Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 16201

Elfenbeinstreit spitzt sich zu





München, 19.10.2009: Weitere afrikanische Länder wollen Elefantenschutz lockern - obwohl die Wilderei eskaliert. Tansania und Sambia haben beim Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, englisch CITES) Anträge eingereicht, den strengen Schutz ihrer Elefantenbestände aufzuheben. Auch von Mosambik wird ein entsprechender Antrag erwartet. „Dabei sind gerade diese Länder Zentren der Wilderei und des Schmuggels“, berichtet Daniela Freyer von Pro Wildlife.

„Die Hälfte der mehr als 23 Tonnen Elfenbein, die seit Jahresbeginn beschlagnahmt wurden, kamen aus Tansania.“ Pro Wildlife fordert die WA-Staaten auf, weitere Lockerungen des Elefantenschutzes abzulehnen. Sieben afrikanische Länder beantragten beim WA, ein striktes Handelsverbot zu erlassen. Sie wollen damit den höchsten Schutz für Elefanten wiederherstellen, so wie er ursprünglich vor genau 20 Jahren beschlossen wurde. Über die Anträge entscheidet die WA-Konferenz auf ihrer nächsten Tagung im März 2010 in Katar.



Elfenbeinaufgriffe dokumentieren massive Elefantenwilderei

Seit Anfang des Jahres wurden weltweit mindestens 23,6 Tonnen illegales Elfenbein meist auf dem Weg von Afrika nach Fernost beschlagnahmt. Knapp 11,6 Tonnen davon kamen aus Tansania. Aktuelle DNA-Analysen belegen, dass auch Sambia und Mosambik Zentren der Elefantenwilderei sind. „Ausgerechnet diese Länder, in denen mafiös organisierte Wildererbanden Elefanten sogar in Schutzgebieten systematisch abschlachten, wollen nun den strengen Schutz ihrer Elefantenbestände aufheben lassen“, warnt die Pro Wildlife-Sprecherin.



Vor 20 Jahren erlassenes Handelsverbot immer mehr gelockert

Vor genau 20 Jahren, am 17.Oktober 1989, verabschiedeten die WA-Staaten ein absolutes Handelsverbot für Elfenbein, um dem Elefantenschlachten ein Ende zu setzen. Doch dieser Meilenstein des Artenschutzes wurde seit 1997 Schritt für Schritt wieder aufgeweicht: 1997 hob das WA den höchsten Schutzstatus für die Elefanten in Botswana, Simbabwe und Namibia wieder auf. 1999 konnten die drei Länder knapp 50 Tonnen Elfenbein nach Japan verkaufen. Letztes Jahr durften sie, gemeinsam mit Südafrika, 108 Tonnen Elfenbein ganz offiziell nach Japan und China, Hauptabsatzmärkten für geschmuggeltes Elfenbein, exportieren. Nun wittern andere afrikanische Länder das große Geschäft mit dem „weißen Gold“ – allen voran Sambia, Tansania und Mosambik. „Es ist verantwortungslos, über eine weitere Lockerung des Elfenbeinschutzes zu diskutieren, während in Afrika jedes Jahr zehntausende Elefanten gewildert werden“, sagt Freyer.



Wilderei massiver denn je

Derzeit werden vermutlich weit über 30.000 Elefanten jährlich ihrer Stoßzähne wegen gewildert. „Wenn die massive Wilderei nicht gestoppt wird, ist das Schicksal der Elefanten in einigen Ländern besiegelt. Bereits jetzt leben vermutlich nur noch 470.000 Afrikanische Elefanten, 1981 waren es noch fast dreimal so viele“, warnt die Biologin Freyer. „Die Schwarzmarktpreise für Elfenbein in Südostasien sind binnen fünf Jahren von 200 US-Dollar auf 1.500 US-Dollar explodiert – damit hat der illegale Elfenbeinhandel in Afrika sogar den Drogenhandel überholt.“ Pro Wildlife unterstützt Razzien gegen Elfenbeinschmuggler in Afrika. In Kamerun konnten Ende September 1.250 Kilogramm Elfenbein beschlagnahmt werden, in der Zentralafrikanischen Republik wurden erstmals seit 20 Jahren Elfenbeinhändler festgenommen. „Wir kämpfen gegen Windmühlen, wenn der legale Elfenbeinhandel nicht endlich gestoppt wird. Denn legaler Verkauf und Schmuggel gehen Hand in Hand“, so Freyer.



Elfenbeinkompromiss gescheitert

Als Zugeständnis an die Mehrheit der afrikanischen Staaten, die den Elfenbeinhandel vehement ablehnen, verabschiedete die letzte WA-Konferenz im Juni 2007 ein neunjähriges Handelsverbot, das nach dem Abverkauf der Lagerbestände im Herbst 2008 in Kraft treten sollte. Deutschland hatte hierbei eine Schlüsselrolle gespielt und als damaliger EU-Ratspräsident einen Kompromiss ausgehandelt. Bei genauerem Hinsehen erweist sich dieser jedoch als Farce: Denn das Moratorium gilt nur für die vier Länder, die ihre Lagerbestände bereits leer räumen durften. Andere Länder können dagegen den Elefantenschutz weiter torpedieren. Um dies zu stoppen, fordert eine Koalition aus sieben afrikanischen Staaten (Kenia, Ghana, Liberia, Mali, Sierra Leone, Togo und Republik Kongo) ein lückenloses Elfenbeinhandelsverbot für 20 Jahre. Pro Wildlife appelliert an die Bundesregierung und andere WA-Mitgliedsstaaten, dies zu unterstützen. „Der Elfenbeinhandel muss wieder weltweit geächtet werden, um die Elefantenwilderei zu beenden“, so Freyer.
Autor: Prowildlife
1276 Aufrufe
Stand: 19. Oktober 2009
Erstellt: 19. Oktober 2009

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