Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 12986

Asiatische Wälder in der Klimafalle





Frankfurt, 17.09.2007: Nirgendwo auf der Welt schreitet die Waldzerstörung so rasant voran wie in Asien. Allein in Indonesien fallen jährlich über zwei Millionen Hektar Wald den Kettensägen und Waldbränden zum Opfer. Immer häufiger muss der Regenwald Palmölplantagen weichen. "Falsch verstandener Klimaschutz heizt diesen Trend leider an", sagt Markus Radday, Tropenwaldexperte des WWF Deutschland.


Längst wandert der begehrte Rohstoff nicht mehr nur als Zutat in Süßspeisen und Waschmittel, sondern immer häufiger auch in die Tanks von Kraftwerken in aller Welt. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach dem begehrten Öl. Der Druck auf die Wälder nimmt dadurch weiter zu.

Auf den ersten Blick ist der Einsatz von Palmöl als Energieträger klimafreundlich, weil bei der Verbrennung des Öls nur soviel Treibhausgase freigesetzt werden wie die Pflanze in ihrem Wachstum gebunden hat. Eine WWF-Bilanz zeigt jedoch, dass die Rechnung nicht aufgeht. Opfert man für die Plantagen Regenwald, fällt die Klimabilanz für Jahrzehnte negativ aus. Aus diesem Grund warnt der WWF vor dem unkontrollierten Einsatz von Palmöl in Kraftwerken.

Besonders dramatisch sei es, wenn in Südostasien Moorwälder für Plantagen abgeholzt würden. Hier entstehe eine doppelte Klimabelastung. In den Torfschichten lagert weit mehr Kohlenstoff, als in den Bäumen selbst gespeichert ist. Durch Abholzung trocknen die Böden aus, die Brandgefahr steigt. Schwelbrände können sich in immer tiefere Torfschichten brennen. Bei der Anpflanzung von Plantagen auf diesen Böden tritt ein ähnlicher Effekt auf: Durch die künstliche Entwässerung werden immense Mengen an zuvor torfgebundenem Kohlendioxid frei, da sich der Torf bei Luftkontakt langsam zersetzt.

Zum Tag der Tropenwälder forderte der WWF vor dem Hintergrund des Klimawandels stärkere Anstrengungen zum Schutz der Wälder. Wälder speichern etwa die Hälfte des auf der Erde gebundenen Kohlenstoffs. Bis zu zwanzig Prozent des freigesetzten Kohlendioxidausstoßes sei auf die Rodung von Wäldern zurückzuführen. Aus diesem Grund müsse man beim Ausbau der Palmölnutzung sehr behutsam vorgehen. „So lange das Öl von Plantagen stammt, die auf bislang ungenutzten Brachflächen angelegt wurden, ist der Einsatz ein Beitrag zum Klimaschutz“, betont Markus Radday vom WWF. Leider sehe man dem Öl nicht an, woher es stammt, deshalb sei es entscheidend eine transparente Zertifizierung voranzutreiben. Der WWF akzeptiert den Einsatz von Palmöl für die Strom- und Wärmeerzeugung, wenn die Plantage den Kriterien des „Roundtable on Sustainable Palmoil“ entspricht. Bislang sei zwar noch kein zertifiziertes Palmöl erhältlich, doch mit der Markteinführung unbedenklicher Produkte rechnen die Umweltschützer noch in diesem Jahr.

Den Tag der Tropenwälder begeht der WWF Deutschland seit 1989 am 14. September, dem Geburtstag des bedeutenden Amazonas-Forschers Alexander von Humboldt (1769-1859).
Autor: WWF Deutschland
1893 Aufrufe
Stand: 17. September 2007
Erstellt: 17. September 2007

Weiterführende Informationen:

Weitere Meldungen zum Thema "Klimaschutz":

Achtung: Umweltjournal.de übernimmt keine Haftung für veröffentlichtes Textmaterial der Autoren. Die Artikel unterliegen dem Urheberrecht der Autoren und sind nur nach ausdrücklicher Genehmigung frei zum weiterverarbeiten!

Webmaster: André Sepeur
© 1999 - by André Sepeur Medienberatung
plan-verde.de



Social Bookmarks
Newsletter bestellen
Seien Sie immer bestens informiert! Hier können Sie den Tagesrückblick bestellen >
Folgen Sie uns nach Facebook


Inserate
Top-News Umwelt und Natur
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängigEuropäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Bad Homburg, 02.02.2012: 2012 wird das Jahr des Einschnitts in die Förderung der europäischen Photovoltaik werden. Das sehen viele Experten nicht nur auf Grund restriktiver Regierungsmaßnahmen in einigen europäischen Staaten so, sondern auch die Struktur der selbst verordnete Entwicklungspolitik der Solarförderung ist an einem Punkt angekommen, wo es neuer Impulse bedarf.
Weiterlesen
Fangverbot für Donau-StörFangverbot für Donau-Stör
Fangverbot für Donau-Stör
Berlin, 29.01.2012: Die bulgarischen Behörden haben ein vierjähriges Fangverbot für Stören in der Donau und dem Schwarzen Meer bekannt gegeben. Auch der Handel mit Kaviar von wildlebenden Stören ist nun für vier Jahre untersagt.
Weiterlesen
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor KopfgeldjägernVIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
Indonesien / Kalimantan / Borneo, 27.01.2012: Buchstäblich in letzter Minute konnte ein Team der international tätigen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN in Borneo eine Orang-Utan-Mutter und ihre Tochter vor dem sicheren Tod bewahren.
Weiterlesen
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“ Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Berlin, 27.01.2012: Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), eine der größten und auffälligsten heimischen Libellen, wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (Libellenkundler) zur „Libelle des Jahres 2012“ gekürt.
Weiterlesen
Angriff auf Wale unter falscher FlaggeAngriff auf Wale unter falscher Flagge
Angriff auf Wale unter falscher Flagge
Hamburg / München: Forscher des Alfred Wegener Instituts für Polarforschung führen derzeit riskante Lärmexperimente in der Antarktis durch. Die Versuche werden von WDCS und WWF scharf kritisiert.
Weiterlesen
Nichts zu lachen für die DrachenNichts zu lachen für die Drachen
Nichts zu lachen für die Drachen
Berlin, 24.01.2012: Alle zwölf Jahre wiederholt sich im chinesischen Horoskop das Jahr des Drachen, das am 23. Januar beginnt. Während wir den Drachen in Europa als bedrohliche Feuer speiende Kreatur aus Märchen und Sagen kennen, ist er in China ein berühmter Glücksbringer, der für den Frühling und Zuversicht steht.
Weiterlesen
Südafrika verliert 448 NashörnerSüdafrika verliert 448 Nashörner
Südafrika verliert 448 Nashörner
Berlin, 13.01.2012: Die Wilderei-Krise in Afrika spitzt sich nach Ansicht der Umweltschutzorganisation WWF weiter zu.
Weiterlesen
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
Düsseldorf, 13.01.2012: In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 fegte der Sturm Kyrill über Deutschland und sorgte vor allem in Nordrhein-Westfalen für Schäden in Milliardenhöhe.
Weiterlesen
Vögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen FütterungVögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen Fütterung
Vögel nur im Winter füttern? VIER PFOTEN rät zur ganzjährigen Fütterung
Hamburg, 12.01.2012: Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN weist darauf hin, dass das Füttern von Vögeln nicht nur bei frostigen Temperaturen und dauerhafter Schneedecke sinnvoll ist.
Weiterlesen
Containerwrack vor Neuseeland gesunken Containerwrack vor Neuseeland gesunken
Containerwrack vor Neuseeland gesunken
Hamburg, 10.01.2012: Erneut herrscht Öl-Alarm vor Neuseelands Küste: Das Wrack des Containerschiffs Rena ist in stürmischer See auseinandergebrochen, das Heckteil ist vom Astrolabe Riff abgerutscht und versinkt im Meer.
Weiterlesen
Inserate
Inserate
Jobbörse