Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 17082

Kein Safer Sex im Spinnennetz!





Hamburg, 02.09.2010: Das Paarungsritual beginnt sanft und sensibel. Die Spinnen-Männchen zupfen vorsichtig an einem ganz speziellen Faden und bringen so das Netz der Angebeteten in Schwingung. Da Spinnen sehr empfindlich auf Erschütterungen reagieren, erkennt das Weibchen am rhythmischen Zupfen die sexuellen Absichten des Verehrers.

Ist sie paarungswillig, kommt sie ihm entgegen. Während weibliche Gartenkreuzspinnen bis zu 18 Millimeter groß werden können, ist das Männchen mit zehn Millimetern relativ klein und der Spinnen-Dame körperlich unterlegen. „Der Größenunterschied ist bei Spinnen nicht ungewöhnlich und macht Sex für Spinnenmännchen manchmal zu einem gefährlichen Unterfangen“, sagt Dr. Dieter Martin, Leiter der Forschungsstation der Deutschen Wildtier Stiftung in Wildtierland Gut Klepelshagen. „Bei einigen Arten endet das Liebesspiel tödlich, denn sie werden von der Partnerin nach der Begattung einfach aufgefressen“, sagt Dr. Martin. Bei der Gartenkreuzspinne allerdings trennen sich Männchen und Weibchen nach der Paarung friedlich. Jetzt im Herbst legt das Weibchen die Eier in einem Kokon aus wollig-weichen Fäden ab. Erst im Frühjahr verlässt der Nachwuchs dann diesen schützenden Kokon. Das Spinnenweibchen stirbt nach der Eiablage.

Eine Kreuzspinne spinnt immer! Die Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) gehört zur großen Familie der Radnetzspinnen (Araneidae), die in Deutschland mit etwa 50 Arten vertreten ist. Sie ist eine wahre Meisterin im Spinnen. Ihre Fäden stellen von Menschen gemachte Materialien an Festigkeit und Elastizität, Dehnbarkeit und Feinheit in den Schatten. Die Spinne baut etwa 100 Netze in ihrem Leben und hantiert geschickt mit 80 Meter Fadenlänge, ohne sich dabei zu verheddern. Für den Nachwuchs spinnt sie einen Kokon aus Watte- und Hüllfäden. Den „Rohstoff“ für die Fäden produzieren Spinnen in mehreren hundert Drüsen.
„Was jetzt im Altweibersommer wie verlorene Haarteile in den Wiesen, Sträuchern und Bäumen hängt, sind die Netze der Baldachinspinnen“, sagt Dr. Martin von der Deutschen Wildtier Stiftung. Die Gespinste erinnern ein bisschen an die grauen Haare alter Frauen. Deshalb hat der Volksmund den Begriff „Altweibersommer“ geprägt. Früher dachten die Menschen, dass diese Spinnweben Haare von Elfen und Zwergen seien. Spinnenfaden, die Spaziergänger jetzt hin und wieder im Gesicht spüren, sind Flugfäden, mit denen viele Millionen winziger Spinnen auf die Reise gehen. Sie segeln oft über hundert Kilometer am Faden durch die Lüfte.

Von wegen: Pfui, Spinne! Generell meiden Spinnen die Menschen. Obwohl die einheimischen Arten völlig ungefährlich sind, haben sie nur wenige Freunde. Dabei gehören Spinnen zu den wichtigsten Nützlingen in der Natur. Jahr für Jahr vertilgen sie unvorstellbar große Mengen an Insekten, darunter Ernteschädlinge wie Kartoffelkäfer und Quälgeister wie Stechmücken. Bei vielen Tieren wie Vögeln, Insekten und größeren Spinnen stehen sie selbst auf der Speisekarte. Übrigens: Spinnen sind keine Insekten. Sie bilden eine eigene Ordnung in der Klasse der Spinnentiere (Arachnida), zu denen auch Weberknechte, Skorpione und Milben zählen.
Autor: Deutsche Wildtier Stiftung
1076 Aufrufe
Stand: 2. September 2010
Erstellt: 2. September 2010

Weitere Meldungen zum Thema "Spinnen":

Achtung: Umweltjournal.de übernimmt keine Haftung für veröffentlichtes Textmaterial der Autoren. Die Artikel unterliegen dem Urheberrecht der Autoren und sind nur nach ausdrücklicher Genehmigung frei zum weiterverarbeiten!

Webmaster: André Sepeur
© 1999 - by André Sepeur Medienberatung
plan-verde.de



Social Bookmarks
Newsletter bestellen
Seien Sie immer bestens informiert! Hier können Sie den Tagesrückblick bestellen >
Folgen Sie uns nach Facebook


Inserate
Top-News Umwelt und Natur
Dreckiges Benzin aus KanadaDreckiges Benzin aus Kanada
Dreckiges Benzin aus Kanada
Berlin, 07.02.2012: Die Umweltorganisationen Greenpeace, Nabu und WWF fordern in einer gemeinsamen Erklärung die Bundesregierung auf, strengere Klimaauflagen für Benzin und Diesel aus Teersanden zu unterstützen.
Weiterlesen
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängigEuropäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Bad Homburg, 02.02.2012: 2012 wird das Jahr des Einschnitts in die Förderung der europäischen Photovoltaik werden. Das sehen viele Experten nicht nur auf Grund restriktiver Regierungsmaßnahmen in einigen europäischen Staaten so, sondern auch die Struktur der selbst verordnete Entwicklungspolitik der Solarförderung ist an einem Punkt angekommen, wo es neuer Impulse bedarf.
Weiterlesen
Fangverbot für Donau-StörFangverbot für Donau-Stör
Fangverbot für Donau-Stör
Berlin, 29.01.2012: Die bulgarischen Behörden haben ein vierjähriges Fangverbot für Stören in der Donau und dem Schwarzen Meer bekannt gegeben. Auch der Handel mit Kaviar von wildlebenden Stören ist nun für vier Jahre untersagt.
Weiterlesen
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor KopfgeldjägernVIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
Indonesien / Kalimantan / Borneo, 27.01.2012: Buchstäblich in letzter Minute konnte ein Team der international tätigen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN in Borneo eine Orang-Utan-Mutter und ihre Tochter vor dem sicheren Tod bewahren.
Weiterlesen
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“ Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Berlin, 27.01.2012: Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), eine der größten und auffälligsten heimischen Libellen, wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (Libellenkundler) zur „Libelle des Jahres 2012“ gekürt.
Weiterlesen
Angriff auf Wale unter falscher FlaggeAngriff auf Wale unter falscher Flagge
Angriff auf Wale unter falscher Flagge
Hamburg / München: Forscher des Alfred Wegener Instituts für Polarforschung führen derzeit riskante Lärmexperimente in der Antarktis durch. Die Versuche werden von WDCS und WWF scharf kritisiert.
Weiterlesen
Nichts zu lachen für die DrachenNichts zu lachen für die Drachen
Nichts zu lachen für die Drachen
Berlin, 24.01.2012: Alle zwölf Jahre wiederholt sich im chinesischen Horoskop das Jahr des Drachen, das am 23. Januar beginnt. Während wir den Drachen in Europa als bedrohliche Feuer speiende Kreatur aus Märchen und Sagen kennen, ist er in China ein berühmter Glücksbringer, der für den Frühling und Zuversicht steht.
Weiterlesen
Südafrika verliert 448 NashörnerSüdafrika verliert 448 Nashörner
Südafrika verliert 448 Nashörner
Berlin, 13.01.2012: Die Wilderei-Krise in Afrika spitzt sich nach Ansicht der Umweltschutzorganisation WWF weiter zu.
Weiterlesen
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
Düsseldorf, 13.01.2012: In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 fegte der Sturm Kyrill über Deutschland und sorgte vor allem in Nordrhein-Westfalen für Schäden in Milliardenhöhe.
Weiterlesen
Vögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen FütterungVögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen Fütterung
Vögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen Fütterung
Hamburg, 12.01.2012: Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN weist darauf hin, dass das Füttern von Vögeln nicht nur bei frostigen Temperaturen und dauerhafter Schneedecke sinnvoll ist.
Weiterlesen
Inserate
Inserate
Jobbörse