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Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 16204

Es tut sich etwas in Taiji

München, 20.10.2009: Die Behörden des japanischen Fischerdorfes Taiji haben erstmals Haarproben von Bewohnern genommen, um diese auf Quecksilberbelastung infolge des Verzehrs von Delfinfleisch zu untersuchen. Die Organisationen Pro Wildlife, die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS und OceanCare sind offizielle Partner von "Die Bucht" und haben nur eine Erklärung für die neuesten Vorgänge in Taiji: "Die Behörden wollen offenbar darauf hinarbeiten, dass ihnen der Gesundheitsaspekt einen Grund liefert, die Delfinjagd zu beenden – denn Delfine sind hochgradig mit dem Schwermetall kontaminiert. Egal aus welchem Grund: Hauptsache, Japan beendet diese Massaker."


Taiji steht durch den aktuellen Kino-Dokumentarfilm „Die Bucht“ wegen seiner grausamen Delfintötungen international am Pranger.

Preisgekrönter Kinofilm zeigt erste Wirkung

Seit im Sommer der Dokumentarfilm „Die Bucht“ (englisch „The Cove“) in den US-Kinos und in Australien anlief und die blutige Delfinjagd in der Bucht von Japans Fischerdorf Taiji enthüllte, sind die Fischer dort unter Druck geraten: „Der Film zeigt nicht nur, wie grausam die Jagd ist, sondern auch, wie der Fang lebender Tiere für Delfinarien in aller Welt die Massaker an tausenden Delfinen mitfinanziert“, berichtet Nicolas Entrup, Geschäftsführer der WDCS Deutschland. Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife ergänzt: „Die Haarprobentests sind ein weiteres ermutigendes Signal aus Taiji: Seit Beginn der Jagdsaison Anfang September wurden zwar erneut lebende Delfine für Vergnügungsparks eingefangen, die nicht ausgewählten Tiere jedoch erstmals wieder freigelassen.“ Die Verbände wollen jedoch den Druck auf Japan aufrechterhalten: „Kleinwale sterben weiterhin in Taiji – und auch für Delfine ist die Gefahr erst vorbei, wenn die Regierung die Fangquoten offiziell zurücknimmt“, betont Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare.

Sondermüll: Quecksilber in Delfinfleisch bis zu 5.000fach höher als zulässig

Pro Wildlife und OceanCare veröffentlichten auf der Walfangtagung im Juni einen Bericht über die Giftstoffbelastung in Walen und Delfinen („Toxic Menu“). Der Bericht macht deutlich, wie verantwortungslos die Regierung in Japan handelt, wenn sie weiterhin Jahr für Jahr Fangquoten für Wale und Delfine freigibt und das Fleisch an Schul- und Krankenhauskantinen verteilen lässt. „Delfinfleisch aus Taiji enthält bis zu 2.000 µg Quecksilber, der japanische Grenzwert von 0,4 µg wird damit um das bis zu 5.000-Fache überschritten,“ so Altherr. Die japanische Bevölkerung war hierüber bislang kaum informiert: „Einer Umfrage zufolge wissen über 90 Prozent der Bevölkerung in Japan nichts oder nur wenig über die hohen Quecksilberwerte in Delfinfleisch“, betont Lüber. Dabei erkrankten in den 1950er Jahren in der japanischen Stadt Minamata über 10.000 Menschen aufgrund einer industriellen Quecksilbervergiftung, 3.000 Menschen starben. Gerade wegen dieser Katastrophe ist die mangelhafte Aufklärung der japanischen Behörden über die Quecksilberwerte in Delfinfleisch unverantwortlich. Der Film „Die Bucht“ könnte nun die Wende bringen: Er wird am 21. Oktober auf dem Filmfestival in Tokio zu sehen sein. Dann wird auch die japanische Öffentlichkeit sensibilisiert sein. Die Haarprobentests in Taiji sind vor diesem Hintergrund doppelt bedeutsam.


Die traurige Rolle der Delfinarien

„Solange Delfinarien weltweit für einen lebenden Delfin aus Taiji zwischen 15.000 und 150.000 US-Dollar zahlen, besteht für die Fischer ein enormer Anreiz, an der Delfinjagd festzuhalten“, unterstreicht Entrup. So haben in jüngster Zeit z.B. Delfinarien in Ferienorten der Türkei 10 Tümmler aus Taiji gekauft, für einen Gesamtpreis von 280.000 US Dollar. Deshalb lautet der Appell der drei Verbände einhellig: „Besuchen Sie keine Delfinarien! Dort können Delfine nicht artgerecht gehalten werden – und viele der Wildfänge haben Traumatisches bei ihrem Fang erlebt.

In Deutschland kommt „ Die Bucht“ am 22. Oktober in die Kinos, in Österreich am 20. November und in der Schweiz am 14. Januar 2009.

Autor: Prowildlife

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Stand: 20. Oktober 2009
Erstellt: 20. Oktober 2009