Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3451

Hochwasser: Giftgefahr für die Elbe





Hamburg/Neratovice, 15.8.2002: Quecksilber und Dioxin drohen die Elbe zu verseuchen. Das Firmengelände der ehemaligen Chemiefabrik Spolana in Neratovice/Tschechien steht seit Mittwochmittag einen halben Meter unter Wasser.Das Gelände ist schwer mit Giftstoffen belastet, die jetzt ausgespült werden können. Greenpeace warnt schon seit zwei Jahren vor einer Überflutungsgefahr.

Bis in die 60er Jahre wurden in der Chemiefabrik Spolana Vorprodukte für das hochgiftige Entlaubungs-mittel Agent Orange hergestellt. Greenpeace schätzt, dass das Gelände heute mit 250.000 Kilogramm Quecksilber verseucht ist. Dazu kommen Dioxine und Furane zwischen 28,3 und 276 Gramm. Die Dimension der Gefahr wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass sämtliche deutschen Müllverbrennungsanlagen zusammen jährlich ungefähr fünf Gramm Dioxine und Furane in Umlauf bringen.

Die Spolana-Gebäude zählen zu den am stärksten verseuchten Orten der Welt. Seit Jahrzehnten ist der Zutritt zu den Hallen auf dem Gelände versperrt. Wegen mangelnder Pflege drohen sie sogar einzustürzen. Schon vor einigen Monaten machte Jan Haverkamp, Sprecher von Greenpeace Tschechien darauf aufmerksam, dass bei Überflutung des Geländes das ausgespülte Dioxin bis Dresden gelangen und dort die Trinkwasserversorgung bedrohen könnte.

Der Kampf für eine Sanierung des Geländes dauert nun schon über zwei Jahre: Im November 2001 und Januar 2002 machte Greenpeace mit Aktionen auf die Dioxin-Gefahr aufmerksam. Im Mai 2002 nahm die Umweltschutzorganisation Proben und führte eine Bodenanalyse durch. Das Ergebnis war erschreckend: Die Konzentration von Quecksilber in einigen Bereichen des Geländes ist bis zu 100.000 Mal höher als in normaler Erde.

Da sich die Firmenleitung bis heute geweigert hat, das Gelände zu sanieren, stellen die Giftstoffe eine große Gefahr für Mensch und Umwelt dar. "Wieviel davon in den kommenden Tagen ausgeschwemmt wird, kommt auf die Fließgeschwindigkeit und die Verwirbelung des Wassers an", sagt Andreas Bernstorff, Greenpeace Giftmüll-Experte. "Jetzt rächt sich das ständige Herunterspielen des Problems durch die Firmenleitung an der Elbe und den Menschen, die aus dem Fluss ihr Trinkwasser entnehmen, zum Beispiel in Dresden", sagte Bernstorff.

Greenpeace-Aktivisten sind derzeit auch in anderen Hochwassergebieten aktiv. Sie füllen und schleppen Sandsäcke und bauen Dämme zum Schutz vor den Wassermassen. Auch in Dresden füllen 15 Greenpeacer Sandsäcke. Aber dort haben sie noch ein weiteres Einsatzgebiet: Mit eigens mitgebrachten Schlauchbooten kontrollieren sie die Situation in den Hochwassergebieten der Stadt und geben ihre Beobachtungen an die Einsatzleitung des Katastrophenschutzes weiter.
Autor: Greenpeace e.V.
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Stand: 8. Oktober 2002
Erstellt: 15. August 2002

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