Pilze: Bei Angriff hagelt´s Blausäure
Die Juli-Ausgabe der "Nachrichten aus der Chemie" berichtet davon. Eine Pflanze kann sich gegen Fraßfeinde verteidigen, indem sie permanent einen Abwehrstoff produziert oder indem sie ihn erst dann bildet, wenn Gefahr droht. Der Vorteil dieser letzten Strategie: Die Pflanze muss sich nicht ständig gegen ihren eigenen Giftstoff schützen. Der Nachteil: Es dauert einige Stunden, bis die Pflanze von dem Schutz profitiert - in dieser Zeit hat ihr letztes Stündchen möglicherweise bereits geschlagen.
Der Kompromiss zwischen beiden Extremen ist ein verwundungsaktivierter Mechanismus: Die Pflanze produziert ständig harmlose Vorstufen eines Giftstoffs, beispielsweise Blausäureglykoside. Wird die Pflanze mechanisch verletzt, setzt sie E. sind Biokatalysatoren, die Reaktionen beschleunigen oder überhaupt ermöglichen, ohne selbst verändert zu werden. Enzyme frei; diese spalten die Vorstufe und nahezu sofort entsteht Blausäure.
So setzt die Orangefarbene Mehlscheibe, ein stecknadelkopfgroßer Rindenpilz, Blausäure frei, wenn ihr Fruchtkörper verletzt ist. Der intakte Fruchtköper enthält dagegen nur einen ungefährlichen Blausäureether. Der Weißmilchende Helmling wiederum sondert bei Verletzung einen weißen Milchsaft mit einem Fungizid ab, das Pilzkonkurrenten tötet.
Giftige Pilze sind keine Pflanzen. Es sind Organismen, die ebenso wie die Pflanzen (Plantae) und Tiere (Animalia)zu einem eigenständigen Organismenreich zusammengefasst werden.Pilze kennt man seit Jahrhunderten - Pilze, die Giftstoffe bei Verwundung freisetzen, erst seit einigen Jahren. In der Juli-/August-Ausgabe der "Nachrichten aus der Chemie" stellt der Chemiker Peter Spiteller vor, mit welchen Strategien sich Pilze verteidigen können - und warum es auf diesem Gebiet noch so einige Geheimnisse zu lüften gibt. Die PDF-Datei gibt es bei der Redaktion der "Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.
Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den "Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.Bild 1: © Meinhard-Siegmundt, PIXELIO
Bild 2: © Re.Ko., PIXELIO
Autor: Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
Weiterführende Informationen:
Die letzten 10 Meldungen zum Thema "Pilze, Gift":
Vergiftung und Impotenz auf den europäischen Färöer-Inseln durch kontaminiertes WalfleischFäröer-Inseln/Deutschland, 01.09.2010: Auf den zum Reichsverband Dänemark gehörenden Färöer Inseln im Nordost-Atlantik kommen Tod und Zivilisationskrankheiten durch den Verzehr von kontaminiertem Walfleisch schleichend.
Walfangtagung 21.-25.6.2010: Ende des Walfangverbots?Wädenswil, 14.06.2010: Im Rahmen der kommenden Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) wird ein Kompromiss diskutiert, der zum Dammbruch im Walschutz führen könnte. Wird er angenommen, würden wichtige Erfolge im Walschutz geopfert: Jährlich könnten wieder bis zu 1400 Wale kommerziell bejagt werden selbst stark gefährdete Arten und das sogar im Schutzgebiet um die Antarktis.{/
Die Artenvielfalt der Meere ist auch unsere LebensversicherungWädenswil, 08.06.2010: Nie zuvor hat sich das Leben auf unserem Planeten so rasch verändert, wie in den vergangenen hundert Jahren. Immer mehr Lebensräume werden unbewohnbar, Tier- und Pflanzenarten sterben in geradezu unheimlichem Tempo aus. Das sensible Ökosystem der Ozeane einst ein Paradies voller Leben gerät zunehmend aus dem Lot.
Gift-Cocktail in Kinderspielzeug: Gesetze verschärfen, Hersteller in die Verantwortung nehmenNürnberg/Berlin, 07.02.2010: Zum Auftakt der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg warf der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Herstellern von Kunststoffspielzeug vor, durch mit Schadstoffen belastete Produkte die Kindergesundheit auf Spiel zu setzen. Dieses Spielzeug enthalte häufig hormonell wirksame Stoffe wie Weichmacher, bromierte Flammschutzmittel und Organozinnverbindungen.
Neue japanische Regierung soll Verkauf von giftigem Wal- und Delfinfleisch verbietenMünchen, 24.11.2009: Offener Brief von Arten- und Verbraucherschutzverbänden! Eine internationale Allianz aus 49 Verbraucherschutz- und Umweltverbänden sowie Wissenschaftlern hat heute die neue japanische Regierung aufgefordert, die Jagd auf Kleinwale und Delfine sofort zu beenden. Darüber hinaus fordern die Verbände, den Verkauf des mit Quecksilber und anderen Giftstoffen stark belasteten Fleisches zu verbieten.
Sind Weihnachtssterne giftig?München, 24.11.2009: Nun schmücken sie wieder das Heim, in leuchtenden Rottönen, manchmal auch in zartem Weiß: die Weihnachtssterne. Weil der Saft der wolfsmilchhaltigen Gewächse Diterpene enthält, die die Haut stark reizen und allergische Reaktionen hervorrufen können, gelten wildblühende Weihnachtssterne als giftig. Tatsächlich kann der Verzehr ihrer Blätter zu einer Vergiftung führen, die mit Übelkeit und Brechreiz einhergeht und zu Schläfrigkeit und Benommenheit ...
Sauer macht nicht lustigBerlin, 12.11.2009: Seit geraumer Zeit nehmen Stoffwechselerkrankungen verschiedenster Art erheblich zu. Nicht nur bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte, sondern mehr und mehr auch bei Jüngeren und Kindern. Nicht selten werden deutliche Anzeichen von Fehlfunktionen des Stoffwechsels festgestellt ...
Giftige Tomaten im GartenBonn, 03.11.2009: Eine der größten Herausforderungen in Unterglaskulturen ist das richtige Pflanzenschutzmanagement gegen Schadinsekten und Pilzbefall. Ziel dabei ist es, einen auftretenden Befall rechtzeitig zu erkennen, um möglichst wenig Pflanzenschutzmittel einsetzen zu müssen. Zurzeit bieten sich dafür nur zeit- und arbeitsaufwändige Inspektionen der Pflanzen an. Die Entdeckung eines niederländischen Doktoranden der Universität Wageningen könnte den Pflanzenschutz im Unterglasanbau revolutionieren.
Giftige CurrywurstMünchen, 02.11.2009: Greenpeace entdeckt Pestizide in Curry-Gewürz, Paprikapulver und Petersilie - Strafanzeige gegen Metro. Vorsicht ist auch bei Gewürzen geboten, warnt die Umweltorganisation Greenpeace. Die Pestizidbelastung von getrockneten Kräutern und Gewürzen hat sich nach Untersuchungen von Greenpeace im Vergleich zum Vorjahr nicht gebessert: Mehr als ein Viertel der 37 Proben aus konventionellem Anbau musste Greenpeace als "nicht empfehlenswert" ...
Gravierende Schäden für lokale Bevölkerung und Tierwelt an Madagaskars KüsteFrankfurt a. M., 30.10.2009: Tonnen von Giftmüll, die nach der Havarie eines türkischen Frachters im August vor Madagaskar, ausgetreten sind, haben ein Walsterben und weitreichende Schäden für die Bevölkerung und Umwelt verursacht. Laut eines aktuellen WWF-Reports gleichen einige Strandabschnitte regelrechten Todeszonen. Allein im Monat September strandeten neun Wale an der Küste, an der normalerweise drei tote Wale im Jahr verzeichnet werden. Die Einwohner der Region leiden unter Atemwegserkrankungen, Durchfall und Hautkrankheiten.
Stand: 24. Juli 2009
Erstellt: 24. Juli 2009
Erstellt: 24. Juli 2009




















Druckansicht