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Auf Samtpfoten in den Tod - Für den Iberischen Luchs ist es fünf vor Zwölf





{b1l}Frankfurt, 22.01.2002: Während in Mitteleuropa vielerorts versucht wird, den eurasischen Luchs wieder anzusiedeln, sieht die Zukunft des kleineren Verwandten, des Iberischen Luchs, weit weniger rosig aus. Nur 200 bis 300 der auch Pardelluchse genannten Katzen haben in der spanischen Sierra Morena und in der Gegend um Toledo überlebt.

Vor zehn Jahren pirschten nach Schätzungen des WWF noch fast fünfmal so viele „Pinselohren“ durch die weite mediterrane Landschaft. „Die Abnahme des Bestandes ist dramatisch,“ so Volker Homes, Artenschutzexperte beim WWF. „Der Iberische Luchs ist inzwischen seltener als der Sibirische Tiger und wohl die bedrohteste Wildkatze der Welt.“ Die Naturschutzorganisation will gemeinsam mit Grundbesitzern und Jägern Rückzugsgebiete schaffen, um dem drohenden Exodus entgegen zu wirken.

Das Sterben der Luchse hat viele Gründe. Einer davon ist der Rückgang der Wildkaninchen. Die sind nicht nur die Lieblingsnahrung der gefleckten Katzen, sondern gehören ebenso zur beliebten Beute von Hobbyjägern. Nicht nur die Flinten der Jäger dezimieren den Kaninchenbestand, die Tiere wurden in den vergangenen Jahren zudem von Seuchen heimgesucht. In der Folge war dann auch bei den Luchsen „Schmalhans Küchenmeister“. Die Tiere fressen zwar in der Not andere kleine Nagetiere oder Vögel, doch ihre Hauptnahrung besteht zu mehr als 80 Prozent aus Kaninchenfleisch.

Das Überleben der scheuen Katzen hängt eng mit dem Erhalt ihres Lebensraumes zusammen. Anders als ihre Vettern in Nordeuropa sind die Luchse in Spanien keine typischen Waldbewohner. Sie brauchen eine abwechslungsreiche Landschaft mit Buschland, lichten Waldflächen und offenem Gelände. Doch daran mangelt es. Immer neue Straßen, Bahntrassen und der Bau von Gas-Pipelines haben ihre Jagdreviere zerstückelt, so dass ein Austausch zwischen den Populationen immer schwieriger wird. Insbesondere viel befahrene Straßen stellen eine Gefahr dar: Auf den spanischen „Autopistas“ endet die Brautschau für verliebte Luchse oft tödlich.

„Es sieht nicht gut aus für den Pardelluchs,“ faßt Volker Homes die Situation zusammen. Da der größte Teil der geeigneten Reviere in Privatbesitz ist, kooperiert der WWF mit Grundbesitzern, um die Situation zu verbessern. Die Naturschützer setzen dabei vor allem auf Aufklärung. Gemeinsam mit den Managern der Jagdfarmen versucht man, die Lebensbedingungen für die Luchse zu verbessern. Erste Erfolge zeichnen sich ab. Auf einer Fläche von 15.000 Hektar versucht man, das Nahrungsangebot zu verbessern. Kaninchen werden ausgesetzt und man hofft, dass sie sich fleißig vermehren. Vielerorts werden Zäune abgebaut, um den Luchsen freien Durchgang zu ermöglichen. Gleichzeitig informiert der WWF die Landbesitzer über Finanzierungsmöglichkeiten durch regionale oder europäische Fördermittel.

„Damit die Hilfe nicht zu spät kommt, muß sich in den Köpfen vieler Jäger etwas bewegen“ so Volker Homes. Die Jagd auf Luchse ist strengstens verboten aber immer wieder verenden Tiere qualvoll in den Schlingen von Jägern, die für ganz andere Beutetiere gelegt wurden. Der WWF hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Die Besitzer vieler Jagdfarmen werden sich allmählich bewußt, dass es etwas ganz besonderes ist, einen Luchs auf dem Gelände zu haben und sind auch bereit etwas dafür zu tun, damit die Tiere überleben“, erläutert Volker Homes. Bleibt zu hoffen, dass diese Erkenntnis nicht zu spät kommt.
Autor: WWF Deutschland
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Stand: 22. Jänner 2002
Erstellt: 22. Jänner 2002

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