Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3227

Naturland Zertifikat für Berliner Forsten





Berlin/Gräfelfing, 14.06.2002: Die Bundeshauptstadt Berlin hat jetzt einen anerkannten Öko-Wald: Am 16. Juni wird in Berlin der Verwaltung der Berliner Forsten offiziell das Naturland Zertifikat zur Ökologische Waldnutzung überreicht. Damit hat sich eine der waldreichsten Kommunen in Deutschland für die Ökologische Waldnutzung entschieden. Mit der ca. 26.500 Hektar umfassenden Fläche hat sich der von Naturland zertifizierte Öko-Wald jetzt mehr als verdoppelt.

Die Berliner Forsten sind schon seit vielen Jahren um eine besonders naturverträgliche Nutzung ihrer Wälder bemüht. Seit rund 20 Jahren wird im Stadtwald eine naturgemäße Waldnutzung betrieben, vorgegeben im forstlichen Rahmenplan für Berlin-West. Damit wurde die bereits in den 20er Jahren begründete und in Berlin praktizierte Idee des Dauerwaldes wieder aufgegriffen. Die Waldflächen sind zu 70% durch Kiefern dominiert, ein Erbe aus Nachkriegsaufforstungen. Im Ostteil der Stadt dominierte der Altersklassenwald. Ziel war es deshalb unter anderem, den Anteil der Laubbäume zu erhöhen und reich strukturierte Mischwälder aufzubauen.

Umweltverbände fördern Ökologische Waldnutzung
Seit 1992 gilt eine nach ökologischen Gesichtspunkten ausgerichtete Berliner Waldbaurichtlinie. Darin wird unter anderem festgelegt, dass in den Berliner Forsten konsequent auf Kahlschläge verzichtet wird, dass Mischwälder gefördert und die Umbaumaßnahmen von Waldflächen mit nicht standortheimischen Baumarten eingeleitet werden sollen. Synthetische Stickstoff-Düngemittel und organo-synthetische Pestizide sind seit mehr als zehn Jahren im Wald verboten. Im Rahmen der Zertifizierung durch Naturland wurde jetzt ein Konzept erarbeitet, nach dem der Waldboden nicht mehr flächig mit Forstmaschinen befahren wird, sondern das Befahren zum Schutz des Bodens zukünftig überwiegend auf die Rückegassen beschränkt bleibt. In Berlin gibt es zum Thema Berliner Forsten schon über längere Zeit einen Runden Tisch mit den Berliner Umweltverbänden. Diese sehr spezielle Einrichtung war im Diskussionsprozess im Vorfeld der Zertifizierung durch Naturland sehr produktiv und hilfreich.

20% Wald in Berlin
In Berlin nimmt die Waldfläche etwa 20% des Stadtgebietes ein. Ca. 40% der Waldfläche liegen im Land Brandenburg. Die Berliner nutzen ihren Stadtwald intensiv für Freizeit und Erholung. Der Wald erfüllt für den Großraum Berlin aber auch lebenswichtige Funktionen als Trinkwasserspeicher, Frischluftproduzent und Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Die Berliner Forstverwaltung mit 6 Forstämtern und 31 Revieren hat immer schon mit Erfolg im Spannungsfeld zwischen Holznutzung und Wald als Erholungsfläche für Jogger, Spaziergänger und Hundebesitzer agiert. Dabei wurde ökologisch behutsam und nachhaltig gewirtschaftet.

Wertvolles Öko-Holz
Schutz und Entwicklung vielfältiger Waldbiotope mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt stehen im Mittelpunkt. Dabei wird der wirtschaftliche Aspekt der Holzproduktion immer im Auge behalten. So wachsen im Durchschnitt pro Jahr und Hektar 5 Festmeter Holz in den Berliner Forsten. Geerntet werden davon aber nur ca. 3,5 Festmeter. Nach erfolgreich abgeschlossener Zertifizierung kann das Holz aus dem Berliner Stadtwald jetzt mit dem Naturland® Zeichen vermarktet werden. Neben der Zertifizierung durch Naturland sollen die Berliner Forsten zusätzlich eine FSC-Zertifizierung erhalten.

Naturland zertifiziert 54.000 Hektar Wald
Nachdem das Zertifizierungsverfahren jetzt erfolgreich abgeschlossen ist, zertifiziert Naturland in Deutschland insgesamt 54.000 Hektar Kommunal- und Privatwälder. Die Richtlinien dazu hat Naturland, der zweitgrößte Öko-Verband in Deutschland, zusammen mit den Umweltverbänden BUND, Robin Wood und Greenpeace entwickelt. Naturland Geschäftsführer Gerald A. Herrmann: "Wir freuen uns sehr über die Entscheidung der Berliner Forstverwaltung zugunsten einer konsequenten Ökologischen Waldnutzung, kontrolliert und mit Zertifikat. Damit leistet die Bundeshauptstadt einen weit über ihre Grenzen hinaus wirkenden wichtigen Beitrag zum Schutz von Trinkwasser, Klima, Luft und Artenvielfalt. Ein wegweisendes Zeichen im Jubiläumsjahr Rio plus 10."
Autor: Naturland e.V.
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Stand: 8. Oktober 2002
Erstellt: 14. Juni 2002

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