Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3186

Ostsee: Ölverschmutzer an die Kette gelegt





Hamburg/Norrköping, 06.06.2002: Greenpeace-Aktivisten haben am Dienstagmorgen im schwedischen Norrköping den Frachter "M/S Fagervik" an der Weiterfahrt gehindert. Mit der Aktion protestiert Greenpeace gegen die Verschmutzung der Ostsee durch Altöl. Bis zum Mittwochnachmittag nahm die schwedische Polizei zwei deutsche Aktivisten und eine australische Aktivistin fest.

Insgesamt 15 Greenpeacer verhinderten ein Ablegen der "M/S Fagervik" vom Kai in Norrköping. Einige Aktivisten legten eine Kette an die Schiffsschraube, andere machten sich am Frachter selbst fest. Ein Aktivist, der sich an den Mast des Schiffs gebunden hatte, befand sich noch am Mittwochnachmittag auf dem Schiff.

Greenpeace fordert, dass die "M/S Fagervik" sofort aus dem Schiffsverkehr auf der Ostsee gezogen wird. Im Februar 2001 war das Schiff - damals noch unter dem Namen "Figaros" - beim Ablassen von 1000 Tonnen Altöl von den schwedischen Behörden erwischt worden. Damals war die Führung des Frachters vor Gericht frei gesprochen worden, da man ihnen kein vorsätzliches Handeln nachweisen konnte.

Die schwedische Gesetzgebung stellt das Ablassen von Öl ins Meer unter Strafe. "Das Gesetz setzt voraus, dass Öl absichtlich aus einem Schiff gepumpt wird. Dies nachzuweisen ist aber fast unmöglich", kritisiert Stuart Thomson von Greenpeace. Er fordert: "Wenn Ölverschmutzungen auftreten, müssen die Schiffsbesatzung und die verantwortliche Firma - unabhängig von der Höhe der Strafe - die Kosten für Umwelt- und Gesundheitsschäden tragen."

Die Ostsee ist eines der am meisten verschmutzten und ausgebeuteten Meere der Welt. Mit seinem langsamen Wasseraustausch und extrem empfindlichen Ökosystemen reagiert die Ostsee äußerst sensibel auf Störungen durch den Menschen. "Greenpeace wird Schiffe wie die "Fagervik" nicht mehr in der Ostsee akzeptieren," so Stuart Thomson. "Wir rufen die in der Ostsee operierenden Reedereien auf, Schiffe mit zu niedrigen Standards und einer schmutzigen Vergangenheit zu stoppen. Die Behörden müssen die Ostsee gegen unverantwortliche und kriminelle Firmen schützen."

Greenpeace fordert die Ostseeanrainer auf, strengere Maßnahmen zum Schutz der Ostsee zu treffen. Greenpeace schlägt eine Art Führerscheinregelung vor, wonach sowohl Schiffe als auch Besatzungen bestimmte Mindeststandards in Bezug auf Sicherheit und Qualifiktionen zum Befahren der Ostsee einhalten müssen. Die Reedereien sollten in jedem Falle für die finanziellen Schäden eines Ölaustritts haftbar gemacht werden. Ebenso sollen Schiffe, die bereits auffällig geworden sind oder die die geforderten Qualifikationen nicht erfüllen, nicht mehr in der Ostsee eingesetzt werden dürfen.
Autor: Greenpeace e.V.
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Stand: 5. Juni 2002
Erstellt: 5. Juni 2002

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