Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 11040

Hochwasserschutz am Rhein: Rückhalteraum Ingelheim ist einsatzbereit





Ingelheim/Köln, 14.09.2006: Nach nur zweijähriger Bauzeit ist am 11. September 2006 der gesteuerte Rückhalteraum Ingelheim (umgangssprachlich auch als „Polder“ bezeichnet) eingeweiht worden. Bei einem 200-jährlichen Rheinhochwasser können 4,5 Millionen Kubikmeter Flußwasser zwischengelagert werden und entlasten Bingen und den Mittelrhein.




Bei bestem Wetter und hochsommerlichen Temperaturen nahmen die Umweltministerin des Landes Rheinland-Pfalz, Margit Conrad und der Umweltminister des Landes Hessen zusammen mit dem Oberbürgermeister der Stadt Ingelheim den „Polder Ingelheim“ symbolisch in Betrieb. Das Wehr für den ökologischen Flutungsbetrieb wurde einige Dezimeter gelupft; mangels ausreichender Pegelhöhe im Rhein mußten sich die Gäste den Wassereinstrom in ihrer Phantasie vorstellen.
Damit ist ein weiterer Baustein zur Wiederherstellung eines 200-jährlichen Schutzziels am Oberrhein umgesetzt.

Der Rückhalteraum hat eine Fläche von 162 Hektar. Die Gesmtkosten betragen 17 Millionen Euro, davon wurden 2,3 Millionen Euro aus EU-Fördermitteln bezahlt. Den Rest teilen sich Bund und RLP mit je 40% und Hessen mit 20%.

Besonders wichtig und segensreich ist die Teilnahme an den EU-Projekt SDFSustainable Development of Floodplains gewesen, mit dessen Unterstützung unter dem Leitspruch „Eine Region im Gespräch“ eine offene Planungs- und Verwaltungskultur angestoßen werden sollte. Offenbar mit Erfolg, denn es wird berichtet, daß es kein einziges Gerichtsverfahren gegen den Polder gegeben hat.

Aber auch die Genehmigungsbehörden haben sich beeilt: Erst 2003 fand die Offenlage der Unterlagen statt. Anderswo können Jahre bis zur Planfeststellung vergehen ...

Das war auch einer der Gründe, weshalb die Kölner Hochwasserbedrohten hellhörig wurden und es sich nicht nehmen ließen, bei der Eröffnung für die Unterstützung zu danken, denn die Pegelabsenkungen haben eine zwar kleine, aber meßbare und vor allem in der Summe merkliche Wirkung auch weit vom Polder entfernt. Ein kleines Transparent verwies unmißverständlich auf die Solidargemeinschaft aller Rheinanlieger.

Die Hochwasserschutzgemeinschaft Köln (HWSG) – ein Zusammenschluß von Bürgervereinigungen und Bürgerinitiativen im Raum Köln – sah sich angesichts der unbefriedigenden Situation am Niederrhein zu folgender Pressemitteilung genötigt:

"Am Montag, dem 11. September 2006 wird die Umweltministerin des Landes Rheinland-Pfalz den soeben fertiggestellten Hochwasser-Rückhaltepolder Ingelheim seiner Bestimmung übergeben. Nach extrem kurzer Genehmigungs- und Bauzeit wird der Retentionsraum über ein gesteuertes Rückhaltevolumen von 4,5 Millionen m³ nicht nur für Bingen und die Gemeinden am Mittelrhein, sondern auch mit Auswirkungen bis an den Niederrhein den Hochwasserschutz am Rhein verbessern helfen.

Namens einer Viertelmillion direkt betroffener Bürgerinnen und Bürger von Köln bedankt sich die Hochwasserschutzgemeinschaft Köln (HWSG Köln) für die Solidarität am Oberrhein und wünscht sich dringend, daß im Regierungsbezirk Köln die Bedrohung endlich mit ähnlicher Ernsthaftigkeit wahrgenommen wird und daß schneller und gründlicher gehandelt wird.

Während in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gesteuerte Retentionsräume in Betrieb gehen, hat man im Raum Köln noch nicht einmal mit dem Bau begonnen (- obwohl schon seit 1996 geplant wird).
Schlimmer noch: Mit fadenscheinigen Ausreden werden die vorhandenen Räume nicht ausgenutzt. So wird der für Köln überlebenswichtige Überflutungsraum Langel-Lülsdorf (10 Millionen m³) am südlichen Stadtrand so verkleinert, daß nur 3,7 Millionen m³ zur Hochwasserentlastung übrig bleiben.
Wenn sich das nicht grundlegend ändert, ist Köln einzig und allein auf die Großzügigkeit der Oberlieger am Mittel- und Oberrhein angewiesen.
Ob deren Bereitschaft durch die verantwortungslose und unsolidarische Genehmigungspraxis der Bezirksregierung Köln und die lasche Kontrolle durch das Land NRW beflügelt wird, ist allerdings mehr als zweifelhaft.

Dennoch blicken die Bürgerinnen und Bürger Kölns voller Hoffnung rheinaufwärts und ermutigen die politisch Verantwortlichen und jeden einzelnen Rheinanlieger von Basel bis Bingen, auf dem begonnenen Weg weiter voran zu gehen:

'Es kommt auf jeden Kubikmeter an!'

Die HWSG Köln wird weiter für eine nachhaltige Katastrophenvorsorge vor der eigenen Haustüre kämpfen."

Hochwasserschutzgemeinschaft Köln
Sprecher: Gerhard Müller, Thomas Kahlix, Hans Flock
Köln, den 11.09.2003

Das mächtige Einlaufbauwerk mit den beiden "Fischbauchklappen"

Autor: Thomas Kahlix
3774 Aufrufe
Stand: 14. September 2006
Erstellt: 14. September 2006

Weiterführende Informationen:

Weitere Meldungen zum Thema "Hochwasser":

Achtung: Umweltjournal.de übernimmt keine Haftung für veröffentlichtes Textmaterial der Autoren. Die Artikel unterliegen dem Urheberrecht der Autoren und sind nur nach ausdrücklicher Genehmigung frei zum weiterverarbeiten!

Webmaster: André Sepeur
© 1999 - by André Sepeur Medienberatung
plan-verde.de



Social Bookmarks
Newsletter bestellen
Seien Sie immer bestens informiert! Hier können Sie den Tagesrückblick bestellen >
Folgen Sie uns nach Facebook


Inserate
Top-News Umwelt und Natur
Tier- und Naturschützer zeigen Sinnlosigkeit der Fuchsjagd aufTier- und Naturschützer zeigen Sinnlosigkeit der Fuchsjagd auf
Tier- und Naturschützer zeigen Sinnlosigkeit der Fuchsjagd auf
Gau Algesheim / Eichenberg, 08.02.2012: Im Rahmen sogenannter „Fuchswochen“ wird derzeit erbarmungslos Hatz auf den Fuchs gemacht.
Weiterlesen
Dreckiges Benzin aus KanadaDreckiges Benzin aus Kanada
Dreckiges Benzin aus Kanada
Berlin, 07.02.2012: Die Umweltorganisationen Greenpeace, Nabu und WWF fordern in einer gemeinsamen Erklärung die Bundesregierung auf, strengere Klimaauflagen für Benzin und Diesel aus Teersanden zu unterstützen.
Weiterlesen
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängigEuropäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Bad Homburg, 02.02.2012: 2012 wird das Jahr des Einschnitts in die Förderung der europäischen Photovoltaik werden. Das sehen viele Experten nicht nur auf Grund restriktiver Regierungsmaßnahmen in einigen europäischen Staaten so, sondern auch die Struktur der selbst verordnete Entwicklungspolitik der Solarförderung ist an einem Punkt angekommen, wo es neuer Impulse bedarf.
Weiterlesen
Fangverbot für Donau-StörFangverbot für Donau-Stör
Fangverbot für Donau-Stör
Berlin, 29.01.2012: Die bulgarischen Behörden haben ein vierjähriges Fangverbot für Stören in der Donau und dem Schwarzen Meer bekannt gegeben. Auch der Handel mit Kaviar von wildlebenden Stören ist nun für vier Jahre untersagt.
Weiterlesen
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor KopfgeldjägernVIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
Indonesien / Kalimantan / Borneo, 27.01.2012: Buchstäblich in letzter Minute konnte ein Team der international tätigen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN in Borneo eine Orang-Utan-Mutter und ihre Tochter vor dem sicheren Tod bewahren.
Weiterlesen
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“ Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Berlin, 27.01.2012: Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), eine der größten und auffälligsten heimischen Libellen, wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (Libellenkundler) zur „Libelle des Jahres 2012“ gekürt.
Weiterlesen
Angriff auf Wale unter falscher FlaggeAngriff auf Wale unter falscher Flagge
Angriff auf Wale unter falscher Flagge
Hamburg / München: Forscher des Alfred Wegener Instituts für Polarforschung führen derzeit riskante Lärmexperimente in der Antarktis durch. Die Versuche werden von WDCS und WWF scharf kritisiert.
Weiterlesen
Nichts zu lachen für die DrachenNichts zu lachen für die Drachen
Nichts zu lachen für die Drachen
Berlin, 24.01.2012: Alle zwölf Jahre wiederholt sich im chinesischen Horoskop das Jahr des Drachen, das am 23. Januar beginnt. Während wir den Drachen in Europa als bedrohliche Feuer speiende Kreatur aus Märchen und Sagen kennen, ist er in China ein berühmter Glücksbringer, der für den Frühling und Zuversicht steht.
Weiterlesen
Südafrika verliert 448 NashörnerSüdafrika verliert 448 Nashörner
Südafrika verliert 448 Nashörner
Berlin, 13.01.2012: Die Wilderei-Krise in Afrika spitzt sich nach Ansicht der Umweltschutzorganisation WWF weiter zu.
Weiterlesen
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
Düsseldorf, 13.01.2012: In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 fegte der Sturm Kyrill über Deutschland und sorgte vor allem in Nordrhein-Westfalen für Schäden in Milliardenhöhe.
Weiterlesen
Inserate
Inserate
Jobbörse