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Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3811

Zustand des Waldes bleibt besorgniserregend

Baden-Baden, 08.11.2002: Der Zustand des Waldes bleibt besorgniserregend. Zu dieser Einschätzung kommt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW)auf der Basis von Waldschadensberichten aus fünf Bundesländern. Einen Monat vor dem offiziellen Schadensbericht der Bundesregierung warnte

Verbandspräsident Wolfgang von Geldern am Donnerstag in Berlin vor den Folgen der zunehmenden Luftverschmutzung für die Wälder.

Besonders die Luftverschmutzung greift die Wälder stark an: Die Böden versauern und die Artenvielfalt des Waldes geht zurück. Zu diesem Schluss kommt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald vor dem Hintergrund der Waldzustandsberichte aus fünf deutschen Bundesländern. Es besteht dringender Handlungsbedarf: Giftiges Aluminium und Mangan werden in den angegriffenen Wäldern aus dem Boden ausgewaschen und gelangen ins Grundwasser. Die Folge: Unser Trinkwasser ist in Gefahr. Grenzwerte werden schon heute teilweise überschritten. Die SDW fordert daher, bei der Luftverschmutzung entschieden gegenzusteuern.


Schadensbilanz unterscheidet sich regional und nach den Baumarten
Die Schadensbilanz 2002 fällt regional unterschiedlich aus. Besonders schlecht ist der Zustand der Buchenwälder in Rheinland-Pfalz. Jede zweite Buche ist dort geschädigt. Leicht entspannt hat sich die Situation der Kiefern in Bayern. Nur noch jede sechste Kiefer leidet hier unter den Umwelteinflüssen. Vor einigen Jahren war es noch jede vierte. Der Wald im Süden Deutschlands ist generell stärker geschädigt als im Norden. Gerade die Waldbestände in den Alpen, im Schwarzwald und im Rhein-Main-Gebiet sind stark in Mitleidenschaft gezogen.


Die Böden versauern, das Trinkwasser ist bedroht
Hauptursache der Waldschäden ist die Luftverschmutzung. Sie belastet die Bäume mit Stickstoffen und Nitraten. Verantwortlich hierfür ist der Straßenverkehr. Er verursacht fast 60 Prozent der Gesamtemissionen an Stickoxiden. Die Folge: Der Säuregehalt in den Waldböden hat sich in den letzten 50 Jahren verhundertfacht. Die Feinwurzeln sterben in den versauerten Böden ab. Die Bäume können einen Teil ihrer ökologischen Funktionen nicht mehr erfüllen. Auf einem Drittel der beobachteten Waldfläche ist dies bereits der Fall. Die Eigenschaft des Waldbodens, Schadstoffe aus dem Wasser herauszufiltern, geht so verloren: Giftiges Aluminium, Mangan und Nitrat gelangen ins Grundwasser. Dies gefährdet die Qualität des Trinkwassers. Schon heute werden die zulässigen Grenzwerte teilweise überschritten.

Artenvielfalt geht zurück
Auch die Artenvielfalt des Waldes ist durch die Stickstoffbelastung bedroht. Der Grund: Die künstliche "Düngung" mit Stickstoff raubt Pflanzen, die auf nährstoffarmen Böden gedeihen, den Lebensraum. Sie werden von anderen Pflanzen, die sich an die Umwelteinflüsse besser anpassen, verdrängt. Auf der Hälfte der beobachteten Waldfläche ist ein solcher Prozess zu beobachten.


SDW fordert einen Maßnahmenkatalog zur Reduzierung der Luftverschmutzung
"Das Ökosystem Wald ist durch die Luftverschmutzung stark beinträchtigt. Ein entschiedenes Gegensteuern ist hier geboten. Denn der Wald erfüllt bedeutende ökologische Funktionen. Besonders sein Beitrag zur Reinheit des Trinkwassers ist unverzichtbar", so Wolfgang von Geldern, der Präsident der SDW.

Die SDW fordert die rotg-rüne Regierung daher zu entschiedenen Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung auf. Konkret wird verlangt, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene endlich voranzutreiben. Parallel dazu müssen die Beobachtungsflächen in den Wäldern erweitert werden, um die Schäden besser auswerten zu können. Als erster Schritt, um der Versauerung des Bodens kurzfristig zu begegnen, sind verstärkte Kalkungen der betroffenen Waldgebiete nötig.

Die SDW ist eine der ältesten deutschen Umweltschutzorganisationen
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) ist eine der ältesten deutschen Umweltschutzorganisationen. Am 5. Dezember 1947 wurde die SDW in Bad Honnef bei Bonn gegründet. Heute sind in den 15 Landesverbänden rund 25.000 aktive Mitglieder organisiert. Ziel des Verbandes ist es, den Wald als unverzichtbaren Bestandteil der Umwelt für den Menschen zu erhalten. Die Verbands- und Fachzeitschrift "Unser Wald" erscheint alle zwei Monate in einer Auflage von 10.000 Stück.

Autor: Franz Alt

Weiterführende Informationen:


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Stand: 8. November 2002
Erstellt: 8. November 2002