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Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 16951

Fortschritt für Urwaldschutz

München/Straßburg, 07.07.2010: EU-Parlament verabschiedet Einfuhrverbot für illegal geschlagene Hölzer. Die Einfuhr illegal geschlagener Tropenhölzer in die EU wird künftig verboten. Am heutigen Mittwoch will das Europäische Parlament einer entsprechenden Verordnung zustimmen.

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife begrüßt diese Entscheidung als überfällig: „Mit ihrem Holzhandelsgesetz zieht die EU endlich die Notbremse und geht gegen die Vernichtung der Urwälder vor. Seit Jahren haben wir für besseren Urwaldschutz gekämpft – nun schließt die EU ihre Pforten für illegal geschlagenes Holz“, sagt Pro Wildlife Sprecherin Sandra Altherr. Zwei Jahre lang rangen Kommission, Rat und Parlament der EU um eine Einigung. Letztendlich konnte das EU-Parlament durchsetzen, dass der löchrige Gesetzesentwurf nachgebessert wurde. „Ein Durchbruch ist, dass der Import illegaler Hölzer nun tatsächlich verboten ist und dass auch Holzverarbeiter nachweisen müssen, dass ihre Ware aus legalen Quellen stammt“, so Altherr.

EU war lange auf dem Holzweg
Bisher war es in Europa legal, Holz aus illegaler Waldzerstörung zu kaufen. Experten schätzen, dass fast ein Fünftel der Holzimporte in die Europäische Union aus dubiosen Quellen stammt. Seit 2003 diskutiert die EU Ansätze, um gegen die Einfuhr illegaler Hölzer vorzugehen und damit dem Raubbau an den letzten Tropenwäldern einen Riegel vorzuschieben. Zunächst wurden freiwillige bilaterale Partnerschaftsabkommen mit einzelnen Ländern vereinbart. Doch bis heute gibt es nur mit drei afrikanischen Ländern (Ghana, Kamerun und Republik Kongo) konkrete Abkommen. Für alle anderen Länder unterliegen Holzimporte bislang keinerlei Beschränkung. „In Brasilien als einem der wichtigsten Holzherkunftsländer stammen bis zu 80 Prozent aus illegalem Einschlag. Ähnlich katastrophal ist die Bilanz in Kambodscha, Gabun oder Papua-Neuguinea“, berichtet Altherr. „Dennoch stehen die Tore der EU für Holz aus diesen Ländern bislang sperrangelweit auf. Dies soll jetzt endlich ein Ende haben.“ 2008 gab es erstmals einen Vorschlag der EU-Kommission für ein Holzhandelsgesetz, das jedoch zahlreiche Schlupflöcher enthielt. Parlament und Rat stritten zwei Jahre um die Einzelheiten, nun ist der Weg für die EU-Verordnung frei. Als reine Formsache gilt die finale Annahme des Gesetzes im Oktober durch den Rat.

Bewertung aus Artenschutzsicht
Das EU-Holzhandelsgesetz – oder in sperriger EU-Sprache die „Verordnung über die Verpflichtungen von Marktteilnehmern, die Holz und Holzerzeugnisse in den Verkehr bringen“ – hat aus Sicht von Pro Wildlife das Potenzial, die Zerstörung der Urwälder vor allem in den Tropen zu verringern. Schließlich ist die EU noch immer ein wesentlicher Absatzmarkt für Hölzer vor allem aus Lateinamerika, Asien und Afrika. „Wichtigste Errungenschaft der Verhandlungen ist, dass künftig Importeure illegal geschlagener Hölzer bestraftwerden können. Außerdem müssen dank des Drucks von EU-Parlament und Verbänden nun auch die einzelnen Holzverarbeiter und -Anbieter die legale Herkunft ihrer Ware nachweisen“, sagt die Pro Wildlife Sprecherin. „Zu den Schwachstellen gehört jedoch, dass die EU nur einen legalen, nicht aber einen ökologisch nachhaltigen Einschlag fordert. Zudem fehlen EU-weit einheitliche Sanktionen, so dass die Länder mit den geringsten Strafen zum Einfallstor für illegale Ware werden könnten. Auch sind Bücher und andere Druckerzeugnisse von der Verordnung ausgenommen. Und nicht zuletzt hätte das Gesetz nach den langen Verhandlungen aus unserer Sicht sofort in Kraft treten müssen – dies geschieht nun erst im Frühjahr 2013.“ Dennoch sind die Artenschützer erleichtert, dass die EU den illegalen Holzimporten endlich entgegentreten will.

Autor: Prowildlife

Die letzten 10 Meldungen zum Thema "Urwald":
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Keine Urwaldriesen zu Hackschnitzeln Keine Urwaldriesen zu Hackschnitzeln
Bremen, 20.02.2010: Mitglieder der Umweltorganisation ROBIN WOOD haben vor der australischen Bot­schaft in Berlin dagegen protestiert, dass die letzten Urwälder Tasmaniens abgeholzt und zu Holzhackschnitzeln für die Energie- und Papierwirtschaft verarbeitet werden.
Spenden für Cyber-Elefant und Online-FroschSpenden für Cyber-Elefant und Online-Frosch
Frankfurt a. M, 29.01.2010: Auf WWF.de hat ein neues, multimediales Online-Spendentool Premiere: Unter www.wwf.de/urwaldriese/ wächst ein virtueller Urwaldriese durch die Spenden der User in ungeahnte Höhen. Der Spenden-Baum ist dem Mengaris-Baum aus Südostasien nachempfunden. Die Internetnutzer können durch ihre Spende die zahlreichen Baumbewohner, darunter Nebelparder, Nasenaffen oder Sunda-Plumploris, platzieren und den Baum – ganz wie in der Realität – zu einer Oase der biologischen Vielfalt werden lassen.
EU-Holzgesetz ist wurmstichigEU-Holzgesetz ist wurmstichig
München/Brüssel, 18.10.2008: Ein von der EU vorgelegter Gesetzesvorschlag zur Bekämpfung des Handels mit illegalen Hölzern ist nach Auffassung von Pro Wildlife mangelhaft. Die Artenschutzorganisation begrüßt zwar, dass die EU der Vernichtung der Regenwälder entgegentreten will, sieht jedoch erhebliche Lücken im geplanten Gesetz. "Der Entwurf ist nicht geeignet, das Verschwinden der Urwälder ...
Greenpeace fordert sofortiges Einfrieren der BiospritquoteGreenpeace fordert sofortiges Einfrieren der Biospritquote
Wien, 04.10.2008: Die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert die heutige Erhöhung der Beimischungsquote für Biosprit von 4,3 auf 5,75 Prozent. Trotz vieler Warnungen vor den negativen Umwelt- und Klimafolgen der derzeitigen Biotreibstoffpolitik hält Umweltminister Josef Pröll an einer weiteren Erhöhung der Biospritquote fest.
Milliarden für den Regenwald gut - Urwaldschutzgesetz besserMilliarden für den Regenwald gut - Urwaldschutzgesetz besser
Bonn, 02.06.2008: Bundeskanzlerin Merkel versprach auf der am Freitag geendeten UN-Artenschutzkonferenz, dass Deutschland bis 2012 zusätzlich 500 Millionen Euro in den Regenwaldschutz investiert. Anschließend wird die Summe auf 500 Millionen jährlich erhöht. "Die Menschheit ist dabei, in wenigen Jahrzehnten zu zerstören, was die Natur in Millionen von Jahren geschaffen hat", so Merkel.
Kettensägen kreischen weiterKettensägen kreischen weiter
München/Bonn, 01.06.2008: Die soeben zu Ende gegangene UN-Naturschutzkonferenz (CBD) bringt kaum Fortschritte für den Schutz der Regenwälder, so das Fazit der Artenschutzorganisation Pro Wildlife. "Einigungen konnten die Teilnehmer nur bei Themen erreichen, die die Interessen von Ländern wie Brasilien, Kanada oder Malaysia nicht allzu sehr beschneiden", sagt Pro Wildlife-Sprecherin Dr. Sandra Altherr.
Urwaldkiller HolzhandelUrwaldkiller Holzhandel
Hamburg, 13.05.2008: Bundesweit werden in Baumärkten und Holzhandlungen Produkte aus illegaler Urwaldabholzung verkauft. Das ist das Ergebnis einer Recherche, die Greenpeace in den vergangenen drei Monaten im deutschen Holzhandel durchgeführt hat. Die in 700 Geschäften gefundenen Produkte aus beispielsweise Teak, Bangkirai oder Akazie stammen zu großen Teilen aus Urwaldraubbau sowie Plantagen, für die Urwald zerstört wurde.
Urwaldschutz weiter stärken Urwaldschutz weiter stärken
Köln, 28.04.2008: Der Bundestag hat den Antrag der GRÜNEN, EU-Mittel für den Urwaldschutz zu verwenden, mit den Stimmen der Regierungsparteien abgelehnt. Das Ziel des Antrages war es, das Urwaldschutzprogramm "Forest Carbon Partnership Facility" um weitere 200 Millionen Euro aufzustocken. Mit diesen Mitteln sollen die Entwicklungsländer stärker den Urwaldschutz unterstützen.
Urwaldschutz: EU vertagt und versagtUrwaldschutz: EU vertagt und versagt
München, 22.03.2008: Anlässlich des Welttages des Waldes fordert die Artenschutzorganisation Pro Wildlife die Europäische Union (EU) auf, die Einfuhr illegal geschlagener Hölzer zu stoppen. "Illegaler Holzeinschlag ist eine der Hauptursachen für die Zerstörung von Wäldern weltweit. Das Holz darf bei uns importiert werden - und die EU schaut tatenlos zu", sagt Jana Rudnick, Waldexpertin von Pro Wildlife.

Stand: 7. Juli 2010
Erstellt: 7. Juli 2010