Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3404

Wirkungsvoller Hochwasserschutz ist nur großräumig erreichbar





Bremen, 01.08.2002: Binnen kurzer Zeit ist es in der Wümmeniederung zwischen Ottersberg und Bremen zu außergewöhnlichen Hochwasserverhältnissen gekommen. Großräumige Überschwemmungsgebiete haben im Bremer Raum angrenzende Siedlungen zwar vor Schlimmerem bewahrt, aber Verkehrswege sind unterbrochen und die Betroffenheit örtlicher Landwirte ist groß.

Auf Wiesen und Weiden sind vielerorts Schäden an der Grasnarbe und verfaulende Vegetation zu beobachten. „Wo früher Wälder, Moore und Feuchtgebiete auf ‚natürliche Weise’ zum Hochwasserschutz beigetragen haben, wird der Wasserhaushalt heute zunehmend durch Entwässerung und Bebauung belastet. Jetzt zahlen wir die Rechnung für jahrzehntelange Zerstörung und Zubetonierung wertvoller Auenlandschaften“, sagte ein Sprecher von WWF und BUND.

Änderungen in der Landnutzung, Bebauung von Auenlandschaft, intensive Entwässerung und Gewässerausbau der vergangenen Jahrzehnte haben die Abflusssituation in der Wümmeniederung verschärft und zugleich das Speichervermögen der Landschaft vermindert. An der Unteren Wümme machen sich die Folgen des Unterweserausbaus und der Außenweservertiefung ebenso deutlich negativ bemerkbar wie Eingriffe in die Flusseinzugsgebiete oberhalb. Wer Hochwasserschäden vermeiden will, muss im gesamten Flusseinzugsgebiet handeln, so die Verbände. Handeln ist umso mehr gefragt, als die Prognosen wichtiger Klimaforscher für die Zukunft vermehrt Starkregenereignisse für Norddeutschland erwarten lassen.

BUND und WWF fordern:
  • Hochwasserabfluss- und Überschwemmungsgebiete müssen vor zusätzlicher Bebauung, Versiegelung und Entwässerung geschützt werden.
  • Vorhandene Überschwemmungsgebiete zu sichern, ist notwendig aber im Hinblick auf die Niederschlagsereignisse der letzten Zeit nicht hinreichend. Zusätzliche geeignete Überschwemmungsgebiete müssen kurzfristig von Seiten der Wasserwirtschaft vorgeschlagen werden. Alle Beteiligten - insbesondere Landnutzer und Kommunen (Bauleitplanung) - sind aufgefordert, an der Umsetzung mitzuwirken.
  • Wasserhaushalt und Abflussverhältnisse sind in Flusseinzugsgebieten zu analysieren und für Mensch und Natur sinnvoll zu organisieren. Die Wasserrahmenrichtlinie der EU bietet seit kurzem hierfür erstmals eine rechtlich umfassende Grundlage, die sich an natürlichen und nicht an Verwaltungsgrenzen orientiert.
  • Die Nutzung solcher Überschwemmungsgebiete muss mit ihrem wasserwirtschaftlichen Zweck vereinbar sein, die dortigen Landnutzer sind ggf. zu unterstützen, wenn die weiterhin gewollte Landbewirtschaftung mit einem erhöhten Überschwemmungsrisiko einhergeht.

Zur Zeit ist die Wümmeniederung bei Borgfeld/Lilienthal vom Hochwasser besonders betroffen. Hierzu stellen BUND und WWF fest:

Der Flusslauf der Wümme bei Borgfeld/Lilienthal wird vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt Bremen unseres Wissens den Vorgaben entsprechend unterhalten. Alle zur Zeit diskutierten Einzelmaßnahmen vor Ort hätten die eingetretene Hochwassersituation grundsätzlich nicht verhindert. Dies ist eine wichtige Erkenntnis, da ansonsten der Eindruck erweckt wird, Änderungen in der Gewässerunterhaltung oder das Roden von Ufergehölz könnten Überschwemmungen oberhalb Borgfeld ausschließen.

Es ist allerdings kurzfristig zu klären, ob bestimmte Maßnahmen die Hochwasserfolgen abmildern können. Folgende Fragen sind baldmöglichst in einem Gutachten zu klären, deren Ergebnisse allen Interessierten zugänglich gemacht werden sollten, um auf dieser Grundlage möglichst schnell wirksame Maßnahmen ergreifen zu können.
  • Ist der Durchfluss im Bereich der Lilienthaler Flutbrücke sichergestellt? BUND und WWF unterstützen ggf. erforderliche Maßnahmen, um dessen Leistungsfähigkeit wiederherzustellen.
  • Sind kleinräumig Baggerungen in der Sohle der Wümme erforderlich, wobei allerdings der Abfluss bei Niedrig- und Mittelwasser nicht beschleunigt werden sollte. Grundsätzlich sind die Geschiebeverhältnisse in der Wümme zu klären und soweit sie aus ökologischen Störungen in der Aue resultieren, ist an den Ursachen unmittelbar anzusetzen.
  • Welchen Einfluss hat der Bewuchs im Vorland auf den Hochwasserabfluss? Gibt es kleinräumig durchführbare, nachhaltige Maßnahmen, die zu einer Hochwasserentlastung beitragen und sich in die Wümmelandschaft einfügen?

Autor: WWF Deutschland
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Stand: 1. August 2002
Erstellt: 1. August 2002

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