Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 1212

Stoppt die Kettensägen !





{b1l}Den Haag, 09.04.2002: Am Sonntag hat in Den Haag die sechste Vertragsstaaten-Konferenz der Konvention über die Biologische Vielfalt (COP-6 CBD) begonnen. Greenpeace-Aktivisten bereiteten den über 2000 Delegierten aus 182 Ländern zum Auftakt einem ungewöhnlichen Empfang.

Vor dem Konferenzgebäude hatten 50 Aktivisten, darunter 20 Kinder der Initiative "Kids for Forests", Holz aufgehäuft und aufblasbare Urwaldtiere aufgestellt. "Rettet die letzten Urwälder" war auf den Transparenten zu lesen.

Der Empfang sollte die Anwesenden an das unwiderrufliche Verschwinden der Urwälder durch den dramatisch voranschreitenden Kahlschlag erinnern. Greenpeace begleitet den Gipfel, der noch bis zum 19. April andauert, mit einem Team aus Wissenschaftlern, Fachleuten und Aktivisten. Greenpeace fordert die Teilnehmer der Konferenz auf, endlich ein wirksames Zehnjahres-Programm zum Schutz der Urwälder zu verabschieden.

"Die Kettensägen können hier in Den Haag gestoppt werden", sagt Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser. "Entscheidend ist, dass die nach Den Haag reisenden Umweltminister klare politische und finanzielle Angebote machen. Kanzler Schröder muss Umweltminister Trittin ausreichend finanziellen Spielraum für den Urwaldschutz zusichern. Für halbherzige Kompromisse bleibt keine Zeit mehr."

Das amerikanische World Resources Institute hat vergangenen Mittwoch in Washington einen neuen Bericht über die Situation der letzten Urwälder veröffentlicht. Aus diesem geht hervor, dass es in 15 bis 20 Jahren keine intakten Urwälder mehr geben wird, wenn der Einschlag nicht sofort gestoppt wird. Bis heute wird alle zwei Sekunden ein Waldgebiet in der Größe eines Fußballfeldes vernichtet.

In den letzten Monaten hat Greenpeace weltweit mit zahlreichen Aktionen auf die Verantwortung der Industrieländer an der Urwaldzerstörung aufmerksam gemacht. Deutsche und internationale Firmen importieren täglich Holz aus Urwäldern in Finnland, Russland, Afrika und Amazonien. "Solange billiges Holz aus Urwaldzerstörung ungehindert bei uns in den Handel gelangen darf, billigt die Bundesregierung das Urwaldsterben und benachteiligt jene Waldbesitzer, die Holz aus ökologisch verträglicher Waldnutzung anbieten wollen", kritisiert Kaiser.

Angesichts des alarmierenden Zustandes der Urwälder fordert Greenpeace einen sofortigen Abholzstopp, die Einrichtung dauerhafter Schutzgebiete, sowie die Förderung ökologischer Waldnutzung. Zum Schutz der Urwälder und ihrer Artenvielfalt sind nach Einschätzung von Greenpeace jährlich 17 Milliarden Euro zur Einrichtung eines Urwaldfonds erforderlich. Das Geld könnte dazu beitragen, die Urwaldländer zu entschulden. So wären die Länder nicht mehr darauf angewiesen, ihre Wälder zur Tilgung von Auslandschulden zu zerstören.
Autor: Greenpeace e.V.
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Stand: 9. April 2002
Erstellt: 9. April 2002

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