Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3453

Naturnahe Flüsse schützen vor Hochwassergefahr





Freitag, 16.08.2002: Trotz und gerade wegen der Hochwasserkatastrophe setzen AktivistInnen der
Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD ihre Floßtour auf Elbe und Havel für den Erhalt naturnaher Flüsse fort. Die FlößerInnen, die am kommenden Sonntag in der Stadt Brandenburg an der Havel eintreffen werden, waren Mitte Juli in Dresden gestartet und wollen noch bis nach Berlin reisen.


Unterwegs machen die FlößerInnen in vielen Orten Station. Dort können BesucherInnen an Bord der Robina Wald kommen und sich über die verheerenden Folgen des Flussausbaus informieren.

"Die aktuellen Unwetter zeigen, wohin es führt, Flüsse zu stauen und zu verbauen, um daraus Wasserstraßen für immer größere Schiffe zu machen", erläutert Alexa Kessler, Biologin und Sprecherin der Flößer-Crew. "Wenn das Hochwasser nicht mehr in Auen, Uferwiesen und Altarme abfließen kann, laufen in den Dörfern und Städten die Keller voll. Das Hochwasser ruiniert Tausende von Existenzen. Die ökonomischen und ökologischen Schäden sind immens. Das ganze Ausmaß der Umweltschäden etwa durch ausgeschwemmte Altlasten ist noch gar nicht absehbar."

Die Konsequenz kann nur heißen: Stopp der Ausbauprojekte und Renaturierung der Flüsse. Für die Havel bedeutet dies, alle Arbeiten am Projekt 17 der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE 17) unverzüglich einzustellen. Das Projekt sieht vor, auf der Strecke Hannover-Magdeburg-Berlin 280 Kilometer Wasserweg auszubauen. Die Strecke soll von 2,20 Meter auf vier Meter Tiefe ausgebaggert und so verbreitert werden, dass 2000-Tonnen-Großmotorgüterschiffe und Schubverbände auch im Gegenverkehr darauf fahren können.

Dadurch würden auch an der Havel Ufer zugeschottert und Flußauen zerstört. Viele Quadratkilometer Überschwemmungsfläche gingen verloren, so dass die Hochwassergefahr für die Gemeinden, die am Fluss liegen, weiter anstiege. Eingebunden ist das VDE 17 in den EU-Verkehrsplan "Transeuropäische Netze" (TEN). ROBIN WOOD fordert, den darin vorgesehenen Ausbau der Flüsse in Mittel- und Osteuropa ebenfalls aufzugeben und die dortigen Flusslandschaften zu erhalten.

"Spätestens die aktuelle Hochwasserkatastrophe muss auch dem Letzten die Augen geöffnet haben, dass wir es uns nicht weiter leisten können, Milliarden Euro für unwirtschaftliche und ökologisch verheerende Flussausbauten zu vergeuden", so ROBIN WOOD-Vorstand Jürgen Sattari. "Das Geld wird jetzt dringend gebraucht, um den Opfern der Hochwasserkatastrophe zu helfen und die Renaturierung der Flüsse zügig voranzutreiben."
Autor: Robin Wood e.V.
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Stand: 8. Oktober 2002
Erstellt: 16. August 2002

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