Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 10281

Verschwundene Rehe auf Amrum wieder aufgetaucht!





Berlin/München/Amrum, 07.04.2006: Im Herbst 2004 tauchten plötzlich fünf Rehe auf der Nordseeinsel Amrum auf. Das zutrauliche Rehwild spazierte unbeeindruckt von der Anwesenheit der Inselbewohner durch deren Gärten und alle Amrumer, als auch das Schalenwild, waren zufrieden. Doch die Untere Jagdbehörde in Husum sah in den Rehen keine Bereicherung für die Insel, sondern ordnete den Abschuss der Tiere an.


Als Gründe wurde von der Behörde angeführt, dass die Wildtiere den Wald verbeißen und es auf den Straßen zu Wildunfällen kommen könnte.

Judith Schmalzl vom Tierschutzverein aktion tier – Menschen für Tiere in München findet die Rechtfertigung für einen Abschuss ziemlich unverständlich: „Auf der Nachbarinsel Föhr, die über wesentlich weniger Wald und mehr Rehwild verfügt ist ein Zusammenleben durchaus möglich. Und würde man das zweite Argument der Wildunfälle auf das Festland übertragen, dann müsste in Deutschland das gesamte Wild ausgerottet werden.“

Vor anderthalb Jahren bot sich Janine Bahr vom Tierhuus – Insel Föhr e.V., ein Kooperationspartner von aktion tier – Menschen für Tiere e.V., an, die Rehe einzufangen, sie von der Insel zu schaffen und in eine Auswilderungsstation zu bringen, um sie so vor dem sicheren Tod zu bewahren. Dann waren die „Bambis“ plötzlich verschwunden.

Nun wurde dem Tierschutzverein aktion tier eine erneute Abschussanordnung der Ordnungsbehörde auf die „verbliebenen Rehe“ zugespielt. Judith Schmalzl von aktion tier: „Das Ganze entwickelt sich zum Schildbürgerstreich. Die Tiere, die sich nicht schwimmend auf das Festland absetzten, lebten die ganze Zeit auf der Insel, ohne dass es zu Wildverbiss oder Wildunfällen gekommen ist. Und jetzt soll wieder zur Jagd auf die Tiere geblasen werden – und dies alles in der Schonzeit.“

Janine Bahr vom Tierhuus – Insel Föhr e.V. würde auch dieses mal als ultimo ratio das Rehwild einfangen, aber dies gestaltet sich als äußerst schwierig und würde für die Tiere unnötig Stress bedeuten. Es ist nicht einzusehen, weshalb sie nicht auf der Insel bleiben sollen.

Wohlgemerkt es geht hier um maximal 2-4 Tiere in einem riesigen Waldgebiet.

Selbst Jäger und Forstexperten müssen über das Argument, es könne durch diese Tiere, die monatelang unbemerkt auf Amrum gelebt und überlebt und gefressen haben, einen Schaden in der Fauna entstehen. Die Abschussanordnung gerade zu dieser Jahreszeit ist also tierschutzwidrig, da es für das Töten keinen vernünftigen Grund gibt, so Janine Bahr vom Tierhuus – Insel Föhr e.V. Da einige Tiere auch beschlagen (tragend) sein könnten, ist diese angeordnete Vorgehensweise selbst für heimische Jäger unwaidmännisch.

aktion tier bittet nun die Bevölkerung bei der Unteren Jagdbehörde in Husum telefonisch oder per Email gegen den Abschuss der Tiere Protest einzulegen:

Untere Jagdbehörde
Marktstr. 6
25813 Husum
Tel.: 048 41/ 67-0
info@nordfriesland.de

Der Tierschutzverein aktion tier – Menschen für Tiere ist mit 210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und Artenschutzorganisationen Deutschlands.

Foto: picturediscount.net
Autor: aktion tier - menschen für tiere e.V.
1990 Aufrufe
Stand: 7. April 2006
Erstellt: 7. April 2006

Weiterführende Informationen:

Weitere Meldungen zum Thema "Amrum":

Achtung: Umweltjournal.de übernimmt keine Haftung für veröffentlichtes Textmaterial der Autoren. Die Artikel unterliegen dem Urheberrecht der Autoren und sind nur nach ausdrücklicher Genehmigung frei zum weiterverarbeiten!

Webmaster: André Sepeur
© 1999 - by André Sepeur Medienberatung
plan-verde.de



Social Bookmarks
Newsletter bestellen
Seien Sie immer bestens informiert! Hier können Sie den Tagesrückblick bestellen >
Folgen Sie uns nach Facebook


Inserate
Top-News Umwelt und Natur
Tier- und Naturschützer zeigen Sinnlosigkeit der Fuchsjagd aufTier- und Naturschützer zeigen Sinnlosigkeit der Fuchsjagd auf
Tier- und Naturschützer zeigen Sinnlosigkeit der Fuchsjagd auf
Gau Algesheim / Eichenberg, 08.02.2012: Im Rahmen sogenannter „Fuchswochen“ wird derzeit erbarmungslos Hatz auf den Fuchs gemacht.
Weiterlesen
Dreckiges Benzin aus KanadaDreckiges Benzin aus Kanada
Dreckiges Benzin aus Kanada
Berlin, 07.02.2012: Die Umweltorganisationen Greenpeace, Nabu und WWF fordern in einer gemeinsamen Erklärung die Bundesregierung auf, strengere Klimaauflagen für Benzin und Diesel aus Teersanden zu unterstützen.
Weiterlesen
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängigEuropäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Europäischer Solarmarkt von der Förderung abhängig
Bad Homburg, 02.02.2012: 2012 wird das Jahr des Einschnitts in die Förderung der europäischen Photovoltaik werden. Das sehen viele Experten nicht nur auf Grund restriktiver Regierungsmaßnahmen in einigen europäischen Staaten so, sondern auch die Struktur der selbst verordnete Entwicklungspolitik der Solarförderung ist an einem Punkt angekommen, wo es neuer Impulse bedarf.
Weiterlesen
Fangverbot für Donau-StörFangverbot für Donau-Stör
Fangverbot für Donau-Stör
Berlin, 29.01.2012: Die bulgarischen Behörden haben ein vierjähriges Fangverbot für Stören in der Donau und dem Schwarzen Meer bekannt gegeben. Auch der Handel mit Kaviar von wildlebenden Stören ist nun für vier Jahre untersagt.
Weiterlesen
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor KopfgeldjägernVIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
VIER PFOTEN rettet Orang-Utans in Borneo vor Kopfgeldjägern
Indonesien / Kalimantan / Borneo, 27.01.2012: Buchstäblich in letzter Minute konnte ein Team der international tätigen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN in Borneo eine Orang-Utan-Mutter und ihre Tochter vor dem sicheren Tod bewahren.
Weiterlesen
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“ Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist „Libelle des Jahres 2012“
Berlin, 27.01.2012: Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), eine der größten und auffälligsten heimischen Libellen, wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (Libellenkundler) zur „Libelle des Jahres 2012“ gekürt.
Weiterlesen
Angriff auf Wale unter falscher FlaggeAngriff auf Wale unter falscher Flagge
Angriff auf Wale unter falscher Flagge
Hamburg / München: Forscher des Alfred Wegener Instituts für Polarforschung führen derzeit riskante Lärmexperimente in der Antarktis durch. Die Versuche werden von WDCS und WWF scharf kritisiert.
Weiterlesen
Nichts zu lachen für die DrachenNichts zu lachen für die Drachen
Nichts zu lachen für die Drachen
Berlin, 24.01.2012: Alle zwölf Jahre wiederholt sich im chinesischen Horoskop das Jahr des Drachen, das am 23. Januar beginnt. Während wir den Drachen in Europa als bedrohliche Feuer speiende Kreatur aus Märchen und Sagen kennen, ist er in China ein berühmter Glücksbringer, der für den Frühling und Zuversicht steht.
Weiterlesen
Südafrika verliert 448 NashörnerSüdafrika verliert 448 Nashörner
Südafrika verliert 448 Nashörner
Berlin, 13.01.2012: Die Wilderei-Krise in Afrika spitzt sich nach Ansicht der Umweltschutzorganisation WWF weiter zu.
Weiterlesen
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
5 Jahre nach Kyrill: Schäden im Wald noch immer deutlich sichtbar
Düsseldorf, 13.01.2012: In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 fegte der Sturm Kyrill über Deutschland und sorgte vor allem in Nordrhein-Westfalen für Schäden in Milliardenhöhe.
Weiterlesen
Inserate
Inserate
Jobbörse