Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 8642

Schotten in der Landschaftspflege - Soay-Schafe bieten viele Vorteile





Köln, 30.06.2005: Soay-Schafe sind klein, schlank und leicht. Sie stellen nicht nur deshalb eine gute Alternative zu anderen Schafrassen in der Landschaftspflege dar. Ungefähr 1.000 Muttertiere leben heute in Deutschland, eine Herde von über 80 Tieren ist in der Südeifel, nahe der luxemburgischen Grenze, zuhause.

Steinzeit-Schafe von der Insel

Wie Knochenfunde belegen wurden Soay-Schafe schon im Neolithikum von Menschen gehalten. Frühe Siedler oder Wikingern sollen einige Tiere auf der nach ihnen benannten Insel etwa 175 km vor der schottischen Westküste zurückgelassen haben. „Soay“ bedeutet auf norwegisch Schaf. Die Namensgebung der Insel "Soay" im St. Kilda-Archipel geht sehr wahrscheinlich auf Wikinger zurück. Wegen der vor allem bei rauer See für Schiffe unzugänglichen Insel blieben die Soay-Schafe lange Zeit vor menschlichen Einflüssen verschont. Die Tiere konnten so ihren ursprünglichen Typus bewahren, weshalb sie auch zu den Wildrassen gezählt werden. Das Soay-Schaf zählt in Deutschland zu den sogenannten Exoten unter den vom Aussterben bedrohten Rassen. In den 1970er Jahren wurden die ersten Soay-Schafe von einem Hobbyzüchter nach Deutschland gebracht.


Zuverlässige Landschaftspfleger

Die Soay-Schafe haben viele Eigenschaften, die sie für die Landschaftspflege interessant machen. Die Tiere haben lange Beine einen kurzen Schwanz und sind an steilen Hängen und in felsigem Gelände besonders mobil. Neben ihrem geringen Gewicht (Muttertiere 20-35 kg, Altböcke 25-40 kg) sind die robusten und widerstandsfähigen Tiere sehr anspruchslos und pflegeleicht im Vergleich zu anderen Landschafrassen.

Harte Klauen und natürlicher Wollabwurf

Hauptvorteile sind, dass ihre harten Klauen zwar kontrolliert aber nicht geschnitten werden müssen und dass das dunkelbraune, wildfarbene Fell Ende Mai bis Anfang Juni abgeworfen wird. Die wildfarbene Zeichnung des Fells, mit hellem Bauch und Spiegel entspricht in etwa der des Mufflon. Der natürliche saisonale Wollabwurf ist bei dem fast nicht existierenden Absatzmarkt für heimische Rohwolle von Nutzen.
Beide Geschlechter tragen Hörner, unbehornte Tiere sind selten. Bereits nach einem Jahr sind die Tiere geschlechtsreif. Die Brunst ist saisonal und die Muttertiere tragen einmal im Jahr ein bis zwei Tiere durch leichte Ablammung aus.
Soay-Herden können auf umzäunten (mindestens 1,80 m Höhe) Weideflächen ohne ständige Beaufsichtigung ganzjährig gehalten werden. Standweide oder Umtriebsweide sind als Weideverfahren möglich. Soay-Schafe besitzen Wildcharakter und lassen sich nicht von Hunden treiben. Zum Menschen kann, vor allem bei Soay-Mischlingen, ein vertrautes Verhältnis bestehen.
Für die Pflege von Deichen sind die Tiere auf Grund ihres relativ geringen Gewichtes nicht empfehlenswert. Neben dem Einsatz in der Landschaftspflege sind hauptsächlich Felle und Fleisch nutzbar. Es gibt haarbetonte und wollbetonte Felle. Die Milchproduktion fällt für eine Verwertung zu gering aus.


Schotten in der Eifel

In der Südeifel nahe der Stadt Neuerburg (Rheinland-Pfalz) wird eine Soay-Schafherde auf dem Görgen-Hof (Foto) gehalten. Der Pensionär und Soay-Experte Wim Nippen hält hier eine Soay-Herde von über 80 Tieren.
Die über sechs Hektar große Weide mit Offenfrontstall und Zugangsmöglichkeiten zum Wald und zu einem Bach in der Talsohle bieten den Tieren ganzjährig ideale Lebensbedingungen.
Soay-Schafe ernähren sich, neben Gräsern und Wildkräutern, gerne auch von Rinde, Flechten, Moosen und Laub. Sogar Disteln, Farne und Brennnesseln werden gefressen. Bevorzugte Baumarten sind Eschen, Buchen und Fichten. Eichenblätter und Eicheln werden hingegen nicht verspeist. Im Winter ernähren sich die Tiere zusätzlich von Heu. Frisches Wasser und ein Salzleckstein sind wichtig.


Schaf-Patenschaften

Wim Nippen (Foto, rechts) besitzt lediglich drei eigene Schafe, die restlichen Tiere versorgt er im Auftrag zahlreicher Soay-Liebhaber, die vor allem am Fleisch interessiert sind. Das Fleisch lässt Wim Nippen von einem Metzger auch zu Schinken und Salamis verarbeiten. Geschmacklich liegen die wenig fettigen Produkte zwischen dem milderen Wild und dem üblichen strengeren Schafsfleischgeschmack.

Hier finden Sie den Radiobeitrag "Haustier aus der Steinzeit" des Deutschlandfunks vom 28. Juni 2005 über die Soay-Schafherde von Wim Nippen zum nachlesen.


Weitere Auskünfte und Quellenangaben beim Autor:
Dr. Thomas Wardenbach - Beratung und Pressebüro für Geowissenschaften & Agrarwirtschaft, Köln
Autor: Dr. Thomas Wardenbach
4976 Aufrufe
Stand: 21. Jänner 2008
Erstellt: 30. Juni 2005

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