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Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 12492

Von Fäkalienfähren und Kotkreuzern

Stralsund, 19.06.2007: Die Ostsee ist nicht nur die "Lieblingsbadewanne" von Millionen Touristen, sondern hunderte von Passagierschiffe nutzen sie auch als Latrine. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des WWF bei 50 Reedereien in den Anrainerstaaten der Ostsee. Demnach entsorgt nicht einmal ein Viertel der Schiffe seine Abwässer an Land. Der WWF schätzt, dass jährlich 100 Millionen Klospülungen ungeklärt im Meer landen.


Hinzu kommen pro Jahr mindestens 1,6 Milliarden Liter Schmutzwasser aus den Duschen und Putzeimern der Fährschiffe und Luxusliner. „Die braune Brühe wirkt wie Dünger. Die Pflanzen wachsen verstärkt und entziehen dem Wasser den Sauerstoff. Das trägt gerade bei der flachen Ostsee dazu bei, dass das Binnenmeer immer wieder von schleimiger Algenpest heimgesucht wird“, erläutert Jochen Lamp, Leiter des Ostseebüros des WWF Deutschland.

Neben den Nitraten und Phosphaten aus menschlichen Fäkalien sind diese Düngestoffe auch in Putzmitteln enthalten. Der WWF befürchtet, dass von den Schiffen jährlich etwa 450 Tonnen Nitrate und 150 Tonnen Phosphate ins Meer fließen. Diese Stoffe fördern die giftige Blaualgenblüte besonders.

Die WWF Umfrage zeigt aber auch positive Ergebnisse: Immerhin neun der kontaktierten Reedereien haben sich freiwillig dazu verpflichtet 2007, auf die Verklappung unzureichend geklärter Abwässer zu verzichten. Darunter waren mit Hurtigruten und Peter Deilmann auch zwei Anbieter aus Deutschland. Darüber hinaus gibt es von weiteren Fährunternehmen und Reiseanbietern positive Signale. „Dieses vorbildliche Verhalten sollte Schule machen“, fordert Jochen Lamp. Von jeder Kleinstadt werde erwartet, dass sie ihre Abwässer entsprechend behandelt. Umso mehr könne man dies von den schwimmenden Luxusstädten erwarten, zumal ihr Geschäft auf einer intakten Natur basiere. Schließlich habe kein Reisender ein Interesse daran, auf einer Kloake zu schippern.

Der WWF weist darauf hin, dass mittlerweile fast alle Häfen einen Service anbieten, bei dem das Schmutzwasser abgesaugt werde. Allerdings seien die Häfen auf eine vollständige Abnahme der Abwässer bisher meist noch nicht eingerichtet. Der WWF fordert die Reedereien auf, die Entsorgung in den Häfen einzufordern und zudem verstärkt in moderne Kläranlagen an Bord zu investieren. Überdies könne man durch die Umstellung auf phosphatfreie Reinigungsmittel die Belastung des Abwassers von vornherein reduzieren.

Autor: WWF Deutschland

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