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Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 15685

Können Krebse Schmerz empfinden?

München, 01.06.2009: Herr Elwood, bisher geht man davon aus, dass Krebse keine Schmerzen spüren und rechtfertigt damit zum Beispiel das Kochen von Hummer bei lebendigem Leib. Sie haben das Schmerzempfinden von Krebsen untersucht. Was kam heraus?


Wir haben zunächst Einsiedlerkrebse in ihren Schneckenhäuschen mit Elektroschocks belästigt, deren Stärke wir stetig erhöhten. Irgendwann verließ jeder Krebs sein Haus. Doch das hätten auch Reflexe sein können, die nicht unbedingt auf Unwohlsein basieren.

Darum haben wir in einem zweiten Versuch Schocks unterhalb der Schwelle verabreicht, die Krebse zum Auszug nötigt, und ein leeres Schneckenhaus als Alternative angeboten - mal unmittelbar, mal erst Minuten, Stunden oder Tage später. Genauso bei Krebsen, die wir nicht gequält haben. Bei den Belästigten war die Umzugsrate deutlich höher - und zwar auch, wenn wir das Haus viel später anboten. Das heißt, sie merken sich die Schocks.

Einige der unbehelligten Krebse sind aber auch umgezogen ...

Einsiedlerkrebse halten stets Ausschau nach besseren Häusern. Aber die Unbehelligten zeigten weit weniger Motivation, sie inspizierten das neue Haus viel länger, bevor sie es annahmen. Die geschockten Tiere dagegen stürzten oft regelrecht aus ihrem Häuschen, obwohl es für sie lebenswichtig ist, und attackierten es sogar wie einen Feind. Manche rieben sich die traktierten Körperstellen - ein sehr ungewöhnliches Verhalten.

Sie empfanden also Schmerz?

Entweder das, oder wir müssen alle Studien, in denen wir glauben, für Wirbeltiere ein Schmerzempfinden nachgewiesen zu haben, über den Haufen werfen. Denn dort galten die gleichen Kriterien.

Sind die Ergebnisse auf andere Krebstiere übertragbar?

Wir haben auch Versuche mit Garnelen gemacht - mit ähnlichen Ergebnissen. Wir gehen also davon aus.

Hummer lebendig zu kochen ist demnach grausame Tierquälerei?

Wir sollten jedenfalls prüfen, ob wir den Umgang mit Krebstieren bei Transport und Verarbeitung nicht humaner gestalten können. Womöglich erweist sich Kochen als die humanste Art, Hummer zu töten - ich glaube es aber nicht.

Prof. Bob Elwood ist Verhaltenforscher an der Queens Universität Belfast.

Bild oben: Dicht gedrängt: Hummer machen einiges durch, bevor sie auf dem Teller landen. Was Tierfreunde schon immer vermuteten, nämlich dass sie dabei Schmerz erleiden, wurde nun bewiesen.


Bild 1: Fotolia

Autor: Natur + Kosmos

Weiterführende Informationen:


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Stand: 1. Juni 2009
Erstellt: 1. Juni 2009