug 26 % des Aktienkapitals erhalten soll. Am 26.08.01 wurde ein LOI unterzeichnet. Auch würden Gespräche mit einem deutschen Unternehmen über einen „friendly takeover“ geführt.

In der Generaldebatte erklärte Herr Regehr auf die Kritik eines Aktionärs an den hohen Vorstandsbezügen: Dass Herr Weber auf eine Abfindung verzichtet habe, obwohl er einen 4-Jahresvertrag hatte und das Gehalt von Herrn Beyer unter dem seiner Vorgänger liege.

Herr Colditz, der durch den Aufsichtsrat entlassene Vorstand, nahm Stellung zu den Vorkommnissen und den Aktivitäten nach seiner Entlassung. Starke Kritik übte er an Weber und Lomecky und kritisiert Beyer und seine Strategie. Herr Weber und der Aufsichtsrat hätten ein hoch motiviertes und qualifiziertes Team zerschlagen.
Eine Aktionärin fragte, was mit den Firmendaten auf seinem Privat-PC sei. Darauf hin räumte er lediglich technische Pannen beim E-Mail-Versand ein. Der ebenfalls entlassene Mitarbeiter Herr Höllinger versicherte, keine der ihm vorgeworfenen Äußerungen je getätigt zu haben.
Herr Weber bekam noch einmal Gelegenheit zu den Anschuldigungen Stellung zu nehmen.
Laut Herrn Weber streben Herr Colditz und Herr Höllinger die Gründung eines Konkurrenzunternehmens an. Er räumte Fehler im Stromvertrieb ein und trage die volle Verantwortung dafür. Wenn er um die Probleme, die sich bei Ancinale verstärkt haben, gewusst hätte, wäre er nicht zum damaligen Zeitpunkt aus dem Unternehmen ausgeschieden.
Herr Regehr beendete diesen Schlagabtausch, der sicherlich vor dem Arbeitsgericht weitergeführt wird.

{b3r} In der anschließenden Diskussion zu den Berichten wurde Kritik an der Politik und jetzigen Strategie sowie den für ein börsennotiertes Unternehmen recht dürftigen Unterlagen geübt, die den Teilnehmern auf der HV zur Verfügung standen. Der Punkt zur Neueinteilung des genehmigten Kapitals kam nach sehr kontroverser Diskussion nicht zur Abstimmung, weil die Gefahr der Anfechtung der HV damit stark gestiegen wäre. Somit muss für einen strategischen Investor, der ein größeres Aktienpaket erhalten soll, eine außerordentliche HV bei Bedarf einberufen werden. Nach über 8 Stunden machten sich die letzten von anfänglich über 200 Teilnehmern auf die Heimreise.

    Abstimmungsergebnisse
  • Entlastung Vorstand Weber mit 55,76 % erteilt.
  • Entlastung Vorstand Lomecky mit 52,14 % erteilt.
  • Entlastung Vorstand Kemmerling mit 52,86 % erteilt.
  • Entlastung Aufsichtsrat Gratz mit 58,30 % erteilt.
  • Entlastung Aufsichtsrat Regehr mit 56,25 % erteilt.
  • Entlastung Aufsichtsrat Prof. Dr. Oppl mit 56,76 % erteilt.
  • Entlastung Aufsichtsrat Pammer mit 82,45 % erteilt.
  • Entlastung Aufsichtsrat Kutzner mit 58,75 % erteilt.
  • Entlastung Aufsichtsrat Dr. Rhein mit 55,74 % erteilt.
  • Entlastung Aufsichtsrat Dr. Brunner mit 54,74 % erteilt.
  • Entlastung Aufsichtsrat Rauße mit 57,55 % erteilt.
  • Satzungsänderung auf 3 AR-Mitglieder mit 60,03 % beschlossen.
  • Wahl 3. Aufsichtsratsmitglied Herr Weber mit 60,38 % erfolgt.
  • Satzungsänderung mit 99,80 % beschlossen.
  • Erwerb eigener Aktien mit nur 67,74 % abgelehnt.
  • Wahl des Abschlussprüfers mit 99,96 % erfolgt.
(Verfasser des Berichtes: Oliver Storz & Gérard Jänichen)
Autor: Gérard Jänichen
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Stand: 26. März 2003
Erstellt: 31. August 2001
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