Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3465

Hochwassergipfel - Ende der Kleinstaaterei





Berlin/Rastatt, 19.08.2002: Gestern trafen sich im Bundeskanzleramt EU-Vertreter mit den Regierungschefs aus Österreich, Tschechien und den betroffenen deutschen Bundesländern zum „mitteleuropäischen Hochwassergipfel”. Die Umweltstiftung WWF wertet das Treffen in Berlin als ein positives Signal für eine längst überfällige, Länder übergreifende Hochwasserpolitik.

„Die aktuellen Fluten machen deutlich, dass Hochwasser keine Ländergrenzen kennen. Deshalb brauchen wir überregionale Antworten,” fordert Georg Rast vom WWF-Auen-Institut. Eine modernes Flussmanagement müsse das gesamte Einzugsgebiet der Ströme betrachten, nur dann sei ein sinnvoller Hochwasserschutz möglich.

Der WWF kritisierte, dass in Deutschland auf diesem Gebiet „Kleinstaaterei” herrsche. Hochwasserschutz ist hierzulande Sache der Bundesländer. „Das führt zu absurden Situationen”, beklagt Georg Rast. Bei der Elbe falle der Fluss selbst in den Zuständigkeit des Bundes, die Überflutungsbereiche verantworten die Länder und die Kommunen und Privatpersonen wirtschaften in den durch Deiche geschützten Flächen.

Das Bundesland Hessen weigere sich seit Jahren Überflutungsflächen zur Verfügung zu stellen. Die Folge: Die Flut schlage dann weiter flussabwärts zu. Der WWF erkennt an, dass die EU das Problem erkannt hat und mit einer einzugsgebietsbezogenen Wasserrahmenrichtlinie reagierte. Allerdings hätten etliche Bundesländer dieses Prinzip bereits wieder unterlaufen, in dem sie Zuständigkeiten wieder nach den alten Regelungen unterteilt haben. „Mit dem Sankt Florians Prinzip muss Schluss sein”, fordert Georg Rast vom WWF.

Zugleich appellieren die Naturschützer an die Kommunen. Die Städte und Gemeinden müssten erkennen, dass es mittelfristig „ein Schuss ins Knie” sei, in unmittelbarer Flussnähe Gewerbegebiete, Sportplätze oder Bauplätze auszuweisen. An der Elbe seien in den vergangenen 200 Jahren rund drei Viertel der natürlichen Überflutungsflächen verloren gegangen.

An anderen Flüssen sehe es zum Teil noch schlimmer aus. „Das Wasser muß raus aus den Wohnzimmern und wieder rein in die Auen. Damit verhindern wir keine Hochwasser, aber wir verringern die Schäden,” so Georg Rast.
Autor: WWF Deutschland
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Stand: 8. Oktober 2002
Erstellt: 19. August 2002

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