Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 16993

Berlin hat eine neue Brutvogelart – Die Silbermöwe Großmöwe erobert ungewöhnlichen städtischen Lebensraum





Berlin, 21.07.2010: Es ist ein kleine Sensation: Erstmals konnten Beobachter der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft e. V. (BOA) und des NABU Berlin die Silbermöwe als Brutvogel in Berlin nachweisen. Damit erhöht sich die Anzahl der Brutvogelarten, die seit 1850 in Berlin festgestellt wurden, auf stolze 180!

Ungewöhnlicher Brutplatz auf einem Bundestagsgebäude Die Entdeckung erfolgte zufällig: Der NABU wurde über zwei flugunfähige Vögel im Bereich des S-Bahnhofs Friedrichstraße informiert. Vor Ort stellte sich heraus, dass es sich um eine junge Silbermöwe handelte. So nahm man an, dass sich in der Nähe auch ihr Brutplatz befindet, auch wenn dies angesichts der stark verbauten Berliner Spree sehr unwahrscheinlich erschien.

Aus dem Küstenraum wird jedoch regelmäßig von Möwenbruten auf Kiesdächern berichtet. Daher konzentrierten sich die Ornithologen bei ihrer Suche auf die umliegenden Flachdächer und wurden schließlich auf einem Gebäude des Bundestags unmittelbar an der Straße Unter den Linden fündig!
Einen Tag nach dem Fund der jungen Silbermöwe war in Begleitung von Mitarbeitern der Hausverwaltung und der Bundespolizei eine Nachsuche auf dem Gebäude möglich. Die Ornithologen fanden drei Silbermöwennester auf dem Dach.
So wurde nicht nur eine neue Brutvogelart für Berlin nachgewiesen, sondern auch ein schönes Beispiel dafür gefunden, wie flexibel und dynamisch Vögel bei der Suche nach einem geeigneten Brutplatz sind.

Von der Küste ins Binnenland
Ursprünglich war die Silbermöwe ausschließlich an den Meeresküsten verbreitet. Jedoch beobachtete man seit den siebziger Jahren immer häufiger Silbermöwen, die im Binnenland ihre Nester bauten. Als Ursachen werden die Zunahme ihrer Küstenpopulationen, die Intensivierung der Karpfenmast in den Teichgebieten und die Ausdehnung großer offener Müllkippen zu dieser Zeit vermutet. In Brandenburg stammen erste Vermutungen aus dem Jahr 1966, doch erst 1981 wurde schließlich die erste Brut nachgewiesen. Inzwischen nisten jährlich bis zu 200 Brutpaare in Brandenburg, bevorzugt an den großen Teichgebieten sowie an Tagebauseen.

Der letzte Nachweis einer neuen Brutvogelart in Berlin datiert übrigens aus dem Jahr 2005. Auch hier war es eine Möwenart, die deutlich kleinere Sturmmöwe, die seitdem regelmäßig als Brutvogelart entlang der Spree im Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain auftritt.

Hintergrundwissen zur Silbermöwe
Eine ausgewachsene Silbermöwe kann bis 60 cm groß werden, ein Gewicht von
1,5 kg und eine Flügelspannweite von etwa 145 cm erreichen. Sie ist damit doppelt so groß, wie die in Berlin am häufigsten auftretende Lachmöwe. Das Gefieder ist weiß, die Flügeloberseite hellgrau und die Flügelspitzen sind schwarz gefärbt. Der kräftige Schnabel ist gelb und hat vorne an der Unterseite einen markanten roten Fleck. Die Augen sind ebenfalls gelb gefärbt, die Beine erscheinen hingegen rosa. Diese eindeutige Färbung ist bei den Jungvögeln jedoch noch nicht zu finden, sondern bildet sich erst nach vier Lebensjahren. Weibchen und Männchen sind anhand von Größe oder Gefieder nicht zu unterscheiden.
Der Ruf der Silbermöwe klingt in etwa wie "kiu" oder "ka". In ihrem stimmlichen Repertoire hat die Silbermöwe aber auch jaulende und miauende Laute. Jungmöwen machen sich durch 'erbärmlich' wimmerndes Pfeifen bemerkbar.
Autor: NABU Naturschutzbund Deutschland e.V.
1554 Aufrufe
Stand: 21. Juli 2010
Erstellt: 21. Juli 2010

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