Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 1050

Fischerei vernichtet Kaltwasserkorallen





{b1l}Bremen, 01.03.2002: Mehr Schutz für die sensiblen Kaltwasserkorallen im Nordost-Alantik, die von modernen Fischereigeräten stark geschädigt sind, fordert der WWF von der EU.

Eine neue Studie des britischen Instituts Royal Society hat jetzt gezeigt, dass moderne Grundschleppnetze den Meeresboden regelrecht „abrasieren“ und die 4.500 Jahre alten Korallenriffe entlang des europäischen Festlandsockels stark beschädigen. Dabei zerstört diese Fischerei nicht nur die Riffe sondern ebnet den Meeresboden und vernichtet auch andere Tiere, die am Meeresgrund leben wie Seefedern, Schwämme oder Rieseneinzeller.

„Die äußerst empfindlichen Korallenriffe müssen dringend unter Schutz gestellt werden. Es besteht die Gefahr, dass sie völlig zerstört werden, wenn in diesen Gebieten weiterhin Bodenfischerei betrieben wird“, sagte WWF-Experte Stephan Lutter. In diesem Jahr wird die Liste der Meeresgebiete fertiggestellt, die im Rahmen der EU-Habitatrichtlinie geschützt werden sollen und auch die EU-Fischerei wird reformiert. Dies sind nach WWF-Ansicht gute Gelegenheiten, um die Kaltwasserkorallen besser zu schützen. WWF fordert von den EU-Fischereiministern, dass Umweltbelange in der reformierten EU-Fischereipolitik stärker berücksichtigt werden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der WWF eine Liste mit allen potenziellen Meeresgebieten veröffentlicht, die im Rahmen der EU-Habitatrichtlinie geschützt werden sollen. Dieser Liste zufolge befinden sich zwei Drittel der bekannten Kaltwasserkorallen in irischen Gewässern. Der WWF fordert deshalb die irische Regierung auf, den Standort der Kaltwasserkorallen zu melden und sie durch die EU-Habitatrichtlinie schützen zu lassen.

Die Studie der „Royal Society“ belegt, dass Korallen und große Mengen von Schwämmen in insgesamt 229 Fischzügen zweier französischer Fischtrawler mitgefangen wurden. „Wir wissen, dass Korallen unbeabsichtigterweise durch Grundschleppnetzfischerei beschädigt wurden, als Untersuchungen zum Beifang in der Tiefseefischerei gemacht wurden“, sagte Dr. Anthony J. Grehan, Leiter der irischen Einsatzgruppe für Korallen, die im vergangenen Jahr gegründet wurde. „Wir setzen uns dafür ein, dass im Rahmen der Reform der EU-Fischereipolitik auch Maßnahmen ergriffen werden, um diese wertvollen Korallenriffe zu schützen.“
Autor: WWF Deutschland
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Stand: 2. März 2002
Erstellt: 1. März 2002

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