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Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 5957

Tauben: "Ratten der Lüfte" ?

München, 20.01.2004: Tauben sind in den letzten Jahren zur Großstadtplage schlechthin hochstilisiert worden. Den "Schädlingen" und "Ratten der Lüfte" wird Widerwille und sogar Hass entgegen-gebracht. Es steht außer Frage, dass es Probleme mit Tauben in den Städten gibt. Aber es ist falsch anzunehmen, dass mit Fütterungsverboten der Taubenbestand in einer Stadt vermindert werden könnte.

Diese Maßnahmen bleiben wirkungslos, weil die Tiere auch ohne Zufütterung in einer Großstadt Unmengen von Nahrung finden: Pommes, Waffeln, weggeworfene Pausenbrote, Schokoladenreste etc. machen die Stadt für die Tauben zu einem Schlaraffenland.
Hunderte von weißen Tauben werden zum Zeichen des Friedenswillens in die vom olympischen Geist erfüllten Lüfte losgelassen, die sich dann anschließend ihre Beine an mit spitzen Nägeln oder mit Drähten versehenen Fenstersimsen verstümmeln, totgeschossen oder vergiftet werden.

Die Scheinheiligkeit kennt keine Grenzen.
Das Bundesgesundheitsamt hat schon 1989 die Einstufung dieser Tiere als "Schädlinge" im Sinne des § 13 Absatz 1 Bundesseuchengesetzes zurückgenommen. Das heutige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin bestätigt sogar, dass von Tauben keine wesentlichen gesundheitlichen Gefährdungen ausgehen.

Es gibt sinnvolle und nachhaltige Lösungen, die Mensch und Tier gleichermaßen gerecht werden. Ausgereifte Konzepte sollen eine tiergerechte Kontrolle der Taubenbestände vor allen in Großstädten ermöglichen. Ziel eines Konzepts, das wir an dieser Stelle vorstellen möchten, ist es, einen gesunden und stadtverträglichen Taubenbestand zu erhalten. Dies soll mit folgenden Maßnahmen erreicht werden: - Die Einrichtung von betreuten künstlichen Nistplätzen (Taubenschläge,
Taubenhäuser, Taubentürme),
- die Einrichtung kontrollierter Futterplätze und
- die Beratung der Bürger, die Probleme mit Stadttauben haben.

Der Kot der Tauben bleibt überwiegend in diesen künstlichen Nistplätzen, da sich Tauben nicht nur die ganze Nacht, sondern auch lange Zeit des Tages im Taubenschlag aufhalten. Weiterhin kann durch die Wegnahme von Eiern, die gegen Gips- oder Plastikeier ausgetauscht werden, eine Geburtenkontrolle umgesetzt werden.

Dass sich dieses Konzept rechnet, beweißt die Stadt Augsburg. Allein die Reinigungskosten des Seiteneingangs des Renaissance-Rathauses (10 000 €)übersteigen um ein Vielfaches die Kosten, die für Taubenschläge anfallen würden. Pro Taubenschlag wird im Monat ein finanzieller Aufwand von etwa 100 € angesetzt, der für die ehrenamtlichen Betreuer ausgegeben wird. In Augsburg werden derzeit Taubenschläge an 7 ausgewählten Standorten im Innenstadtgebiet betreut. Bis 2006 plant die Stadt, weitere 8 Taubenschläge zu integrieren.

Neben Augsburg haben weitere 14 deutsche Städte das neue Konzept umgesetzt. Judith Schmalzl vom Deutschen Tierhilfswerk e.V. hofft, dass sich noch mehr Städte von dem neuen Weg überzeugen lassen und steht ihnen gern mit Rat und Tat zur Seite.

Weitere Informationen bei:
Judith Schmalzl, Kontaktbüro München, Tel.: 089-35752-202 : judithschmalzl@tierhilfswerk.de

Autor: DTHW Pressestelle

Weiterführende Informationen:



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Stand: 19. Januar 2004
Erstellt: 20. Januar 2004