Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 1151

Kettensägen im Wald der Wunder





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Frankfurt a. M., 23.03.02: Tesso Nilo, ein Waldgebiet im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra, wurde vom WWF zum „Wald des Jahres“ gekürt.

Die Naturschützer wollen mit der Auszeichnung auf die weltweit einmalige Pflanzenvielfalt aufmerksam machen. Gleichzeitig weisen sie auf die enorme Gefährdung dieses Naturparadieses durch illegale Holzfäller hin. Rund 80 Prozent der in Indonesien gefällten Bäume fallen laut WWF illegalen Fälltrupps zum Opfer.Die Naturschutzorganisation will den Kahlschlag stoppen. Ziel ist es, Tesso Nilo unter Schutz zu stellen und das Gebiet mit Nationalparken auf der Insel zu vernetzen.

Tesso Nilo ist der artenreichste Wald der Welt, zu diesem Ergebnis kommt der WWF in einer jetzt vorgelegten Feldstudie. 218 verschiedene Pflanzenarten auf einer Fläche von nur 200 Quadratmetern konnten die Wissenschaftler zählen. „Das ist Weltrekord“, schwärmt Ghislaine Blezinger, Leiterin des Bereichs Wald beim WWF.

Regenwälder zeichnen sich zwar generell durch eine enorme biologische Vielfalt aus, aber der „Garten Eden“ auf Sumatra übertrifft vergleichbare indonesische Gebiete, aber auch Wälder in Brasilien, Kamerun, Neu Guinea oder Peru bei weitem.
Doch das Paradies ist bedroht. Der WWF fürchtet, dass in weniger als vier Jahren die „Arche Noah Sumatras“ für immer zerstört sein könnte, wenn die Abholzung im gegenwärtigen Tempo weiter geht.Von dem einst 370.000 Hektar großen Waldgebiet seien nicht einmal mehr 200.000 Hektar übrig geblieben.

Daher sei es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen und Tesso Nilo zum Schutzgebiet zu erklären. Dieser Wald ist die Heimat für Elefanten, Tiger, Gibbons und Tapire. Aber nicht die Tierwelt macht das Gebiet zu einem einmaligen Kleinod, sondern die atemberaubende Vielfalt an Pflanzen. Neben Pfeffer, Stechpalmen und Drachenbäumen wächst in dem Waldgebiet die Riesen-Rafflesia, die mit ihren mit bis zu einem Meter großen Blüten die größte Blume der Welt ist.

Die internationalen Holzkonzerne nehmen auf die Artenvielfalt keine Rücksicht. Rodungen wie in Tesso Nilo sind in ganz Indonesien verbreitet. „Der biologische Wert dieses Paradieses spielt bei dem Geschäft mit dem Kahlschlag keine Rolle,“ so Blezinger.

Inzwischen hat sich die indonesische Regierung dazu bekannt, den illegalen Rodungen ein Ende zu setzen. Für den WWF ist das die Nagelprobe. Indonesien könne am Beispiel Tesso Nilo zeigen, wie ernst es dem Land mit einem solchen Bekenntnis ist.
Autor: WWF Deutschland
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Stand: 9. Oktober 2002
Erstellt: 22. März 2002

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