Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 13631

Delfine - Wunderheiler mit Flossen oder schwimmende Goldesel?





Hamburg, 26.01.2008: Delfintherapie hat Konjunktur. Doch hinter der oftmals als Wundertherapie für geistig und körperlich behinderte Kinder dargestellten Methode verbergen sich meist wenig mehr als die kommerziellen Interessen von Delfinarien. Dies ist das Fazit einer in Hamburg von der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS vorgestellten Studie zur tiergestützten Therapie mit Delfinen.


Wissenschaftlich haltbare Beweise, dass die Therapie mit den durch „Flipper“ berühmt gewordenen Sympathieträgern besser als andere Therapien wirkt, sind nicht erbracht. Selbst Mitbegründer der exotischen Behandlungsmethode bezweifeln inzwischen deren Nutzen. Doch die Delfintherapie hat sich zu einem finanziell lukrativen Geschäftszweig entwickelt. „Ein in Gefangenschaft gehaltener Delfin ist ein schwimmender Goldesel“, sagt Dr. Karsten Brensing, der auf die astronomischen Kosten verweist.

So werden für fünf Einheiten Delfintherapie à 40 Minuten 2000 US-Dollar und mehr berechnet, zu denen noch Flüge, Hotel und Verpflegung kommen. „Die finanzielle Belastung für einen dreiwöchigen Aufenthalt in Florida summiert sich schnell auf 10.000 – 15.000 € für eine dreiköpfige Familie“, so Brensing, der 2004 über Delfintherapie promoviert hat. Brensing kennt durchaus die Verzweiflung der Eltern, die verständlicherweise sämtliche Therapien für ihre Kinder ausschöpfen und im Gegensatz zu den Therapeuten auch immer wieder Erfolge beobachtet haben wollen. Er wehrt sich aber gegen die pseudowissenschaftliche und manipulative Vermarktung von Delfintherapie durch kommerzielle Anbieter von Delfinshows.

Die Studie „Delfintherapie: eine Faktensammlung“ analysiert die Therapieform jenseits der durchaus verführerischen Klischees und informiert die Öffentlichkeit über die „Risiken und Nebenwirkungen“ dieser Therapie. Dazu gehören auch ein verstärktes Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier und die vermehrte Entnahme von Delfinen aus der freien Wildbahn.

Unterstützung erhält die WDCS dabei auch von therapeutischer Seite. So betrachten auch Vereine wie „autismus Deutschland“ und die „Deutsche Kinderhilfe Direkt“ die Therapieform eher skeptisch. Und die Verhaltensforscherin Dr. Carola Otterstedt vom „Bündnis Mensch & Tier“ stellt vor allem die Nachhaltigkeit der Nutzung von Delfinen für therapeutische Zwecke in Frage: „Therapeutisch und ökologisch sinnvolle Therapiekonzepte erreichen einen nachhaltigen Effekt durch die Arbeit mit Tieren aus der eigenen Umgebung“, und fügt hinzu: „Wir benötigen die Intensivierung kostengünstiger und effizienter Konzepte der tiergestützten Therapie als breites Angebot für die Betroffenen und keine Millionenprojekte, die noch dazu fragwürdig erscheinen.“

Die WDCS zeigt sich über die Ausweitung von Fangaktionen besorgt, die auch mit der starken Zunahme von Einrichtungen in Verbindung steht, die Delfintherapien anbieten. So bestätigte zum Beispiel die türkische Regierung im November 2007 den Fang von 23 Delfinen und begründete diesen mit der Nutzung von Delfinen für therapeutische Zwecke.

„Jedes neue Delfinarium erhöht den Druck auf weitere Delfinfänge“, so Nicolas Entrup, Geschäftsführer der WDCS. So auch ein geplantes Delfinariumprojekt auf Rügen, das nach Ansicht der WDCS gar nicht gebaut werden dürfe, denn auch die Nachzucht in Gefangenschaft funktioniert nicht nachhaltig.

Der Bericht „Delfintherapie: eine Faktensammlung“ sowie Informationen über den Fang von Delfinen aus freier Wildbahn stehen online zur Verfügung: www.wdcs-de.org
Autor: WDCS, Whale and Dolphin Conservation Society gGmbH
1814 Aufrufe
Stand: 26. Jänner 2008
Erstellt: 26. Jänner 2008

Weitere Meldungen zum Thema "Delfine":

Achtung: Umweltjournal.de übernimmt keine Haftung für veröffentlichtes Textmaterial der Autoren. Die Artikel unterliegen dem Urheberrecht der Autoren und sind nur nach ausdrücklicher Genehmigung frei zum weiterverarbeiten!

Webmaster: André Sepeur
© 1999 - by André Sepeur Medienberatung
plan-verde.de



Social Bookmarks
Newsletter bestellen
Seien Sie immer bestens informiert! Hier können Sie den Tagesrückblick bestellen >
Folgen Sie uns nach Facebook


Inserate
Top-News Umwelt und Natur
Dreckiges Benzin aus KanadaDreckiges Benzin aus Kanada
Dreckiges Benzin aus Kanada
Berlin, 07.02.2012: Die Umweltorganisationen Greenpeace, Nabu und WWF fordern in einer gemeinsamen Erklärung die Bundesregierung auf, strengere Klimaauflagen für Benzin und Diesel aus Teersanden zu unterstützen.
Weiterlesen
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängigEuropäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Bad Homburg, 02.02.2012: 2012 wird das Jahr des Einschnitts in die Förderung der europäischen Photovoltaik werden. Das sehen viele Experten nicht nur auf Grund restriktiver Regierungsmaßnahmen in einigen europäischen Staaten so, sondern auch die Struktur der selbst verordnete Entwicklungspolitik der Solarförderung ist an einem Punkt angekommen, wo es neuer Impulse bedarf.
Weiterlesen
Fangverbot für Donau-StörFangverbot für Donau-Stör
Fangverbot für Donau-Stör
Berlin, 29.01.2012: Die bulgarischen Behörden haben ein vierjähriges Fangverbot für Stören in der Donau und dem Schwarzen Meer bekannt gegeben. Auch der Handel mit Kaviar von wildlebenden Stören ist nun für vier Jahre untersagt.
Weiterlesen
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor KopfgeldjägernVIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
Indonesien / Kalimantan / Borneo, 27.01.2012: Buchstäblich in letzter Minute konnte ein Team der international tätigen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN in Borneo eine Orang-Utan-Mutter und ihre Tochter vor dem sicheren Tod bewahren.
Weiterlesen
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“ Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Berlin, 27.01.2012: Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), eine der größten und auffälligsten heimischen Libellen, wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (Libellenkundler) zur „Libelle des Jahres 2012“ gekürt.
Weiterlesen
Angriff auf Wale unter falscher FlaggeAngriff auf Wale unter falscher Flagge
Angriff auf Wale unter falscher Flagge
Hamburg / München: Forscher des Alfred Wegener Instituts für Polarforschung führen derzeit riskante Lärmexperimente in der Antarktis durch. Die Versuche werden von WDCS und WWF scharf kritisiert.
Weiterlesen
Nichts zu lachen für die DrachenNichts zu lachen für die Drachen
Nichts zu lachen für die Drachen
Berlin, 24.01.2012: Alle zwölf Jahre wiederholt sich im chinesischen Horoskop das Jahr des Drachen, das am 23. Januar beginnt. Während wir den Drachen in Europa als bedrohliche Feuer speiende Kreatur aus Märchen und Sagen kennen, ist er in China ein berühmter Glücksbringer, der für den Frühling und Zuversicht steht.
Weiterlesen
Südafrika verliert 448 NashörnerSüdafrika verliert 448 Nashörner
Südafrika verliert 448 Nashörner
Berlin, 13.01.2012: Die Wilderei-Krise in Afrika spitzt sich nach Ansicht der Umweltschutzorganisation WWF weiter zu.
Weiterlesen
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
Düsseldorf, 13.01.2012: In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 fegte der Sturm Kyrill über Deutschland und sorgte vor allem in Nordrhein-Westfalen für Schäden in Milliardenhöhe.
Weiterlesen
Vögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen FütterungVögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen Fütterung
Vögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen Fütterung
Hamburg, 12.01.2012: Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN weist darauf hin, dass das Füttern von Vögeln nicht nur bei frostigen Temperaturen und dauerhafter Schneedecke sinnvoll ist.
Weiterlesen
Inserate
Inserate
Jobbörse