Inserate
Top-News Geld und Finanzen
Noa-Bank am Ende
Banken im Test: Die Blamage geht weiter
Kakaobaum-Investment mit schneller Auszahlung wieder verfügbar
Finanzberatung darf keine Lotterie sein
Picknicken statt Schlangestehen
P-Konto darf kein Luxusprodukt werden
Grüne Suchmaschine verlost BaumSparVertrag
EU verhindert Schockrechnungen beim Daten-Roaming
Warum kaufen, reparieren und laufend Unterhalt zahlen?
Grünes Geld-Messe in München präsentiert nachhaltige Umweltinvestments
Geld verdienen – aber öko-fair!
Mehr Verbraucherschutz beim Kreditvertrag
Legen Frauen besser nachhaltig an?
Grünes Geld München
Umfrage: Bundesbürger wollen mehr Verbraucherschutz im Finanzmarkt
Milliardenschäden durch fehlende Finanzaufsicht:
Kleine Beiträge clever anlegen
35 Millionen für Öko-Innovationsprojekte
Infos zu Darlehn, Krediten, Sofortkrediten und Kredit-Forum
Imageschäden durch problematische Investments und Zulieferer
Inserate
Umweltjournal.de | Geld und Finanz  | Artikel Nr.: 13409

Abgeltungssteuer: Erhebliche Auswirkungen auf die Geldanlage


Leipzig, 08.12.2007: Ab Januar 2009 werden Zinserträge, Dividenden und Kursgewinne mit der Abgeltungssteuer von 25 Prozent versteuert. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer. Die Abgeltungssteuer wird in der Regel beim kontoführenden Kreditinstitut abgeführt.


Bislang mussten Anleger, deren Freibetrag (inklusive Werbungskostenpauschale) von 801 Euro bei Ledigen und 1602 Euro bei Verheirateten ausgeschöpft war, die erwirtschafteten Zinsen in voller Höhe und die Dividenden zur Hälfte mit ihrem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Kursgewinne waren grundsätzlich nach zwölf Monaten Haltedauer steuerfrei. Mit der Einführung der Abgeltungssteuer fällt diese Regelung weg. Kursgewinne bleiben zukünftig nur noch bei Wertpapieren steuerfrei die bis 31.12.2008 erworben werden. Kursgewinne aus Wertpapier-Erwerb ab dem 01. Januar 2009 unterliegen dann unabhängig von der Anlagedauer der Abgeltungssteuer von 25 Prozent.

Aktienfonds: Kaufen bis Ende 2008?
Private Rentenversicherung: Abschließen ab 2009?


Steuern: ein häufig überschätztes Anlagekriterium
Die Besteuerung beeinflusst eines von drei wesentlichen Anlagekriterien, nämlich die Rendite der Geldanlage oder Altersvorsorge. Die Rendite sollte aber niemals alleiniges Entscheidungskriterium sein. Ein Zins von jährlich 8 Prozent bei 20-jähriger Anlage erscheint sehr attraktiv, aber was nützt das Angebot, wenn man sein Geld in fünf Jahren braucht. Das zweite Anlagekriterium, die Flexibilität, ist immer individuell zu bewerten.

Ferner kann man bei 8 Prozent Rendite pro Jahr annehmen, dass sie nicht ohne Risiko in Aussicht gestellt wird. Risiko ist das dritte Anlagekriterium. Nicht jeder ist bereit, Risiken zu tragen. Es gibt auch keine „richtige“ Risikobereitschaft. Sie ist ausschließlich subjektiv für jeden Einzelnen zu bestimmen und in der Entscheidung zu berücksichtigen. Bewertet man eine Anlageentscheidung anhand der drei relevanten Kriterien Rendite, Flexibilität und Risiko, relativieren sich steuerliche Aspekte deutlich. Die neue Abgeltungssteuer ist also kein Grund für übereilte Entscheidungen.

Aktienfonds: Kaufen bis Ende 2008?
Besitzer von Aktien und Aktienfonds müssen ab 2009 auch einen Teil der Erträge, die sie mit Kursgewinnen erzielen, ans Finanzamt abgeben. Das ist ein herber Einschnitt, auch für Sparer, die mit Aktienfonds eine Altersvorsorge aufbauen möchten. Versicherungsprodukte, wie private Rentenversicherungen kommen bei der Besteuerung dagegen günstiger davon, da dabei weiterhin die Besteuerung der Hälfte der Erträge zum individuellen Steuersatz gilt.

Konkret sind alle Kursgewinne, die aus Wertpapierkäufen ab dem 1.1.2009 resultieren, in voller Höhe steuerpflichtig. Der Steuersatz beträgt pauschal 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Die Haltedauer der Aktien oder Aktienfonds spielt dann keine Rolle mehr. Für Käufe hingegen, die bis zum 31.12.2008 erfolgen, gilt weiter die alte Regelung: Kursgewinne bleiben steuerfrei, sofern die Haltedauer mindestens 12 Monate beträgt.

Die Konsequenz für Einmalanlagen: In steuerlicher Hinsicht ist es vorteilhafter, die Anlage noch bis Ende 2008 zu tätigen, da so der gesamte Gewinn nach 12 Monaten bis zum Verkaufszeitpunkt steuerfrei bleibt. Entsprechende Risikobereitschaft und Anlagehorizont vorausgesetzt, könnten sich Anleger auf diese Weise noch eine weitgehend steuerfreie Anlage für die Altersvorsorge sichern. Dividendenerträge werden bis 2008 wie bisher versteuert, also mit persönlichem Steuersatz, sofern der Sparerfreibetrag ausgeschöpft ist. Ab 2009 gilt auch für Dividenden generell die pauschale Abgeltungssteuer.

Ein Rechenbeispiel soll den Vorteil eines Kaufes vor der Änderung der Besteuerung verdeutlichen: Anleger Schlau legt 10.000 Euro Ende 2008 in einen Aktienfonds an. Er muss alle Dividendenerträge versteuern, pauschal mit 25 Prozent (Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer bleiben im Beispiel außen vor). Anleger Träge legt denselben Betrag Anfang 2009 zum selben Kurs an und muss daher nicht nur die Dividenden, sondern auch den Gewinn bei Verkauf der Fonds in Höhe der Abgeltungssteuer versteuern.

Angenommen, der Fonds erwirtschaftet pro Jahr 8 Prozent nach Abzug laufender Kosten, 2,5 Prozent davon sind Dividendenerträge, der Rest Kursgewinn. Beide entscheiden sich für die günstigen börsengehandelten Indexfonds, die Spesen für den Kauf betragen daher nur 1 Prozent. Da Anleger Schlau nur die Dividendenerträge versteuern muss, erzielt er durch den Verkauf in 20 Jahren nach Abzug von einem weiteren Prozent Spesen 40.676 Euro.

Träge hingegen muss 25 Prozent seines Gewinnes ans Finanzamt überweisen, ihm bleiben aber immerhin noch 34.919 Euro. Der Unterschied beträgt 5.756 Euro. Schlau erzielt eine Nettorendite in Höhe von 7,27 Prozent, Träge verbleiben hingegen nur 6,45 Prozent per annum. Nach 30 Jahren beträgt der Unterschied übrigens 13.622 Euro.

Verständlich, dass die Finanzvertriebe dieses Argument für ihre Zwecke nutzen wollen. Auf diese Weise werden Heerscharen von Anlegern in Fonds gelockt. Jedoch nicht in Indexfonds mit geringen Nebenkosten, sondern in überteuerte Dachfondskonzepte, bei denen gleich auf bis zu drei Ebenen abkassiert wird.


Private Rentenversicherung: Abschließen ab 2009?
Sparzahlungen oder Einmalzahlungen in eine private Rentenversicherung erwirtschaften - ähnlich wie Investmentfonds - ebenfalls laufend Erträge. Diese laufenden Erträge werden allerdings von der Abgeltungssteuer zunächst nicht erfasst. Im Gegensatz zu anderen Anlagen besteht demnach bei der Privaten Rentenversicherung der Vorteil, dass Erträge vor Ablauf der Versicherung vollständig ohne Steuerabzug wiederangelegt werden können. Ferner ist die Rentenversicherung in einem zweiten Punkt privilegiert. Bei Vertragsablauf sind nicht sämtliche Erträge zu versteuern. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Versicherung mindestens 12 Jahre läuft und der Versicherte bei Vertragsfälligkeit mindestens 60 Jahre alt ist. In welcher Weise die Erträge besteuert werden, hängt dann davon ab, ob sich der Sparer die Vertragsleistung auf einen Schlag auszahlen lässt oder er eine lebenslange Rentenzahlung wählt.

Vereinbart man eine Einmalzahlung zum Ende der Versicherungslaufzeit, wird nur die Hälfte aller Erträge erfasst: So kommen zum Beispiel mit 100 Euro monatlich über 20 Jahre 24.000 Euro zusammen. Die prognostizierte Auszahlung beträgt 36.500 Euro, wenn nach Kosten 4 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet werden. Der Ertrag liegt also bei 12.500 Euro. Davon wird die Hälfte erfasst und mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Liegt dieser bei 30 Prozent, fließen 1.875 Euro ans Finanzamt, und das Anlageergebnis nach Steuern liegt bei 34.625 Euro.

Würden die Sparleistungen hingegen in einen Rentenfonds investiert und die Erträge in gleicher Höhe von 4 Prozent pro Jahr während der Laufzeit voll versteuert, weil der Sparerfreibetrag bereits ausgeschöpft ist, beläuft sich die Auszahlung nach Steuern auf nur 32.768,42 Euro. Das sind 1.856,58 Euro weniger.

Vereinbart man die Auszahlung als lebenslange Leibrente, funktioniert die Besteuerung anders: Da die Versicherung mit dem zu Beginn der Rentenzahlung noch nicht ausgezahlten Kapital weiterhin arbeiten kann, werden auch weiter Erträge erwirtschaftet. Der Gesetzgeber verzichtet an dieser Stelle aber auf eine exakte Berechnung und nimmt stattdessen eine Ertragspauschale, den so genannten Ertragsanteil der Rente an. Dessen Höhe hängt vom Lebensalter bei Beginn der Verrentung ab und beträgt zum Beispiel 18 Prozent bei einem Rentenbeginn mit 65 Jahren. Von 1.000 Euro Rente wären demnach 180 Euro Ertrag, der aber nicht mit der Abgeltungssteuer, sondern mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert wird. Je nach Einstiegsalter und Nettoverzinsung kann der rechnerische Ertragsanteil einer Rente auch deutlich höher ausfallen.

Trotz der steuerlichen Vorteile bei bestimmten Konstellationen rät die Verbraucherzentrale davon ab, allein aus steuerlichen Gründen private Rentenversicherungen abzuschließen. Denn zunächst ist zu prüfen, ob diese unflexible Vertragsform überhaupt zu den Zielen und finanziellen Bedürfnissen eines Sparers passt. Zudem führen die steuerlichen Vorteile nicht zwingend dazu, dass solchen Versicherungsprodukte unter dem Strich rentabler als alternative Anlagestrategien sind. Insbesondere bei fondsgebundenen Rentenversicherungen, die in Dachfonds, Zertifikate oder Zertifikatefonds investieren, sind die hohen Kosten des Produktes bei einem Vergleich zu berücksichtigen. Häufig schlagen nur sehr kostengünstige Versicherungsangebote eine kostenoptimierte alternative Anlagestrategie, zum Beispiel in börsengehandelten Indexfonds. Vor einem langfristig bindenden Vertragsabschluss empfiehlt sich daher in jedem Fall eine unabhängige persönliche Beratung, zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale, um den richtigen individuellen Weg zu finden. Die steuerlichen Rahmenbedingungen stellen dabei nur einen Entscheidungsaspekt von vielen dar.

Autor: Verbraucherzentrale Sachsen e.V.

Weiterführende Informationen:


Die letzten 10 Meldungen zum Thema "Aktien":
Legen Frauen besser nachhaltig an?Legen Frauen besser nachhaltig an?
Dortmund, 05.06.2010: ist das Thema einer Podiumsdiskussion während der Messe Grünes Geld am Samstag, 12. Juni im Münchner Künstlerhaus. Mitdiskutieren werden beispielsweise Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag,, Jeanette Murschall von der nachhaltigen Bank Sarasin AG in München und Andrea Förg von der Münchener Green City Energy.
Milliardenschäden durch fehlende Finanzaufsicht: Milliardenschäden durch fehlende Finanzaufsicht:
Berlin, 28.04.2010: Finanzielle Schäden in Höhe von über 700 Millionen Euro entstehen den Verbrauchern jährlich durch ineffiziente Riester-Verträge, zu hohe Dispozinsen und Fremdabhebegebühren. Das zeigen Berechnungen der Stiftung Warentest und des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv).
Beratungsprotokoll: Banken stellen sich dummBeratungsprotokoll: Banken stellen sich dumm
Berlin, 16.03.2010: Seit Jahresbeginn sind die Banken verpflichtet, für Gespräche mit Kunden, in denen Wertpapiere wie Fonds, Anleihen oder Zertifikate empfohlen werden, ein Beratungsprotokoll zu erstellen und dem Kunden auszuhändigen. Doch einige Berater erstellen erst gar kein Protokoll, unterschreiben es – gesetzeswidrig – nicht oder nötigen Kunden zu einer Unterschrift, die nicht vorgesehen ist.
Anleger investierten 2009 über eine halbe Milliarde Euro in geschlossene Erneuerbare Energie-FondsAnleger investierten 2009 über eine halbe Milliarde Euro in geschlossene Erneuerbare Energie-Fonds
Dortmund, 14.01.2010: Mehr als eine halbe Milliarde Euro (genau: 529 Millionen Euro) investierten deutsche Anleger im Finanzkrisenjahr 2009 in nachhaltige geschlossene Fonds, insbesondere in Solarfonds. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Dortmunder Branchendienstes ECOreporter.de zum Markt des grünen Geldes in Deutschland.
Freiburg wird am 10. Oktober zur Freiburg wird am 10. Oktober zur "Hauptstadt ethischer Finanzen"
Dortmund, 11.09.2009: Krisenfeste Kapitalanlagen „mit Sinn“ werden am 10. Oktober 30 Aussteller beim „Freiburger Tag für ethische und ökologische Geldanlage“ den Besuchern vorstellen. Ort dieser Messe mit Vortragspro­gramm: das Historische Kaufhaus am Münsterplatz.
Solaraktien-Studie 2009 Solaraktien-Studie 2009 "YES WE GROW!"
Wien, 13.01.2009: Eine Analysten-Studie zu den 30 Solaraktien des Photon Photovoltaik Aktien Index (PPVX) und 70 weiteren börsennotierten – und noch nicht notierten - Solaraktien. Einzelanalysen der börsennotierten deutschen und schweizer Aktien des PPVX-Solar-Aktien-Index (von centrotherm photovoltaics über Q-Cells und SolarWorld bis zu Solon); Peer-Group-Kennzahlentabellen, Einschätzung der internationalen ...
"Legalisierte Verschleierung der Vermögenslage"
Brandenburg, 17.12.2008: Die neuesten Änderungen der internationalen Bilanzierungsstandards im Zuge der Finanzkrise werden von deutschen Experten heftig kritisiert. Zur Regelung, dass durch fallende Börsenkurse entstandene Verluste nicht mehr zwangsläufig in der Unternehmensbilanz auftauchen müssen, sagt Prof. Dr. Joachim S. Tanski: "Wenn nicht realisierte - also fiktive - Gewinne aus steigenden Aktienkursen gut geschrieben ...
Einkaufen statt FreikaufenEinkaufen statt Freikaufen
New York, 11.10.2008: Die Märkte befinden sich im freien Fall und wir uns fragen wie die Krise unseren Alltag beeinflussen wird. Ein neues Phänomen zeichnet sich ab – Regierungen intervenieren direkt in die Finanzmärkte, die bis jetzt von rücksichtslosen und gierigen Finanziers kontrolliert wurden. Dieses Wochenende blickt die ganze Welt ...
Steuercheck:  AbgeltungsteuerSteuercheck: Abgeltungsteuer
Berlin, 26.09.2008: Ganz einfach solle die Abgeltungsteuer sein, versprach Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, als er die neue Steuer verkündete. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn für die vielen unterschiedlichen Geldanlagen gelten auch unterschiedliche Steuerregeln. Was ab dem 1. Januar 2009 bei Zinsanlagen, Fonds, Aktien und Versicherungen beachtet werden muss, erläutert ...
Wird Tec-Dax zum Solar-Dax?Wird Tec-Dax zum Solar-Dax?
Baden-Baden, 12.09.2008: Als vor fünf Jahren der Tec-Dax gegründet wurde, gab es an der deutschen Börse noch keinen einzigen Solarwert. Doch jetzt im September 2008 wird der Tec-Dax immer mehr zum Solar-Dax.

Stand: 8. Dezember 2007
Erstellt: 8. Dezember 2007