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Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 14400

Elefanten-Ausverkauf

Genf/München, 16.07.2008: Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert, dass der Ständige Ausschuss des Washingtoner Artenschutzübereinkommens das Elfenbein-Handelsverbot weiter gelockert hat – mit aktiver Unterstützung der Bundesregierung. China als weltgrößter Schwarzmarkt für Elfenbein darf erstmals legal das "weiße Gold" importieren.


"Das heizt den Schmuggel weiter an", kritisiert Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an dem WA-Treffen teilnimmt. „Ebenfalls skandalös: Die EU, die nächste Woche Sanktionen gegen Simbabwe verabschieden will, machte heute der korrupten Mugabe-Regierung ein Geldgeschenk: Sie darf 3,7 Tonnen Elfenbein verkaufen, mit einem Marktwert von ca. 1,9 Mio. US Dollar.“

Der Ausschuss gab am Dienstag Nachmittag den größten Elfenbeinverkauf seit 20 Jahren frei. Botsuana, Namibia, Südafrika und Simbabwe dürfen 108 Tonnen Elfenbein aus Lagerbeständen nach Japan bzw. erstmals auch nach China verkaufen. „Diese Entscheidung ist katastrophal. Wir befürchten, dass nun noch mehr Elefanten gewildert werden und der Elfenbeinschmuggel nach China völlig außer Kontrolle gerät“, betont Altherr. „Allein die Aussicht auf eine baldige Lockerung des Handelsverbotes ließ die Schwarzmarktpreise in Asien in jüngster Zeit explodieren“.

Gefälligkeitsgutachten der Bundesregierung für China
Pro Wildlife kritisiert, dass die Bundesregierung sich aktiv für den Elfenbeinverkauf einsetzte. Der Artenschutzorganisation wurde ein brisanter Bericht des Bundesumweltministeriums (BMU) zugespielt, der China zu Elfenbeinimporten verhelfen sollte. „Das BMU äußert in seinem Gefälligkeitsgutachten viel Sympathie für die chinesische Elfenbeinschnitzerei und betont den Verlust von Arbeitsplätzen, wenn der Elfenbein-Nachschub ausbleibt. Der massive illegale Handel wird dagegen ausgeblendet“, kritisiert Altherr. Die aktuelle Entscheidung belohnt den weltgrößten Schwarzmarkt für Elfenbein: China.

EU verhilft Simbabwe zu Elfenbeinverkauf
Der EU-Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten entscheidet am 22. Juli über Handelssanktionen gegen Simbabwe, um gegen das Regime des Diktators Mugabe vorzugehen. Dieser Entwicklung zum Trotz akzeptierten Deutschland und die EU heute die Entscheidung für den Verkauf von 3.7Tonnen Elfenbein aus Simbabwe. „In Simbabwe grassiert die Wilderei, es sind mehrfach Stoßzähne aus den staatlichen Lagern verschwunden“, berichtet die Pro Wildlife Sprecherin. „Dennoch helfen Deutschland und die EU dem Diktator seine Kassen zu füllen. Japan will bis zu 500 US Dollar pro kg Elfenbein bieten.“

Wilderei und staatliche Abschussprogramme
Seit 1989 gilt ein weltweites Elfenbeinhandelsverbot, das jedoch immer mehr aufgeweicht wird. 1999 durfte Japan erstmals 50 Tonnen Elfenbein importieren. Seit das Verbot gelockert wurde, stieg die Zahl gewilderter Elefanten in Afrika wieder deutlich an – auf derzeit etwa 20.000 Elefanten jährlich. Vor allem in West-, Zentral- und Ostafrika sind die Wildhüter den mit modernsten Waffen ausgestatteten Wilderern ausgeliefert. Nur vier Länder im südlichen Afrika profitieren vom Elfenbeinhandel – 23 andere afrikanische Staaten lehnen ihn vehement ab. Als Zugeständnis soll der Elfenbeinhandel nach dem Lagerausverkauf für neun Jahre aussetzen. „Der angebliche Handelsstopp ist eine Farce, denn die Lager sind nach dem Verkauf ohnehin leer. Wir befürchten, dass Südafrika bald den Abschuss ganzer Elefantenherden freigibt, um die Lager wieder zu füllen“, so Altherr. Ein Teil des Elfenbein, das Südafrika jetzt verkaufen darf, stammt bereits aus solch staatlichem “Culling“. Südafrika hatte erst im Mai 2008 die rechtlichen Voraussetzungen für einen neuen Massenabschuss geschaffen.
Autor: Prowildlife

Weiterführende Informationen:


Die letzten 15 Meldungen zum Thema "Elefanten":
Zurück aus dem Dschungel Afrikas
Frankfurt a. M., 27.11.2009: WWF-Expedition um die Jugendlichen Janine, Silke und Oliver ist aus Afrika heimgekehrt. Silke Hackmann (19): „Mein Herz rast beim Anblick des stattlichen Gorillas.“ Mitten im Herzen Afrikas liegt das bedrohte Dzanga-Sangha Regenwaldreservat - Heimat von Waldelefanten, Gorillas und Bongo-Antilopen.
Umweltjournal-TV-Tipp: Reise in die Freiheit
Hamburg, 22.11.2009: Elefantenkuh Mary und ihre Herde sind am Ziel: VIER PFOTEN brachte die neun Elefanten aus Simbabwe in den Hwange Nationalpark im Süden des Landes. Die Tiere waren illegal in der Wildnis gefangen und als Touristenattraktion dressiert worden. In den letzten Wochen hatte ein VIER PFOTEN Team die schwer traumatisierten Elefanten versorgt – mit dem Ziel, die Herde wieder auszuwildern. Am 2. November war es soweit: Die Reise in die Freiheit konnte beginnen.
Dorf der Elefanten
Frankfurt a. M.: Jugendexpedition im „Dorf der Elefanten“ angekommen. Das WWF-Expeditionsteam um die Jugendlichen Oliver Baune (22) aus Bonn, Silke Hackmann (18) aus Nortrup und Janine Koch (24) aus Köln ist inzwischen an der Dzanga Bai angekommen und hat dort aus nächster Nähe wildlebende Waldelefanten beobachten können.
Elfenbeinstreit spitzt sich zu
München, 19.10.2009: Weitere afrikanische Länder wollen Elefantenschutz lockern - obwohl die Wilderei eskaliert. Tansania und Sambia haben beim Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, englisch CITES) Anträge eingereicht, den strengen Schutz ihrer Elefantenbestände aufzuheben. Auch von Mosambik wird ein entsprechender Antrag erwartet. „Dabei sind gerade diese Länder Zentren der Wilderei und des Schmuggels“, berichtet Daniela Freyer von Pro Wildlife.
Dramatischer Anstieg der Wilderei in Thailand
Frankfurt, 17.07.2009: Nachdem die Zahl der illegal abgeschossenen Elefanten und Nashörner längere Zeit konstant oder gar rückläufig war, kam es innerhalb weniger Jahre zu einem dramatischen Anstieg der Wilderei. Nach einem aktuellen Bericht des WWF und des Artenschutzprogramms TRAFFIC werden allein in Südafrika und Simbabwe monatlich zwölf Nashörner illegal abgeschossen. Zum Vergleich:
Nackter Mann als Elefant
Gerlingen, 07.06.2009: Schauspieler und Musiker Mars Saibert, bekannt als "Mars" -Hauptdarsteller der RTL Soap "Unter uns" - macht sich mit einem spektakulären Elefanten-Bodypainting für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus stark. Mit diesem Engagement schließt sich Mars über dreißig Prominenten wie Rockmusiker Udo Lindenberg, ...
Tag des Artenschutzes: Pro Wildlife warnt vor dem Abschuss von Elefanten
München, 03.03.2009: Elefanten sind die Wildtiere, deren Schutz am kontro­versesten diskutiert wird: Als „Plattmacher“ sind sie in Verruf geraten, Südaf­rika plant den Abschuss ganzer Elefantenherden. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife nimmt den Tag des Artenschutzes am 3. März zum Anlass, mit gängigen Vorurteilen gegenüber den grauen Riesen aufzuräumen.
Elefanten sterben aus
Frankfurt, 17.02.2009: Die wenigen überlebenden Elefanten in Indochina kommen durch die steigenden Preise für Elfenbein in Vietnam immer mehr unter Druck. Das hat eine neue Studie des WWF und des Netzwerks zur Beobachtung des Wildartenhandels TRAFFIC ergeben. Auf dem vietnamesischen Schwarzmarkt werden, dem heute veröffentlichten Report zufolge, für ein Kilogramm Elfenbein ...
Geburt eines Elefantenbabys
Berlin, 20.12.2008: Am 13. Dezember ist im Berliner Tierpark ein Elefantenbaby geboren worden. Niemand wusste, seit wann genau die asiatische Elefantenkuh Kewa trächtig war. Trotzdem konnten Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) den Geburtstermin sehr genau vorhersagen - so waren die Tierpfleger auf die Geburt vorbereitet.
Stop it! Aktionstour - der Film
Hamburg, 19.12.2008: Über 50.000 Menschen haben bereits mit der ROTEN KARTE gegen Wildtierhaltung im Zirkus protestiert. Mit dem Stop it!-Elefantenmobil besuchte VIER PFOTEN im November deutsche Großstädte, um auf das tägliche Leid der Wildtiere in Zirkussen aufmerksam zu machen. Für alle, die nicht dabei sein konnten, gibt es jetzt den Film zur Tour: Stripy und Trunky - zwei tierisch ...
Thailands illegale Elefanten - Verschleppt, gequält und ausgenutzt
Frankfurt, 13.12.2008: Die Umweltstiftung WWF warnt vor Reiten auf illegalen Elefanten in thailändischen Urlaubsregionen. "Das ist zwar ein exotisches Vergnügen, auf illegalen Elefanten fördert es aber den Artenschwund. Leider können Touristen nicht erkennen, ob es sich um domestizierte Hauselefanten und gewilderte Tiere aus dem Dschungel handelt", sagt Volker Homes, Leiter WWF Artenschutz, angesichts der anstehenden Hauptsaison für ...
Wissenschaftlich bewiesen: Bei der Liebe knistert es
Potsdam, 28.11.2008: Den richtigen Partner zu finden, ist für Fische in einem trüben Fluss wie dem Kongo gar nicht so leicht. Schwach elektrische Fische wie die Nilhechte (auch Elefantenfische genannt) nutzen ihre einzigartige Fähigkeit, elektrische Signale zu produzieren bei der Partnerwahl. Dies fand ein Team von Potsdamer, Berliner und Bonner Wissenschaftlern, unter ihnen die Evolutionsbiologen Dr. Philine Feulner, ...
Wilderei und Schmuggel eskalieren
München, 28.10.2008: Am 28. Oktober findet die erste von vier Auktionen statt, bei denen insgesamt 108 Tonnen Elfenbein aus Namibia, Südafrika, Botswana und Simbabwe zum Verkauf stehen. Angesichts der eskalierenden Elefantenwilderei ein fatales Signal, meint die Artenschutzorganisation Pro Wildlife.
Kindergarten für Elefantenbabys
Frankfurt, 29.08.2008: Wie die indonesische Regierung in einer Stellungnahme bekannt gab, wird der Tesso Nilo-Nationalpark auf der Insel Sumatra auf insgesamt 86.000 Hektar vergrößert. Damit würde sich die Fläche des Regenwald-Schutzgebiets mehr als verdoppeln. "Durch die Ausweitung des Nationalparks gibt es neue Hoffnung für die zahlreichen bedrohten Tier- und Pflanzenarten einer der letzten intakten Tieflandregenwälder auf Sumatra", ...
Elefanten-Ausverkauf
Genf/München, 16.07.2008: Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert, dass der Ständige Ausschuss des Washingtoner Artenschutzübereinkommens das Elfenbein-Handelsverbot weiter gelockert hat – mit aktiver Unterstützung der Bundesregierung. China als weltgrößter Schwarzmarkt für Elfenbein darf erstmals legal das "weiße Gold" importieren.

Stand: 16. Juli 2008
Erstellt: 16. Juli 2008

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