Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3069

Urwald: Gefälligkeitsgutachten für WestLB





{b1l}Hamburg, 11.5.2002: Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) hat am Dienstag eine neue Studie zur Öl-Pipeline durch den Urwald Ecuadors vorgelegt. Das Gutachten soll belegen, dass die von der WestLB finanzierte Ölleitung keine nennenswerten negativen Auswirkungen auf die Umwelt in dem Gebiet hat. Greenpeace hält die neue Untersuchung für zweifelhaft.

Für die Pipeline, die täglich 450.000 Barrel Rohöl über 500 Kilometer quer durch Ecuador transportieren soll, werden einzigartige Urwälder des Landes zerstört. Insgesamt soll die Ölleitung sieben Schutzgebiete und vier Pufferzonen für bedrohte Tier- und Pflanzenarten durchqueren. Doch damit nicht genug: Um die Kapazität der Pipeline voll auszulasten, müsste Ecuador seine Erdölproduktion verdoppeln. Noch in diesem Jahr werden deshalb eine Million Hektar Urwald für neue Konzessionsgebiete zur Erdölförderung im bislang unberührten Amazonasgebiet freigegeben. Bis heute sind in Ecuador bereits zwei Millionen Hektar Regenwald durch die Erdölindustrie zerstört worden.

Die Gutachter der amerikanischen Consulting-Firma "Stone & Webster" kommen zu dem Schluss, dass "das Projekt (...) nach dem modernsten Stand der Technik errichtet (wird), um die geringstmögliche Umweltbeeinträchtigung (...) sicherzustellen." Und: "Das Projekt ist für die wirtschaftliche Nutzung der Kohlenwasserstoffvorräte des Amazonasgebietes von wesentlicher Bedeutung". Die Kritiker des Milliarden-Projekts seien Hardliner und wollten die wirtschaftliche Entwicklung Ecuadors verhindern.

Greenpeace Wald-Expertin Sandra Pfotenhauer, die selbst im Februar vor Ort war, hält dagegen: "Der Bau der Pipeline hat eine verheerende Wirkung auf die Umwelt und die Menschen in dem Gebiet. Davon steht natürlich in der Studie nichts, weil sie sich überwiegend auf die Aussagen der Betreibergesellschaft stützt. Das Ganze riecht daher sehr nach einem Gefälligkeitsgutachten für die Auftraggeber."

"Außerdem", so Pfotenhauer weiter, "hat die WestLB sich bereits bei einer Anhörung im Januar auf eine Studie derselben Gutachter berufen. WestLB-Sprecher Seibert erklärte damals auf einer Landtagssitzung, diese Untersuchung belege eindeutig, dass die minimalen Umwelt-Standards der Weltbank für solche Projekte eingehalten werden. Die Studie ist allerdings bis heute unter Verschluss. Man muss sich da natürlich fragen, warum die WestLB für ein weiteres Gutachten Geld ausgibt, wenn schon eines existiert."

Auch weitere Gutachten, auf die sich wiederum die Gutachter von "Stone & Webster" berufen, werden von der WestLB unter Verschluss gehalten, obwohl sie angeblich alle "zu einem positiven Ergebnis" kamen. Kritische Nichtregierungsorganisationen haben hingegen bereits drei Gutachten veröffentlicht, in denen Verstöße gegen die von der WestLB hochgehaltenen Standards nachgewiesen werden. Auch eine Studie im Auftrag des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums, kommt zu diesem Ergebnis. Allerdings hält die Landesregierung - Mehrheitseignerin bei der WestLB - auch diese Studie unter Verschluss.

Waldexpertin Pfotenhauer: "Greenpeace fordert von der WestLB die Offenlegung aller Gutachten und die Einsetzung eines unabhänigen und sachverständigen Gutachters. Außerdem darf die Bank keine weiteren Auszahlungen der Kredite vornehmen und die Bauarbeiten vor Ort müssen gestoppt werden. Während wir hier über Umweltdstandards debattieren, werden in Ecuador Fakten geschaffen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind."

Weitere Informationen finden Sie auf dem Urwaldseiten von Greenpeace.
Autor: Greenpeace e.V.
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Stand: 9. Oktober 2002
Erstellt: 11. Mai 2002
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