Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3475

Hochwasser: Elbe wird zur Kloake





Hamburg/Dresden, 21.08.2002: Die Elbe ist durch die Hochwasserkatastrophe zu einer der größten Kloaken Deutschlands geworden. Abwässer von mehr als 500.000 Menschen, von Industrie und Landwirtschaft fließen derzeit ungefiltert in den Fluss. Viele Kläranlagen in den Hochwassergebieten sind außer Betrieb, weil sie von den Wassermassen überflutet wurden.

"Öl und andere Schadstoffe versickern auf den Äckern und bleiben im Boden", warnt Andreas Bernstorff, Chemieexperte bei Greenpeace. "Das Hochwasser hat private Öltanks aufgerissen, Tankstellen überspült, Müllkippen und Güllegruben überschwemmt, Tierkadaver abtreiben lassen, offen gelagerte Schadstoffe aus Kfz-Betrieben, metallurgischen und chemischen Unternehmen mit sich gerissen." Aus der Landwirtschaft würden Pestizide und Mineraldünger wie Stickstoff und Phosphat ins Wasser gelangen. "Mit welchen Mengen dabei gerechnet werden muss, ist noch nicht absehbar", so Bernstorff weiter.

Der vom Hochwasser in Dresden angespülte Schlamm gilt als Sondermüll und wird extra auf spezielle Deponien gebracht. "Vergifteter Schlamm muss schnell abgetragen und fachgerecht entsorgt werden. Sonst wird er betonhart und verbindet sich mit Wurzeln von Bäumen und Pflanzen", sagt Manfred Krautter, Chemie-Experte bei Greenpeace.

Krautters Tipps für Hochwasserbetroffene: "Bei Aufräumarbeiten und Schlammbeseitigung immer Gummistiefel und Gummihandschuhe tragen. Außerdem sollte jeder Hautkontakt mit dem Schlamm vermieden werden. Lebensmittel, die mit Schlamm in Berührung gekommen sind, keinesfalls essen. Sie abzuwaschen hilft nichts. Vor jedem Essen, Trinken und Rauchen immer gründlich die Hände waschen, Wohnungen und Keller am besten desinfizieren."

Greenpeace untersucht derzeit Böden, Sedimente, Wasserproben und Altlasten aus Spolana und Bitterfeld. Zusätzlich werden noch Schlämme aus Dresden und Magdeburg auf Rückstände untersucht, um eine Einschätzung für Wohnungen und Gärten und landwirtschaftliche Nutzung abgeben zu können. Die Ergebnisse werden nächste Woche erwarte.
Autor: Greenpeace e.V.
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Stand: 8. Oktober 2002
Erstellt: 21. August 2002

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