Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 18872

Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig





Bad Homburg, 02.02.2012: 2012 wird das Jahr des Einschnitts in die Förderung der europäischen Photovoltaik werden. Das sehen viele Experten nicht nur auf Grund restriktiver Regierungsmaßnahmen in einigen europäischen Staaten so, sondern auch die Struktur der selbst verordnete Entwicklungspolitik der Solarförderung ist an einem Punkt angekommen, wo es neuer Impulse bedarf.

Eins hat die bisherige Entwicklung auf jeden Fall gebracht: einen boomenden Solarmarkt, die Vervielfachung des Anteils des Solarstroms an der europäischen Stromproduktion und deutlich gesunkene Herstellungskosten für Photovoltaikanlagen.

Ist Photovoltaik jetzt marktfähig?

Mit dem Ziel, Solarstrom marktfähig zu machen, wurde 2004 das Gesetz zu den Erneuerbaren Energien in Deutschland, das auch als Vorbild für viele andere europäische Staaten diente, auf den Weg gebracht. Mit der Einspeisevergütung für den selbst erzeugten Solarstrom erhielten die Betreiber Planungs- und Finanzsicherheit, mit der jährlichen Degression dieser Vergütung sicherte der Staat die Anpassung an die Marktlage und sich selbst vor unübersehbaren Zahlungen, die ja auf 20 Jahre garantiert sind. Je mehr Kapazitäten in Betrieb genommen wurden, desto höher (3 % zusätzlich für jede 1.000 MW über dem Basiswert von 3.500 MW) fiel die Degression aus. 2012 ist nun ein Stand erreicht, der den Solarstrompreis nur noch wenig über den üblichen Tarifen ausweist. Bereits 2010 wurde die Vergütung des Eigenverbrauchs eingeführt, um den Betreibern von Photovoltaikanlagen wieder Anreize zu bieten. Aber auch diese Vergütung sinkt und gilt vorerst nur bis 2014. Ohne staatliche Unterstützung wird Solarstrom auch in der näheren Zukunft nicht auskommen. So wie in Deutschland sieht es auch in den anderen europäischen Staaten aus.

Neuorientierung bei der Solarförderung?

An diesem Punkt der Entwicklung treten nun widerstreitende Interessen auf den Plan. Durch die so genannte Energiewende mit dem zumindest in Deutschland geplanten Ausstieg aus der Atomenergie sind weitere Kapazitäten gefragt, die nach Ansicht von Wirtschaftskreisen nicht vom Staat bezahlt werden können. Spanien hat beispielsweise schon die Notbremse gezogen und gerade wieder einmal die Solarförderung für neue Anlagen ausgesetzt. In Ländern wie Deutschland und Italien werden keine Impulse mehr gesetzt; die Politik hat bereits den Rückwärtsgang eingelegt. Länder wie England, Belgien oder Frankreich könnten zulegen. Immer noch hängt es von der staatlichen Förderung ab, ob der Solarmarkt angekurbelt wird oder nun auch zunehmend stilllegt.

Süd- und Osteuropa mit Vorteilen

Trotz der Turbulenzen in Spanien und der italienischen Zurückhaltung sind die Solarstromerzeuger in Süd- und Osteuropa näher dran an der Marktfähigkeit. Die gesunkenen Kosten für die Photovoltaik könnten bei den hier höheren Erträgen den Ausgleich für die staatliche Subvention darstellen.

Weitere Informationen >

Autor: Christian Münch
705 Aufrufe
Stand: 3. Februar 2012
Erstellt: 3. Februar 2012

Weitere Meldungen zum Thema "Energiewende":

Social Bookmarks
Top-News Umwelt und Natur