Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 1128

Urwald: Zeltlager-Atmoshäre





Preußisch Oldendorf/Hamburg, 19.03.2002: Bereits seit dem vergangenen Dienstag hat die Firma "Fritz Offermann" in Preußisch Oldendorf Besuch von Greenpeace. Die Aktivisten demonstrieren rund um die Uhr gegen den Handel mit Holz aus Urwaldzerstörung.

Auf dem Gelände des Unternehmens lagern unzählige Stämme und Schnittholz vorwiegend aus afrikanischen Urwäldern. Am Montag stellten die Inhaber ein Ultimatum.

{b1l}UrwaldzerSTÖRUNG: Gestört wird nach wie vor der Betrieb bei Fritz Offermann. Saumäßig kalt soll es sein, Schnee und kriechende Feuchtigkeit, die die Aktivisten zermürbt. Mit dieser Vorstellung mache ich mich auf den Weg, ein Wochenende in Preußisch Oldendorf zu verbringen. Angekommen überraschen mich strahlender Sonnenschein und gut gelaunte Aktivisten. Und ich habe weder Sonnencreme noch ein T-Shirt dabei.

Das Leben im Greenpeace-Camp direkt gegenüber dem Firmengelände hat sich in den vorhergehenden Tagen gut eingespielt. Während Einzelne ihre Nachtwache auf dem Ladekran ausschlafen, wird Essen gekocht, werden Interviews gegeben, Schlafplätze für Neuankömmlinge organisiert. Anwohner bringen Essen und Trinkwasser vorbei, bieten Schlafmöglichkeiten oder die Gelegenheit, Kleidung und uns selbst zu waschen. Zeltlager-Atmosphäre.

Auf dem Firmengelände besteht die Haupttätigkeit der Aktivisten dagegen aus Warten. Warten auf Verhandlungen, warten darauf, dass etwas passiert. Abwechslung bringen die gelegentlichen Diskussionen mit den Inhabern Offermann junior und senior. Diese tauchen mit schöner Regelmäßigkeit auf und behaupten, ihretwegen könnten die Aktivisten bis Ostern auf dem Kran sitzen. Angesprochen auf ihre Rolle bei der Zerstörung von Urwäldern verkünden sie stur: "Wir haben mit Urwaldzerstörung nichts zu tun. Unser Holz stammt aus nachhaltiger Bewirtschaftung."

Keiner der Stämme auf dem Hof trägt jedoch das Zeichen des Weltforstrates (Forest Stewardship Council, FSC). Nur Holz mit diesem Zeichen - ein Baum mit einem Häkchen - kann aber als nachhaltig gelten. Das ist auch die Botschaft an die am Wochenende herbeiströmenden Besucher des Greenpeace-Camps.


Nicht alles bei Greenpeace-Aktionen geht{b2r}
schnell, manchmal ist viel Ausdauer nötig
Die Bevölkerung von Preußisch Oldendorf hat die Greenpeace-Aktion als heimliches Ausflugsziel entdeckt. Das ganze Wochenende über spazieren und radeln zahllose Bewohner der Region am Aktivistencamp vorbei. Die Kinder genießen es, mal in einem echten Greenpeace-Schlauchboot zu sitzen und mehr als einmal kommt es zum Streit, wer denn nun als nächstes darf. Zu einer spontan für den Samstagabend angesetzten Informationsveranstaltung kommen trotz der Kälte - die angesichts der sternenklaren Nacht dann doch einsetzt - rund fünfzig Personen zum Kanal. Alle werden aufgefordert, beim Kauf von Holzprodukten in Zukunft auf das FSC-Siegel zu achten.

Am Sonntagabend wird das Camp wegen bevorstehender Bauarbeiten am alten Lagerplatz verlegt. Hundert Meter weiter findet sich ein noch besser geeigneter Platz, inklusive Feuerstelle, Holzbänken und Bootsanleger. Angesichts der so verbesserten Infrastruktur, des Wetters, Dank der Unterstützung der Bewohner von Oldendorf und der wieder gut ausgeruhten Aktivisten haben die Herren Offermann wohl inzwischen von der Vorstellung Abstand genommen, die Greenpeacer allzu bald wieder loszuwerden. Montag stellten sie ein Ultimatum: Wenn die Aktion nicht bis Mittwoch, 17 Uhr, beendet sei, werde Strafantrag gestellt und das Gelände von der Polizei geräumt.

An der Uneinsichtigkeit der Unternehmen wird sich nichts ändern, wenn nicht von Seiten der Politik klare Signale für mehr Urwaldschutz gestellt werden. Am 7. April startet in Den Haag die UN-Konferenz zur Konvention über Biologische Vielfalt. Von diesem "Urwaldgipfel" erwartet Greenpeace die Verabschiedung eines globalen Programms zum Schutz der Urwälder. Um das Thema auch in Deutschland auf die politische Tagesordnung zu bringen, plant Greenpeace in dieser Woche Gespräche mit Bundestagsabgeordneten. Hundert "Urwaldbotschafter" werden dafür von Mittwoch bis Freitag in Berlin Mitglieder aller Fraktionen besuchen und mit ihnen Gespräche über Urwaldzerstörung führen.
Autor: Greenpeace e.V.
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Stand: 19. März 2002
Erstellt: 19. März 2002

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