Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 16685

China hat noch jede Menge Platz für wilde Tiger





Frankfurt a. M., 12.03.2010: Obwohl die Zerstörung und Degradierung der Wälder im Nordosten Chinas kontinuierlich voranschreitet, gibt es dort immer noch weitläufige Waldgebiete. Einer neuen Studie zufolge, die von WWF zusammen mit der Wildlife Conservation Society (WCS) und der Chinesischen Nordöstlichen Universität in Changchun erstellt wurde, könnten davon rund 38.500 km² eine neue Heimat für den bedrohten Amur-Tiger werden.

„Das potentielle Tigerhabitat ist größer als ganz Baden-Württemberg. Hier könnten etwa 80 Tiger ausreichend Nahrung und Lebensraum finden“, sagt Frank Mörschel, WWF-Experte für die Amur-Region. Bereits bestehende Schutzgebiete im Nordosten von China seien bei weitem zu klein, um die chinesische Population des Amurtigers dauerhaft zu sichern. Heute leben nach WWF-Informationen im Ökosystem Changbaishan, das sich über die chinesischen Provinzen Jilin und Heilongjiang erstreckt und an Nordkorea und Russland grenzt, höchstens zwischen 18 und 24 der seltenen Großkatzen.

In der Vergangenheit war der Amurtiger, auch unter dem Namen Sibirischer Tiger bekannt, im Nordosten Chinas weit verbreitet – historische Quellen gehen von etwa 4.000 Individuen aus. Wilderei und Lebensraumzerstörung haben ihn in dieser Region an den Rand der Ausrottung getrieben. Dennoch könnte sich der Tigerbestand im nordöstlichen China wieder erholen. Bis in die vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts war auch die Zahl des Amurtigers im benachbarten Russland auf wenige Dutzend Tiere zurückgegangen. Dort leben heute jedoch wieder bis zu 500 Exemplare.

„Tiere halten sich nicht an Nationalstaatsgrenzen. Eine stabile Population in China, würde auch den russischen Tigern helfen“, sagt Frank Mörschel. Für den Amurtiger gebe es einen Lebensraum, der sich über die Staaten Nordkorea, Russland und China erstrecke. Regelmäßig werden Tiger dabei beobachtet, wie sie die russisch-chinesische Grenze in beide Richtungen überqueren. Eine Wiederansiedelung größerer Tigerpopulationen im Nordosten Chinas sei grundsätzlich allerdings nur in Verbindung mit strengen Schutzmaßnahmen und einer langfristigen Habitatssicherung möglich.

Hintergrund: Jahr des Tigers
Seit dem 14. Februar 2010 befinden wir uns nach dem chinesischen Kalender im „Jahr des Tigers“. Nach WWF-Schätzungen gibt es nur noch rund 3200 Tiger in der Wildnis. Der WWF widmet der charismatischen Großkatze 2010 daher eine weltweite Schutz-Kampagne. Ziel sei es, die Bestandszahl in den wichtigsten Verbreitungsregionen bis zum nächsten „Jahr des Tigers“ 2022 zu verdoppeln.
Autor: WWF Deutschland
1632 Aufrufe
Stand: 12. März 2010
Erstellt: 12. März 2010

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