Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 4614

Affen und Raubtiere als Flohmarktware





München/Hamm, 28.04.2003: Aggressive Raubtiere, verängstigte Fledermäuse und sogar Affen werden als neuer Trend auf speziellen Wildtierbörsen gehandelt. So fand am Wochenende in Hamm / Westfalen zum dritten Mal die EXOTIC ANIMAL statt – nach Angaben des Veranstalters die größte Säugetier-Börse Deutschlands.


Die Artenschutzorganisation PRO WILDLIFE kritisiert: „Auf solchen Flohmärkten werden selbst gefährliche oder extrem schwer zu haltende Wildtiere an völlig unbedarfte Kunden verschachert.“ Zu den angebotenen Arten gehören Kleinbären, Raubkatzen, Affen, Gürteltiere, Fledermäuse, Stinktiere und viele weitere Arten, von denen viele sogar aus freier Wildbahn stammen. „Einige Käufer greifen gezielt auf exotische Fledermäuse oder Igel zurück, weil die bei uns heimischen Arten im Gegensatz zu den Exoten streng geschützt sind.

Die Bundesregierung muss diesem Treiben einen Riegel vorschieben“, fordert PRO WILDLIFE. Der Handel mit Exoten als Haustiere boomt: Seit Anfang der 90er Jahre hat die Haltung von Reptilien in deutschen Haushalten dramatisch zugenommen. Allein 200.000 Riesen- und 100.000 Giftschlangen leben nach Schätzungen von Experten unter deutschen Dächern. Nun entwickelt sich ein neuer Markt: „Exotische Säugetiere sind der letzte Schrei – wegen ihres oft niedlichen Aussehens oder einfach, weil man ein Haustier haben will, das sonst keiner im Wohnviertel besitzt“, berichtet Dr. Sandra Altherr, Biologin bei PRO WILDLIFE. Vergessen wird dabei, welche erhebliche Probleme durch den unbedachten Kauf für Mensch und Tier entstehen können:
  • Viele der angebotenen Tiere sind Wildfänge, die eigens für den Handel eingefangen wurden. Die Tiere haben schlimme Strapazen hinter sich. Die Auswirkungen auf die Wildtierbestände bleiben oft unbekannt.
  • Einige der Arten sind sehr gefährlich, wie z.B. Nasenbären: Diese hochaggressiven Kleinbären sehen harmlos aus, können aber mit ihren messerscharfen Zähnen in 10 Sekunden einen ausgewachsenen Schäferhund töten.
  • Die Verkaufsbedingungen auf den Börsen sind großteils skandalös: Die Behältnisse sind zu klein, bieten keine Rückzugsmöglichkeiten und sind übereinander gestapelt. Nachtaktive Arten wie Igel oder Fledermäuse sind gleißendem Licht ausgesetzt und werden wiederholt gestört und herumgereicht.
  • Arten, die in großen Gruppen oder Familienverbänden leben (z.B. Affen, Erdhörnchen, Präriehunde) werden einzeln verkauft. Diese Tiere leiden erheblich unter ihrer isolierten Haltung.

PRO WILDLIFE dokumentiert in einer aktuellen Studie den zunehmenden Trend der Wildtierbörsen und die eklatanten Missstände auf den verschiedenen Veranstaltungen. „Wir fordern von den Politikern einheitliche und strenge Regeln für Börsen und, dass Arten, die für die Privathaltung ungeeignet sind, vom Verkauf ausgeschlossen werden“, erklärt Altherr abschließend.
Autor: Prowildlife
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Stand: 28. April 2003
Erstellt: 28. April 2003

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