Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 1043

WWF Bericht fordert Bann für illegal geschlagenes Holz aus Russlands fernem Osten





{b1l}Frankfurt, 27.02.2002: Die russischen Urwälder sind in Gefahr. Den Kettensägen der illegalen Holzfäller fallen Jahr für Jahr steigende Waldflächen zum Opfer.

Der WWF schätzt den jährlichen Schmuggel in einem jetzt vorgelegten Bericht auf rund 1,5 Millionen Kubikmeter Holz allein aus dem russischen fernen Osten. Tendenz steigend. Insbesondere der Hunger nach Holz in China, Japan und Südkorea setzt die russischen Urwälder unter Druck. Der Anteil des Exports in das „Reich der Mitte“ ist in den vergangenen zehn Jahren von fünf auf 50 Prozent gestiegen, so der WWF.

“Hier muß dringend die Notbremse gezogen werden”, so Michael Evers, Forstreferent beim WWF Deutschland. Die Mitglieder der G8-Staaten müssen gemeinsam mit China und Südkorea handeln, um dem Import von illegal eingeschlagenem Holz aus dem fernen Osten Russlands einen Riegel vorzuschieben. Andernfalls seien die größten borealen Urwälder der Erde verloren. Um die Heimat von Amurtigern und Schneeleoparden zu schützen, fordert der WWF die Exportländer auf, nur noch Holz aus legalen Quellen und aus nachhaltig bewirtschafteten Forsten zuzulassen. Die G8-Länder sollten bei ihrem nächsten Treffen im Juni gemeinsame Maßnahmen gegen illegale Abholzung beschließen.

In Russland stellt die Plünderung der Wälder ein zunehmendes Problem dar. Der WWF schätzt, dass mindestens 20 Prozent des Holzes in Russland illegal oder unter sehr fragwürdigen Bedingungen gefällt werde. Die Ursachen: Korruption der lokalen Behörden und Mangel an Geldern für die effiziente Kontrolle der Holztransporte. „Der Schmuggel ist ein hoch profitables Geschäft für die regionale Mafia“, berichtet Michael Evers. Das illegal geschlagene Holz bringe etwa 150 Millionen US-Dollar in Russland und das Doppelte auf dem internationalen Markt ein.

Der WWF dokumentiert zahlreiche Fallbeispiele: Abholzung ohne Genehmigung, Einschlag geschützter Baumarten, Fälschung von Dokumenten, Bestechung und der Export ohne die nötigen Dokumente sind nur einige Facetten des schmutzigen Geschäfts. In China gelten strenge Rahmenbedingungen für den Holz-einschlag im eigenen Land, zugleich steigt die Nachfrage. China gleicht den Mangel an heimischem Holz über die durchlässige russisch-chinesische Grenze aus. Hunderte von Unternehmern leben vom Export der Baumstämme in die holzhungrigen Märkte Asiens. Naturschützer und Wirtschaftsexperten fürchten eine ökologische und ökonomische Katastrophe durch die fortgesetzte illegale Abholzung. Mit über vier Millionen Quadratkilometern bilden die russischen Wälder fast drei Viertel der borealen Wälder der Erde und knapp ein Fünftel aller weltweiten Waldflächen. Die Wälder des russischen fernen Ostens bedecken eine Fläche größer als Deutschland, die Niederlande und Belgien zusammen.
Autor: WWF Deutschland
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Stand: 9. Oktober 2002
Erstellt: 28. Februar 2002

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