Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 16473

Neuer Coltan-Boom bedroht Gorillas im Kongo





München, 22.12.2009: Blutige Geschäfte mit Rohstoffen – die dunkle Seite der glitzernden High-Tech-Welt. Für die Gorillas im Kongo wird es eng: Das sel­tene Roherz Coltan wird wieder verstärkt in den letzten Rückzugsgebieten der Gorillas im Kongo abgebaut. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife befürchtet verheerende Folgen für die Gorillas: Die Minenarbeiten zerstören den Lebensraum der Tiere, und für die Fleischversorgung der Arbei­ter werden die Menschenaffen im großen Stil gewildert.


Das seltene Mineralerz Coltan steckt in Handys, Spielkonsolen und in Laptops. Pro Wildlife fordert, dass Elektronikproduzenten kein Coltan aus dem Kongo mehr verarbeiten, bis zuverlässige Umweltstandards Raubbau und Wilderei ebenso ausschließen wie eine Mitfinanzierung des Bürgerkriegs.


In den Bürgerkriegsregionen der Demokratischen Republik Kongo spielt sich neben dem humanitären auch ein ökologisches Desaster ab: Minenarbeiter bauen im Auf­trag der verfeindeten Milizgruppen das Erz Columbit-Tantal (kurz Coltan) ab – sogar in Rückzugsgebieten der bedrohten Grauer-Gorillas und Berggorillas. Um die Minenarbeiter im Kongo mit Fleisch zu versorgen, werden Wildtiere geschossen – Gorillas sind wegen ihrer Größe bei den Jägern besonders begehrt. Bereits während des ersten High-Tech-Booms im Jahr 2001 wurde die Hälfte aller Grauer-Gorillas im Kahuzi-Biega-National­park getötet. Auch der Virunga-Nationalpark, eine der letzten Zufluchtsorte der Berggorillas, ist betroffen. Nun schlägt Pro Wildlife Alarm, dass die Menschenaffen erneut in großer Gefahr sind: „Seit vor einem Jahr die weltweit größte Coltan-Mine in Australien geschlossen wurde, ist der Kongo zum Coltan-Hauptlieferanten gewor­den“, berichtet Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Und noch immer gehören euro­päische Firmen zu den Kunden der kongolesischen Milzen, die mit Coltanabbau ih­ren Krieg finanzieren.“



Versorgungsengpass der Coltan-Industrie lässt Kongo-Produktion steigen
Vor einem Jahr beendeten die Betreiber der Wodgina-Mine in Australien ihre För­deraktivitäten – unter anderem, weil sie mit den Dumpingpreisen für Coltan aus Zentralafrika nicht mehr mithalten konnten. Bis dato hatte die weltweit größte Quelle 31 Prozent des Marktes abgedeckt. Im Frühjahr stoppten zwei weitere Minen in Kanada und Mozambik die Produktion. „Zwar können manche Hersteller von High-Tech-Produkten noch auf Coltan-Vorräte zurückgreifen, doch nun entste­hen Versorgungslücken, die aus dem Kongo aufgefüllt werden“, so die Pro Wildlife Sprecherin. Wurden 2004 nur 92 Tonnen Coltan im Kongo produziert, waren es 2007 bereits 426 und 2008 sogar etwa 517 Tonnen – im Jahr 2009 ist mit über 750 Tonnen zu rechnen.



Coltan aus dem Kongo landet noch immer in Europa
Coltan aus dem Kongo findet noch immer seinen Weg auf den europäischen Markt – entweder di­rekt oder über den Umweg Ruanda. Laut der Expertengruppe der Vereinten Nationen beziehen Firmen mit Sitz in Belgien, England, Öster­reich, der Schweiz und in Holland kongolesisches Coltan. „Wer Coltan aus dem Kongo verarbeitet, finanziert einen grausamen Bürgerkrieg und macht sich mit­schuldig an der Ausrottung der Gorillas“, betont Altherr. Derzeit entwickelt die Bun­desanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover eine geochemi­sche Methode, um die Herkunft von Coltan nachzuweisen. Bisher gibt dies jedoch noch keine Sicherheit: „Solange Firmen keine Nachweispflicht für eine umweltver­trägliche Coltan-Produktion haben und die Unabhängigkeit der Testlabors nicht gewährleistet ist, geht der Raubbau im Kongo weiter“, so die Pro Wildlife Sprecherin.



Warum ist Coltan so begehrt?

Das Columbit-Tantal-Erz ist für die Produktion von Kfz-Elektronik, Mobiltelefonen, Spielkonsolen und Laptops notwendig. Die Miniaturisierung digitaler Geräte in den letzten zehn Jahren hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach Coltan stetig steigt. Coltan hat im Vergleich mit anderen Metallen eine sehr niedrige Recycling­rate (30 Prozent). Jährlich werden nur etwa 1.400 Tonnen produziert, rund 80 Prozent des Weltvorkommens wird im Kongo vermutet.
Autor: Prowildlife
2724 Aufrufe
Stand: 22. Dezember 2009
Erstellt: 22. Dezember 2009

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