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Gestern zeichnete die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ den Film DIE BUCHT als „Besten Dokumentarfilm“ aus.


Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 16216

Zoodirektoren rechtfertigen Delfinhaltung

Hagen/Radolfzell, 23.10.2009: Der Kinofilm "DIE BUCHT", der als Öko-Thriller verpackt, den blutigen Delfinfang in Japan schonungslos offenbart, erregt auch die Gemüter der deutschen Zoodirektoren. In einer dreiseitigen Stellungnahme weisen sie zwei Tage vor dem offiziellen Filmstart ihre Mitschuld an den Delfintreibjagden zurück. Ric O’Barry, Ex-Flippertrainer und Hauptakteur des Kinoschockers von Regisseur Louie Psihoyos, hatte im Vorfeld des Films mehrfach an die deutschen Fernsehzuschauer appelliert:


"Kaufen Sie keine Eintrittskarten für Delfinarien, denn das Angebot regelt die Nachfrage."

Die Zoodirektoren mit Delfinarien, Achim Winkler (Duisburg), Jörg Adler (Münster) mit Frank den Herder (Delfinariums-Geschäftsführer in Münster) und Dag Encke (Tiergarten Nürnberg), begrüßen in ihrer gemeinsamen Stellungnahme, dass Menschen durch den Film auf die grausamen Massentötungen von Delfinen aufmerksam gemacht würden. Sie weisen darauf hin, dass Delfintreibjagden inhuman seien und „von den deutschen Delfinarien auf das Schärfste verurteilt werden“. Angeblich gäbe es heute kein einziges Tier aus Delfintreibjagden in den Delfinarien der Europäischen Union, so die Zoodirektoren. Weiter heißt es, dass die wissenschaftlich geleiteten Delfinarien die Aufklärung der Öffentlichkeit fördern und das Umweltbewusstsein wecken würden. Die Zoos wollen zwischen „wissenschaftlich geleiteten Delfinarien und rein kommerziell betriebenen Delfinshows unterscheiden“.

Den Aussagen der Delfinarien-Betreiber widersprechen die Wal- und Delfinschutz-Organisationen „Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF)“ im westfälischen Hagen und das „Projekt Walschutzaktionen (ProWal)“ in Radolfzell. Die Geschäftsführer der beiden Delfinschutz-Organisationen, Jürgen Ortmüller (WDSF) und Andreas Morlok (ProWal), dazu:

„Unter dem Deckmantel der Wissenschaft verkaufen die Zoos mit Delfinarien in Münster, Duisburg und Nürnberg ihre Delfin-Shows, die mit Bildung und Wissenschaft überhaupt nichts zu tun haben. Die Delfine werden zu Clowns gemacht und leiden in den kleinen Betonbecken. Eine künstliche Wissenschaft in Betonbecken an Delfinen kann auch nur künstliche wissenschaftliche Ergebnisse hervorrufen. Die Zuschauer interessierten sich bisher nur für die Kunststücke der Delfine – aber das wird sich durch den Kinofilm DIE BUCHT sicherlich ändern, wenn die wahren Hintergründe der Delfinarien bekannt werden.

Auch in Europa gibt es Wildfänge aus undurchsichtiger Herkunft. Noch heute lebt im Asterix Park in Paris ein im Jahr 1994 aus dem Holiday Park in der Pfalz transferierter Delfin, der bei der Delfintreibjagd in Japan gefangen worden sein soll. Die Pressesprecherin des Holiday Parks, Katrin Spieß, hat sich auf Anfrage dazu nicht äußern wollen. Duisburg hält immer noch zwei Wildfänge, dem Tiergarten Nürnberg gehören vier Wildfänge und Münster hält einen Sotalia-Delfin, die sämtlich aus dubiosen Wildfängen in Florida, Kuba und Mexiko stammen. Ein Vergnügungsparkbetreiber in der Türkei hat vor zwei Jahren 10 Delfine aus Taiji/Japan für 280.000 US-Dollar aufgekauft. Die Aussage der Zoodirektoren verliert dadurch erheblich an Glaubwürdigkeit.“

Nachdem sich auf Antrag des WDSF die Landesdatenschutzbeauftragte NRW einschaltete, teilte das Umweltamt Duisburg nach erster Verweigerung mit, dass keinerlei Prüfberichte über die Einhaltung der Haltungsvorschriften vorliegen, die der Zoo für das Delfinarium alle drei Jahre der Aufsichtsbehörde einreichen muss. In Münster erreichten die Tierschützer über das Landesumweltamt, dass aufgrund der mangelhaften Lichtverhältnisse ein neues Hallendach gebaut werden muss. Ebenso stellten sie in Münster fest, dass der Beckenkomplex für fünf Delfine und sechs Seelöwen zu klein ist, aber erst nach dem Versterben des Sotalia-Delfins Abhilfe geschaffen werden könne, da dieser getrennt in den Becken gehalten werden müsse.

Gegen den Tiergarten Nürnberg stellten sie Strafanzeige, weil im Delfinarium ohne amtliche Genehmigung seit Jahren schon die Delfintherapie gegen zusätzliches Entgelt durchgeführt wurde. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth empfahl den Tierschützern aufgrund der zivilrechtlichen Verstöße jetzt die Beschreitung des Verwaltungsgerichtsverfahrens und eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Zoo-Verantwortlichen.
Autor: Wal- und Delfinschutz-Forum WDSF

Weiterführende Informationen:


Die letzten 10 Meldungen zum Thema "Delfine":
Hagener „Wal- und Delfinschutz-Forum“ im Gutachterausschuss des Bundesministeriums
Hagen-Hohenlimburg, 17.03.2010: Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat am Montag den Geschäftsführer und Gründer des Hohenlimburger „Wal- und Delfinschutz-Forum“ (WDSF), Jürgen Ortmüller, in den Gutachterausschuss zur Überarbeitung des Säugetiergutachtens für die in Deutschland in Zoos gehaltenen Delfine einberufen.
Sea-World Unfall auch in deutschen Delfinarien möglich
Gerlingen, 02.03.2010: Nach dem tödlichen Angriff eines Orcas im Sea-World Freizeitpark Orlando/Florida warnt die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. jetzt vor möglichen Angriffen von Delfinen in deutschen Delfinarien. Gerade Kinder, die in Delfinarien direkten Kontakt zu den Tieren haben, z. B. durch Handfütterung oder sogenannte Delfintherapien, befänden sich in großer Gefahr.
Ein Oscar für die Delfine?
München, 03.02.2010: Der Dokumentarfilm „Die Bucht“ wurde für den Oscar nominiert. Wie die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ soeben bekannt gab, wurde der Film über die japanische Delfinjagd in die enge Auswahl für den „Besten Dokumentarfilm“ aufgenommen.
Neue japanische Regierung soll Verkauf von giftigem Wal- und Delfinfleisch verbieten
München, 24.11.2009: Offener Brief von Arten- und Verbraucherschutzverbänden! Eine internationale Allianz aus 49 Verbraucherschutz- und Umweltverbänden sowie Wissenschaftlern hat heute die neue japanische Regierung aufgefordert, die Jagd auf Kleinwale und Delfine sofort zu beenden. Darüber hinaus fordern die Verbände, den Verkauf des mit Quecksilber und anderen Giftstoffen stark belasteten Fleisches zu verbieten.
Kinofilm "Die Bucht" sorgt für Zündstoff
Radolfzell/Hagen, 05.11.2009: Der Kinofilm "Die Bucht", der als Öko-Thriller weniger blutige Bilder von den japanischen Delfintreibjagden zeigt, als vom Kinobesucher befürchtet, sorgt nach wie vor für Zündstoff. Delfinschutzorganisationen kritisieren die Haltung der Delfine in den drei deutschen Zoos in Duisburg, Münster und Nürnberg. Nach Aussagen der deutschen Delfin- und Walschutzorganisationen WDSF und ProWal vertuschen die Delfinarienbetreiber der ...
Gigantischer Schaden - Ölaustritt vor Australien gestoppt
München, 05.11.2009: 10 Wochen lang sprudelten vor der Australischen Westküste unkontrolliert Millionen Liter Öl in die Timorsee und alle Versuche, den Ölaustritt zu stoppen, schlugen fehl. Nun konnte das lecke Bohrloch endlich erfolgreich verschlossen werden – der entstandene Schaden für die Tier- und Pflanzenwelt in diesem tropischen Gewässer ist jedoch immens.
Zoodirektoren rechtfertigen Delfinhaltung
Hagen/Radolfzell, 23.10.2009: Der Kinofilm "DIE BUCHT", der als Öko-Thriller verpackt, den blutigen Delfinfang in Japan schonungslos offenbart, erregt auch die Gemüter der deutschen Zoodirektoren. In einer dreiseitigen Stellungnahme weisen sie zwei Tage vor dem offiziellen Filmstart ihre Mitschuld an den Delfintreibjagden zurück. Ric O’Barry, Ex-Flippertrainer und Hauptakteur des Kinoschockers von Regisseur Louie Psihoyos, hatte im Vorfeld des Films mehrfach an die deutschen Fernsehzuschauer appelliert:
Es tut sich etwas in Taiji
München, 20.10.2009: Die Behörden des japanischen Fischerdorfes Taiji haben erstmals Haarproben von Bewohnern genommen, um diese auf Quecksilberbelastung infolge des Verzehrs von Delfinfleisch zu untersuchen. Die Organisationen Pro Wildlife, die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS und OceanCare sind offizielle Partner von "Die Bucht" und haben nur eine Erklärung für die neuesten Vorgänge in Taiji: "Die Behörden wollen offenbar darauf hinarbeiten, dass ihnen der Gesundheitsaspekt einen Grund liefert, die Delfinjagd ...
Ein Kinofilm bringt Hoffnung für Delfine
München, 08.10.2009: DIE BUCHT. Zwei Worte. Dahinter ein schauriges Geheimnis. Nie sollte bekannt werden, was jedes Jahr mit etwa 2.000 Delfinen in einer Bucht des japanischen Fischerdorfs Taiji geschieht. Und welche unrühmliche Rolle Delfinarien dabei spielen! Der Film DIE BUCHT zeigt, wie sich der ehemalige Flipper-Trainer Ric O’Barry auf eine Undercover-Mission begibt, um diese unbequeme Wahrheit ans Licht zu bringen. Im Stil von "Ocean’s Eleven" rekrutieren er und Regisseur Louie Psihoyos ein Team von Tauchern, Surfern, Unterwasserfilmern und Special Effects-Künstlern.
Tränen und Standing Ovation bei Kinofilm-Premiere DIE BUCHT (The Cove) mit Ric O’Barry
Hamburg/Hagen/Japan: 05.10.2009: Die Deutschland-Premiere für den amerikanischen Kinofilm DIE BUCHT (The Cove) am vergangenen Freitag über das japanische Delfinschlachten auf dem Filmfest Hamburg verzögerte sich um 20 Minuten, weil die TV-Medien den Dokumentardarsteller und Ex-Flippertrainer Ric O’Barry und Regisseur Louie Psihoyos schon auf dem roten Teppich mit Interviews in Beschlag nahmen.

Stand: 23. Oktober 2009
Erstellt: 23. Oktober 2009