Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 3030

Walfang: Japan investiert Millionen





Hamburg, 30.04.2002: Die Wale in den Weltmeeren sind nicht nur durch Überfischung, Wasserverschmutzung und Klimawandel bedroht, sondern vor allem durch die japanische Regierung. Greenpeace sprach mit dem Ex-Umweltminister der Karibikinsel Dominica, Atherton Martin, über die japanische "Wirtschaftshilfe", mit der Tokio sich Stimmen in der Internationalen Walfangkommission (IWC) erkauft.

{b1l}Japans Versuche, das Walfangverbot zu kippen, werden genau beobachtet!

Die japanische Regierung wird im Vorfeld des diesjährigen Treffens der IWC in der westjapanischen Walfängerstadt Shimonoseki heftig kritisiert. Nicht nur für ihre neuen Pläne, dieses Jahr auch die von der International Union for the Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) als bedroht eingestuften Seiwale zu jagen, sondern auch dafür, frühere Fangzahlen und -statistiken frisiert zu haben. Dazu kommt noch, dass Tokio Entwicklungshilfe zum Kauf von Stimmen einsetzt, die es braucht, um das Internationale Walfangmoratorium zu Fall zu bringen.

Im Gespräch mit Greenpeace sagte der ehemalige Umweltminister des Karibikstaates Dominica, Atherton Martin, dass sein Land von Japan "bestochen" wurde, damit es auf der IWC für die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs stimmt. "Seit 1992 sammeln die Japaner bei den kleinen Inseln in der östlichen Karibik mit dem Köder Wirtschaftshilfe Stimmen, um eine Mehrheit für den kommerziellen Walfang in der IWC zu bekommen."

Dabei können die japanischen Interessen durchaus den landeseigenen widersprechen: "Dominicas Tourismusbranche bietet Ausflüge zu Walen an, die sich an den Küsten der Insel aufhalten", erklärte Martin. "Wenn wir die Wale nicht schützen, schaden wir unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit." Die von Japan gezahlten Millionen helfen den Empfängern oft gar nicht: "Im Falle von Dominica hat die japanische Regierung sieben Millionen US-Dollar für den Bau eines wirtschaftlich nutzlosen Fischereikomplexes zur Verfügung gestellt", sagt der Ex-Umweltminister. Er war im Jahr 2000 wegen dieser Bestechungspolitik zurückgetreten.

Die japanische Regierung wendet die Stimmenkauftaktik auch in Entwicklungsländern Afrikas und des Südpazifiks an, wie eine Studie belegt, die Greenpeace am Montag vorgestellt hat. Titel: "Stimmenkauf - Die Strategie der japanischen Regierung zur Rückkehr zum Walfang großen Stils".

Die Greenpeace-Studie schildert im Detail, wie die "Scheckbuchdiplomatie" der japanischen Regierung funktioniert: Als Gegenleistung für Wirtschaftshilfen Japans treten Länder aus der Karibik, dem Südpazifik und neuerdings auch aus Afrika der IWC bei. Bei Abstimmungen in der IWC geben sie ihre Stimme für die japanischen Interessen und gegen den Walschutz ab. Die japanische Regierung hat für den Beitritt und die Unterstützung von nunmehr zehn Ländern über 330 Millionen US-Dollar ausgegeben.

Auch wenn Japan wahrscheinlich noch nicht genügend Stimmen zusammen hat, um das Moratorium zu kippen, so leidet doch die Arbeit der IWC. Mit den gekauften Stimmen verfügt Japan über eine Speerminorität, mit der Anträge auf Walschutzgebiete abgelehnt werden können. Zugleich reichen die Stimmen, um das Exportverbot für Walfleisch aufzuheben. Die Folge wäre ein erneuter Walfang und Walfleischhandel im großen Stil.
Autor: Greenpeace e.V.
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Stand: 1. Mai 2002
Erstellt: 30. April 2002

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