Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3073

Kein Herz für Tiere?





München, 11.05.2002: Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. kritisiert SPD-Regierungsprogramm aus Sicht des Tierschutzes als enttäuschend.

"Wer angesichts der vielfältigen, tierschutzrelevanten Probleme auf 153 Seiten Regierungsprogramm kein einziges Mal das
Wort "Tiere" erwähnt, von dem muss man annehmen, dass für ihn der Schutz der Tiere keinerlei politische Priorität hat", kritisiert Jutta Breitwieser, Vorsitzende des Bundes gegen Missbrauch der Tiere e.V. das jetzt veröffentlichte SPD-Programm 2002-2006 zur Bundestagswahl. "Themen wie artgerechte Tierhaltung, Alternativen zum Tierversuch, Tiertransporte oder Heimtierzuchtgesetz brennen vielen Millionen tierlieben Wählerinnen und Wählern in Deutschland unter den Nägeln, " führt Jutta Breitwieser weiter aus. "Dass die SPD diese Bereiche in ihrem Regierungsprogramm, mit dem sie für die kommenden 4 Jahre antritt, vollkommen ignoriert, ist enttäuschend."

Die SPD will sich in Zukunft für eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft einsetzten. Darüber, welchen Stellenwert die artgerechte Tierhaltung bei der angestrebten Landwirtschaftsreform haben wird, erfährt man nichts. Nach den Skandalen um BSE oder Maul- und Klauenseuche und den öffentlich gewordenen Missständen in der industriellen Tierhaltung, muss dem Tierschutz ein hoher Stellenwert eingeräumt werden. Allein der Hinweis auf eine zukünftig regionale Verarbeitung und Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkte reicht nicht. Tierqual hängt nicht nur von der Länge des Transportweges sondern auch von der Art und Weise der Haltung ab. Dass sich die SPD hier nicht eindeutig bekennt, ist entweder naiv oder ein Kniefall vor der Agrarlobby. Auf jeden Fall ist es Tier- und Verbraucherfeindlich, denn Verbraucherschutz fängt beim Tierschutz an.

Überall da, wo ganz offensichtlich der Tierschutz eine Rolle spielen sollte, legt sich die SPD nicht fest, sondern bietet einen kritischen Dialog an. Die Erfahrung zeigt, dass solche Dialoge nur als rhetorische Warteschleife zu sehen sind, um berechtigte Kritik abprallen zu lassen. "Anstatt solche Ausweichmanöver anzubieten, hätte sich die SPD von vorne herein zum Tierschutz bekennen müssen. Wir erwarten, dass die SPD in der jetzt folgenden parteiinternen Programmdebatte beim Thema Tierschutz nachbessert. Das ist im Sinne einer ethischen Verantwortung dem Tier gegenüber zwingend und wäre auch praktizierter Verbraucherschutz," stellt Jutta Breitwieser abschließend fest.

Die Tierfreunde hätten dem Programm auch gerne entnommen, wie sich die SPD eine Reduzierung der Tierversuche in Deutschland vorstellt. Statt dessen findet sich darin lediglich ein uneingeschränktes Bekenntnis zur staatlichen Förderung der innovativen Bio- und Gentechnologie und die Forderung nach einem engeren Zusammenschluss von Grundlagenforschung und Industrie. Dabei bestätigt die offizielle Statistik der Bundesregierung bereits jetzt, dass der permanente Anstieg des Tierverbrauchs in der Grundlagenforschung in erster Linie auf die Verwendung genetisch veränderter Tiere zurückzuführen ist. Das Thema Tierversuche gehört in den Mittelpunkt der Diskussion über die Zukunft der Wissenschaft.

Rückfragen bitte an:
Jutta Breitwieser Tel. 06035/ 96 11 11 oder
Jochen Prinz Tel.:0228 / 65 10 72
www.bmt-tierschutz.dsn.de
Autor: Bund gegen Mißbrauch der Tiere e.V.
778 Aufrufe
Stand: 9. Oktober 2002
Erstellt: 11. Mai 2002
Die letzten 5 Meldungen zum Thema "Tierschutz":