Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 13412

Steht der nächste Flussdelfin vor dem Aus?





München, 09.12.2007: Vor wenigen Monaten bestimmte die drohende Ausrottung des chinesischen Flussdelfins Baiji die internationalen Schlagzeilen. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife befürchtet, dass nun ein weiterer Flussdelfin ausstirbt: der Indus-Flussdelfin in Pakistan. Es gibt nur noch 600 bis 800 Tiere in einem kleinen Flussabschnitt.


Wasserverschmutzung, Staudämme und Fischerei machen dem Indus-Flussdelfin den Garaus. In einem Schreiben an die pakistanische Regierung bezeichnet Pro Wildlife die Situation des Indus-Flussdelfins als dramatisch. Vom einstigen Verbreitungsgebiet im gesamten Indus-Flusssystem ist nur noch ein Fünftel übrig geblieben – ein kleiner Abschnitt zwischen drei Staudämmen, die für Delfine eine nahezu unüberwindbare Barriere darstellen. Weitere Tiere sind in anderen Flussteilen isoliert und haben langfristig keine Überlebenschance.

Der Lebensraum des Indus-Flussdelfins schwindet rasant. Hauptursache sind Landwirtschaft und Industrie. Durch sie gelangen zum einen große Mengen Pestizide und andere Giftstoffe in den Fluss. Zum anderen wird immer mehr Flusswasser benötigt und damit der Wasserspiegel gesenkt.

In Pakistan heißt der Indus-Flussdelfin „Bhulan“ und ist auf dem Papier geschützt. In der Praxis sieht es allerdings anders aus. Pro Wildlife fordert deshalb die pakistanische Regierung auf, umgehend zu handeln: „Der Vollzug muss ab sofort verbessert und die Bevölkerung für den Schutz der kleinen Delfine gewonnen werden. Außerdem ist es dringend erforderlich, in Fischernetzen, Bewässerungskanälen oder Dämmen verfangene Tiere schnellstmöglich zu befreien und in sichere Gebiete umzusetzen. Zudem muss die Regierung umgehend dafür sorgen, dass die Wasserqualität des Indus verbessert wird“, heißt es in dem Schreiben der Organisation.

Zum aktuellen Jahr des Delfins, ausgerufen von den Vereinten Nationen, rückt Pro Wildlife den Indus-Flussdelfin im Dezember in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten. Der bis zu 2,5 Meter lange Delfin hat eine Besonderheit, die gleichzeitig ein Handicap ist: Er ist blind und auf ein funktionierendes Echolot angewiesen. Doch in seinem immer stärker zugebauten, mit Dämmen versperrten Lebensraum mit dem lärmenden Schiffsverkehr wird eine Orientierung immer schwieriger.

Vor einem Jahr meldete ein internationales Forscherteam nach intensiver aber erfolgloser Suche, dass der seltenste aller Flussdelfine, der chinesische Baiji, ausgestorben sei. Im August 2007 allerdings entdeckten Fischer im Yangtze ein ausgewachsenes Tier. „Die Langzeit-Prognose jedoch ist katastrophal - nicht nur für den Baiji, sondern auch für den Indus-Flussdelfin, wenn nicht umgehend die Notbremse gezogen wird“, sagt Pro Wildlife Sprecherin Sandra Altherr.

Die Vereinten Nationen riefen 2007 zum „Jahr des Delfins“ aus. PRO WILDLIFE widmet seine Aktivitäten jeden Monat einer anderen Delfinart, um auf deren Bedrohung aufmerksam zu machen.
Autor: Prowildlife
1870 Aufrufe
Stand: 9. Dezember 2007
Erstellt: 9. Dezember 2007

Weiterführende Informationen:

Weitere Meldungen zum Thema "Delfine":

Achtung: Umweltjournal.de übernimmt keine Haftung für veröffentlichtes Textmaterial der Autoren. Die Artikel unterliegen dem Urheberrecht der Autoren und sind nur nach ausdrücklicher Genehmigung frei zum weiterverarbeiten!

Webmaster: André Sepeur
© 1999 - by André Sepeur Medienberatung
plan-verde.de



Social Bookmarks
Newsletter bestellen
Seien Sie immer bestens informiert! Hier können Sie den Tagesrückblick bestellen >
Folgen Sie uns nach Facebook


Inserate
Top-News Umwelt und Natur
Dreckiges Benzin aus KanadaDreckiges Benzin aus Kanada
Dreckiges Benzin aus Kanada
Berlin, 07.02.2012: Die Umweltorganisationen Greenpeace, Nabu und WWF fordern in einer gemeinsamen Erklärung die Bundesregierung auf, strengere Klimaauflagen für Benzin und Diesel aus Teersanden zu unterstützen.
Weiterlesen
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängigEuropäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Bad Homburg, 02.02.2012: 2012 wird das Jahr des Einschnitts in die Förderung der europäischen Photovoltaik werden. Das sehen viele Experten nicht nur auf Grund restriktiver Regierungsmaßnahmen in einigen europäischen Staaten so, sondern auch die Struktur der selbst verordnete Entwicklungspolitik der Solarförderung ist an einem Punkt angekommen, wo es neuer Impulse bedarf.
Weiterlesen
Fangverbot für Donau-StörFangverbot für Donau-Stör
Fangverbot für Donau-Stör
Berlin, 29.01.2012: Die bulgarischen Behörden haben ein vierjähriges Fangverbot für Stören in der Donau und dem Schwarzen Meer bekannt gegeben. Auch der Handel mit Kaviar von wildlebenden Stören ist nun für vier Jahre untersagt.
Weiterlesen
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor KopfgeldjägernVIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
Indonesien / Kalimantan / Borneo, 27.01.2012: Buchstäblich in letzter Minute konnte ein Team der international tätigen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN in Borneo eine Orang-Utan-Mutter und ihre Tochter vor dem sicheren Tod bewahren.
Weiterlesen
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“ Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Berlin, 27.01.2012: Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), eine der größten und auffälligsten heimischen Libellen, wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (Libellenkundler) zur „Libelle des Jahres 2012“ gekürt.
Weiterlesen
Angriff auf Wale unter falscher FlaggeAngriff auf Wale unter falscher Flagge
Angriff auf Wale unter falscher Flagge
Hamburg / München: Forscher des Alfred Wegener Instituts für Polarforschung führen derzeit riskante Lärmexperimente in der Antarktis durch. Die Versuche werden von WDCS und WWF scharf kritisiert.
Weiterlesen
Nichts zu lachen für die DrachenNichts zu lachen für die Drachen
Nichts zu lachen für die Drachen
Berlin, 24.01.2012: Alle zwölf Jahre wiederholt sich im chinesischen Horoskop das Jahr des Drachen, das am 23. Januar beginnt. Während wir den Drachen in Europa als bedrohliche Feuer speiende Kreatur aus Märchen und Sagen kennen, ist er in China ein berühmter Glücksbringer, der für den Frühling und Zuversicht steht.
Weiterlesen
Südafrika verliert 448 NashörnerSüdafrika verliert 448 Nashörner
Südafrika verliert 448 Nashörner
Berlin, 13.01.2012: Die Wilderei-Krise in Afrika spitzt sich nach Ansicht der Umweltschutzorganisation WWF weiter zu.
Weiterlesen
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
Düsseldorf, 13.01.2012: In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 fegte der Sturm Kyrill über Deutschland und sorgte vor allem in Nordrhein-Westfalen für Schäden in Milliardenhöhe.
Weiterlesen
Vögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen FütterungVögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen Fütterung
Vögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen Fütterung
Hamburg, 12.01.2012: Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN weist darauf hin, dass das Füttern von Vögeln nicht nur bei frostigen Temperaturen und dauerhafter Schneedecke sinnvoll ist.
Weiterlesen
Inserate
Inserate
Jobbörse