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Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 6023

Illegale Jagd auf 1.000 Euro-Käfer

Frankfurt a. M., 28.01.2004: Mehrere tausend Euro erzielen Schmuggler auf internationalen Märkten für vom Aussterben bedrohte Hirschkäfer. Die Aussicht auf schnell verdientes Geld lockte auch vier Deutsche in das üble Geschäft. Ein Gericht in Südafrika verurteilte sie am Montag für die illegale Jagd auf bedrohte Hirschkäfer.


Bei den vier Männern aus Bayern wurden Mitte Januar 842 Insekten gefunden, darunter 211 Hirschkäfer, die sie ohne Erlaubnis in südafrikanischen Naturreservaten gefangen hatten. Das Strafmaß wollen die Richter in Paarl in den kommenden Tagen festlegen. Den geständigen Schmugglern droht eine Geldstrafe von 100.000 Rand (ca. 11.300 Euro) und bis zu 10 Jahren Haft.

Die Männer, die gemeinsam am 28. Dezember in Südafrika eingereist waren, führten eine professionelle Ausrüstung für die Käferjagd mit sich. Die Polizei fand Insektennetze, Chemikalien, zahlreiche Plastikbehälter und Landkarten, auf denen die wichtigsten Verbreitungsgebiete der Hirschkäfer eingezeichnet waren. Nach eigener Aussage war ihnen bewußt, dass die Jagd auf die Insekten verboten ist.

Das vom WWF gemeinsam mit der Weltnaturschutzunion IUCN gegründete Artenschutzprogramm TRAFFIC, das weltweit den Artenhandel beobachtet, hatte die Ermittlungen der südafrikanischen Behörden unterstützt. Die gesammelten Hirschkäfer unterliegen dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES, das mehr als 5.000 Tier- und 25.000 Pflanzenarten schützen soll.

"Der illegale Handel mit seltenen Tieren und Pflanzen lockt immer mehr zwielichtige Typen an", berichtet Volker Homes, Artenschutz-Referent des WWF. "Nach groben Schätzungen werden pro Jahr etwa 7 Milliarden Euro mit dem illegalen Wildartenhandel umgesetzt. Die Gewinnspannen sind vergleichbar mit dem Drogen- oder Waffenschmuggel."

Südafrika ist die Heimat einiger besonders seltener - und damit sehr gewinnträchtiger - Arten des Hirschkäfers. Auf diese hatten es die vier Deutschen abgesehen. „Es gibt einen riesigen Markt für seltene Insekten“, erklärt Homes. "Allein in Deutschland gibt es jedes Jahr neun Insektenmessen, auf denen bis zu 80.000 Tiere angeboten werden. Gerade der Handel mit seltenen Käfern boomt. So ging ein legal in Japan erworbener Käfer schon mal für 70.000 Euro über den Ladentisch."

Schmuggel und illegaler Handeln stellen eine große Gefahr für zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten dar. Deshalb fordert der WWF eine bessere Kontrolle des Handels. "Der aktuelle Fall in Südafrika zeigt nur die Spitze einer Entwicklung, die skupellosen Händlern Millionengewinne beschert", resümiert der WWF-Referent.

Autor: WWF Deutschland

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Stand: 28. Januar 2004
Erstellt: 28. Januar 2004