Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3046

Internationale Umweltstiftung Euronatur will kleinste Affenart der Welt retten

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Stuttgart/Manila/Baybay (Leyte), 05.05.2002: Durch gezielte Regeneration früher abgeholzter und dann als Kokos-Monoplantagen genutzter einstiger Regenwaldflächen will jetzt die internationale Umweltstiftung Euronatur in Südostasien den Koboldmaki – die kleinste Affenart der Welt – retten.

Bei einem jetzt auf der Philippinen-Insel Leyte vorgestellten Modell-Projekt von Euronatur, der Leyte State University sowie der Stuttgarter Universität Hohenheim, wird der Bevölkerung durch die Anpflanzung von naturnahen, dem natürlichen Regenwald nachempfun­denen, aber direkt nutzbaren Waldflächen eine ökonomische Perspektive geboten, die letztlich verlorene Lebensräume für hoch bedrohte Arten zurückbringt. „Wenn die Menschen in Entwicklungsregionen nichts zu essen haben und Landflucht sowie die Verelendung in Mega-Städten die einzige Alternative sind, haben sie auch keinerlei Interesse, gefährdete Tiere und Pflanzen zu bewahren“, so Euronatur-Präsident Claus-Peter Hutter auf einem Experten-Workshop auf Leyte, welcher im Rahmen einer Umweltpartnerschaft von der Deutschen Luft­hansa und von DaimlerChrysler unterstützt wurde.

Wie Hutter betonte, seien die verbliebenen Regenwälder als grüne Lungen und unersetzliche Reservate biologischer Vielfalt nur dann als Naturerbe der Menschheit zu erhalten, wenn mehr Anstrengungen zur Regeneration zerstörter Flächen erfolgen. Auch wenn klar sei, dass früher abgeholzte Naturwälder niemals ersetzt werden können, dürften die Flächen nicht als für immer verloren betrachtet, sondern müssten als erhebliches Potential für Mensch und Natur erkannt und nachhaltig entwickelt werden.

Bei dem von Euronatur geförderten Projekt werden auf den verwüsteten und erosionsgefährdeten Flächen ehemaliger Kokos-Monoplantagen verschiedene, ausschließlich heimische, großblättrige Baum- und Straucharten gepflanzt, in deren Schatten dann hochwertige indigene Tropenholzarten gedeihen können. Schon nach sechs Jahren mutet eine solche ehemalige Intensivplantage an wie ein nahezu ursprünglicher Regenwald. Eine Kleinbauernfamilie kann nach Angaben von Euronatur schon nach acht Jahren auf einer solchen Fläche ein zehnfach höheres Einkommen als bei einer nur von einer einzelnen Frucht abhängigen Kokosnuss-Monokultur erwirtschaften. Auf mittlerweile rund 1.500 ha Versuchsflächen auf Leyte, aber auch für die Philippinen-Inseln Palawan, Bohol und Mindanao konnten so die Menschen davon abgehalten werden, die noch verbliebenen Regenwälder zu zerstören. Nach Angaben von Euronatur sind auf zuvor öko­logisch nahezu toten Flächen wertvollste Ersatzlebensräume für ge­fährdete Arten entstanden. Damit verknüpft man die Hoffnung, den seltenen Koboldmaki (Tarsius Syrichta) erhalten zu können.
Der 120 Gramm schwere Koboldmaki ist die kleinste, ausschließlich tierische Nahrung fressende Affenart der Welt. Er gehört zu den seltensten Säugetieren. In den neu geschaffenen Sekundärlebensräumen siedeln sich auch andere vom Aussterben bedrohte Arten wie Adlereule, Nas­hornvogel, Goldkopf-Flughund und Flug-Lemuren an.

Wie man bei Euronatur und der Leyte-University ebenso wie bei der beratenden Stuttgarter Universität Hohenheim betont, seien die Projektergebnisse wegen der vergleichbaren Verhältnisse auf den gesamten südostasiatischen Raum übertragbar und könnten mit anderer Ausprägung und unter Verwendung der jeweils heimischen Pflanzenarten auch in anderen Regionen der Erde wie etwa in Südamerika und Afrika Anwendung finden. Die erfolgreiche Verbreitung der Projektinhalte sei letztlich eine Frage von Information und Ausbildung der jeweils ländlichen Bevölkerung. Im Vorfeld der im August in Südafrika stattfindenden Rio +10-Konferenz fordert jetzt die Umweltstiftung Euronatur zusammen mit dem Bellagio-Forum für nachhaltige Entwicklung die Verantwortlichen in der Entwicklungszusammenarbeit sowie den einzelnen Staaten dazu auf, endlich konkrete Anstrengungen zur ökologischen Optimierung abgeholzter Flächen zu unternehmen.

Besuchen Sie auch die Homepage von www.euronatur.de
Autor: Gabriel Schwaderer
2908 Aufrufe
Stand: 5. Mai 2002
Erstellt: 5. Mai 2002
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