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Umweltjournal.de | Artikel Nr.: 15097

Wenn Schmetterlinge weinen könnten

München, 26.12.2008: Pfauenauge, Kleiner Fuchs oder Schwalbenschwanz - Schmetterlinge begeistern. Doch die filigranen Insekten sind durch den Klimawandel bedroht, warnen Forscher und Naturschützer. Allein für den Aurorafalter gilt, dass er unter heutigen Bedingungen im Jahre 2080 über 85 Prozent seines Lebensraumes verlieren könnte.


Dies zeigt der Klimaatlas der europäischen Tagfalter, den der Nabu und Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) vorgestellt haben. Er legt dar, wie die Mehrzahl europäischer Tagfalter auf den Klimawandel reagieren könnte.

Der neue Klimaatlas der Tagfalter Europas ("Climatic Risk Atlas of European Butterflies") zeigt deutlich einen Trend nach Norden im zukünftigen Verbreitungsgebiet vieler europäischer Arten. Unter einem "worst-case scenario", das von einem durchschnittlichen Temperaturanstieg in Europa von 4,1 Grad bis 2080 ausgeht, würden sich beispielsweise für 70 der ca. 300 untersuchten Arten über 95 Prozent des derzeitig geeigneten Klimaareals verschieben. Ein Szenario relativ geringer Veränderung (durchschnittliche Temperaturerhöhung um 2,4 Grad) würde immer noch den Verlust von über 50 Prozent des derzeitig geeigneten Areals für 147 Arten nach sich ziehen.

"Die Art und Weise, in der Tagfalter betroffen sind, gibt uns gute Anhaltspunkte darüber, wie auch viele andere Insekten reagieren dürften - und Insekten machen nicht nur zwei Drittel aller Artenvielfalt aus, sondern sind beispielsweise auch unverzichtbar für erfolgreiche Landwirtschaft", betonte der federführende Autor des Atlasses, Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.


In Deutschland kommen derzeit etwa 190 Tagfalterarten vor. Unter dem "Worst-Case-Szenario" würden etwa die Hälfte davon bis 2080 zwei Drittel ihres Lebensraumes verlieren, so sie den Veränderungen nicht hinterher wandern können. Ein Viertel der Arten würde sogar mehr als 95 Prozent des Lebensraumes einbüßen wie zum Beispiel das Große Wiesenvögelchen oder der Braunfleckige Perlmutterfalter.

Unter einem Szenario geringer Veränderung würde bei sonst gleichen Ausgangsbedingungen immer noch ein Viertel der Arten bis 2080 zwei Drittel ihres Klima-Areals verlieren. Schmetterlinge haben durch die Zerstörung von Lebensräumen und durch Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft in den letzten Jahrzehnten bereits starke Verluste hinnehmen müssen. Diese nach wie vor anhaltende Gefährdung wird nun durch die klimatischen Risiken noch verstärkt.

Der Tagfalter-Klimaatlas basiert auf der Arbeit von zahlreichen Wissenschaftlern aus ganz Europa. Der Klimaatlas zeigt aber auch den großen wissenschaftlichen Wert ehrenamtlich erhobener Daten, sind sich UFZ und Nabu einig. Der größte Teil der für die Modellierung und Beurteilung der Auswirkungen von Zukunftsszenarien auf die Tagfalter verwendeten Daten aus Deutschland wurde durch die "Bundesarbeitsgemeinschaft Schmetterlinge" des Nabu erhoben, dem neben dem vom UFZ betriebenen "Tagfalter-Monitoring-Deutschland" (TMD) größten deutschen Netzwerk ehrenamtlicher Schmetterlingsforscher.

Bild: Der Dukatenfalter (Lycaena virgaureae) (oben)ist einer der Schmetterlinge, den die Forscher untersuchten. Auch der Braunfleckige Perlmutterfalter (Boloria selene) (unten) wird Lebensräume durch den Klimawandel verlieren. (Albert Vliegenthart/Butterfly Conservation Europe)
Autor: Natur + Kosmos

Weiterführende Informationen:


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Stand: 26. Dezember 2008
Erstellt: 26. Dezember 2008