Umweltjournal.de | Umwelt und Natur  | Artikel Nr.: 846

Wale: Tödliche Strandung im Nordsee-Watt





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Hamburg, 17.01.2002: An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste vor Friedrichskoog sind am Dienstagabend drei gestrandete und verendete Pottwale entdeckt worden. Greenpeace ist vor Ort und untersucht, wie es zu den tödlichen Strandungen gekommen ist.


"Immer mehr Wale verirren sich in die Nordsee", sagt Greenpeace-Waleexperte Thilo Maack. "Der Zusammenhang mit der Öl- und Gasindustrie in der Nordsee liegt auf der Hand, muss aber nicht unbedingt auch für die drei Pottwale gelten, die gestern gestrandet sind. Wir wollen herausfinden, warum diese drei Tiere starben."

Eine Bergung der stark verwesten Kadaver war für den Mittwochnachmittag bei Hochwasser geplant gewesen. Aufgrund starken Nebels und Unklarheiten bei der Zuständigkeit zwischen niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Behörden sowie eines nur bedingt einsetzbaren Bergungsschiffes blieb sie jedoch aus. Möglicherweise sollen die Überreste einfach verwesen, da sie die Schifffahrt nicht gefährden.

Zu Untersuchungszwecken nahmen Mitarbeiter des Forschungs- und Technologiezentrums (FTZ) aus Büsum auch für Greenpeace Proben. Sie werden auf Schadstoffe und möglichen Parasitenbefall überprüft. Dazu Maack: "Nur wenn man die Gründe der Strandungen kennt, kann man den Pottwalen in Zukunft helfen."

In den letzten zehn Jahren hat die Zahl der Walstrandungen an der Nordseeküste einen traurigen Rekord erreicht: Für 82 der friedlichen Meeressäuger wurde die relativ flache Nordsee zur meistens tödlichen Falle. Qualvoll ersticken die Tiere, weil ihren bis zu 45 Tonnen schweren Körpern der erleichternde Auftrieb des Wassers fehlte.

Doch was bringt Wale dazu ins flache Wasser zu schwimmen? Anfang des Jahres berichtete eine US-amerikanische Forschungsgruppe, dass Experimente der US-Navy im März 2000 mit einem besonders starken Militär-Sonar vor den Bahamas zur Strandung von 16 Walen und einem Delfin geführt habe. Bei den Tieren wurden schwere Schäden des Hörsystems, des Gehirns sowie druckempfindlicher Gewebe festgestellt. Ihrer Sinne beraubt sind die Meeresbewohner daraufhin an Land geschwommen.

In der Nordsee gibt es auch Quellen für starke akustische Signale: Bei der Erschließung neuer Ölfelder, wie zum Beispiel westlich der Shetland-Inseln, kommen sowohl Sonare als auch Unterwasserexplosionen zum Einsatz. Aber die 400 Öl- und Gasplattformen in der Nordsee setzen den Meerestieren auch auf anderem Wege zu. Jedes Jahr leiten sie rund 10.000 Tonnen giftiges Öl und fast 100.000 Tonnen Chemikalien ins Meer ein.

Obwohl noch nicht geklärt ist, wie sich die Wale auf ihren Wanderungen genau orientieren, ist eines jedoch klar: Die Pottwale müssen sich verirrt haben, wenn sie in die flache Nordsee schwimmen. Normalerweise ziehen sie nordwestlich an Schottland und Irland vorbei, wenn sie sich vom Eismeer kommend zu den Azoren begeben, um sich dort zu paaren.

Lesen Sie von der 1998 geglückten Rettung gestrandeter Pottwale.

Weitere Informationen über Wale und den Walfang auf den Themenseiten von Greenpeace.de.
Autor: Greenpeace e.V.
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Stand: 16. Jänner 2002
Erstellt: 16. Jänner 2002
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