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Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 10044

Fischer in trüben Gewässern

Hamburg, 04.03.2006: Europäische Regierungen sind auf einem Auge blind, wenn es um die zerstörerischen Auswirkungen der Fischerei geht. Das enthüllt der Bericht Murky Waters (Trübe Gewässer), den Greenpeace am Freitag veröffentlicht hat. Der Bericht dokumentiert die Praxis der Grundschleppnetzfischerei im Nordatlantik in den Jahren 2004 und 2005. Diese Art der Fischerei gilt als die zerstörischste überhaupt. Trotzdem vollzieht sie sich tagtäglich - unter europäischer Flagge.


Was ist Grundschleppnetzfischerei? Mit Gewichten beschwerte Grundschleppnetze werden über den Meeresboden gezogen und hinterlassen eine Schneise der Verwüstung. Dabei werden nicht nur Tiefseefischbestände geplündert, die sich nur sehr langsam regenerieren - auch kostbare marine Vegetation wird einfach weggefegt.

Zeitgleich zum Erscheinen des Berichts trifft sich eine OECD-Arbeitsgruppe, um über das weitere Vorgehen gegen Piratenfischerei zu beraten. Erst vor einem Monat forderte die EU vor den Vereinten Nationen, dass endlich gegen zerstörerische Fischereimethoden und gegen Piratenfischerei vorgegangen werde. Die Doppelzüngigkeit dieser Politik ist nun entlarvt.

"Der Bericht zeigt, dass Europa führend in der Zerstörung der Tiefsee ist. Damit kann und muss Schluss sein", sagt Greenpeace-Meeresexpertin Sari Tolvanen. Für die Zerstörung großer Teile der Weltmeere durch Grundschleppnetze zeichnen nur ein paar hundert Schiffe verantwortlich. Zu 60 Prozent fahren sie unter der Flagge von EU-Ländern, hauptsächlich Spaniens, Dänemarks und Frankreichs.

"Indem sie ein UN-Moratorium zur Grundschleppnetzfischerei unterstützen, könnten die EU-Länder sicher stellen, dass diese kostbaren Ökosysteme gerettet werden. Die Bedeutung einer geschützten Tiefsee kann nicht mit den Kosten für ein solches Moratorium aufgewogen werden", so Tolvanen.

Es an der Zeit, den Worten Taten nachfolgen zu lassen: "Die Enthüllungen über die Grundschleppnetzfischerei im Greenpeace-Report sind nur eine Facette der weltweiten Zerstörung der Meere. Zurückzuführen ist sie auf das Versagen der Regierungen, illegale Fischerei wirksam zu regulieren!", so Tolvanen.

Anfang dieser Woche ist das Greenpeace-Schiff Esperanza aus Kapstadt in Südafrika aufgebrochen. Im Rahmen der SOS-Weltmeer-Tour wird das Schiff auf Gefahren für die Ozeane aufmerksam machen. Als nächstes wird die Esperanza Piratenfischer an Afrikas Westküste aufspüren.

Benjamin Borgerding

Autor: Greenpeace e.V.

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Stand: 4. Maerz 2006
Erstellt: 4. Maerz 2006