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Wittenberg 18.03.2009: Für Konrad (Name der Redaktion bekannt) war das Eheleben schon lange eine Qual. Wenn seine Frau mal wieder betrunken war, hatte er wahrlich nichts zu lachen. Und es blieb nicht nur bei üblen Beschimpfungen: Konrad konnte kaum noch schlafen, wenn es die Vollgedröhnte nicht wollte: Quälen mittels Schlafentzug.
Als die Frau sich dann auch noch im Rausch mit einem scharfen Küchenmesser auf ihren Gatten stürzte, war es Konrad zu viel: Er suchte Hilfe bei der Interventionsstelle des Sozial-kulturellen Frauenzentrums Dessau, das auch als Anlaufstelle für geschundene Männer gilt.
Eine Ansprechpartnerin ist Beate Uhlig. Sie weiß, auch Männer können Opfer von häuslicher Gewalt werden. Dramen, die sich fast immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspielen und die sich mit wissenschaftlich erhobenen Zahlen nur schwer zu belegen lassen. "Wenn Männer Opfer werden, gehen sie damit nicht hausieren", sagt Beate Uhlig, "wenn ein Mann die Polizei wegen einer Tätlichkeit anriefe, würde er bei den Beamten eher auf Unverständnis stoßen und auf die Annahme, dass er sich nicht wehren könne."
In den Interventionsstellen Sachsen-Anhalts haben 2008 denn auch 229 weibliche und nur 14 männliche Opfer häuslicher Gewalt um Beratung gebeten darunter auch Konrad. Ergebnis: Das Amtsgericht gab dem Antrag auf Schutzanordnung statt. Eine solche Schutzanordnung nach dem Gewaltschutzgesetz von 2002 sieht vor, dass der Gewalttäter zum Schutz des Opfers und der Kinder aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen wird, selbst wenn der Täter der Mieter oder gar der Eigentümer ist.
Dass die Dunkelziffern sehr viel höher sind, kann am Rollenverständnis liegen: "Männer melden häusliche Gewalt nur ganz selten; das hängt mit dem Gesichtsverlust zusammen", meint Beate Uhlig, die als Erstberaterin die Region Dessau-Roßlau sowie die umliegenden Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg betreut. "Frauen haben ein Gewaltpotenzial", so Beate Uhlig. Ihr dringendes Anliegen: Der Betroffene muss lernen, wieder auf sich selbst zu achten.
Die Arbeitsweise in der Interventionsstelle
Beate Uhlig lernt ihre Klienten hauptsächlich nach Polizeieinsätzen kennen, weil die Beratung oft durch die Polizei vermittelt wird. Sie klärt die Betroffenen darüber auf, was rechtlich an Schutzmaßnahmen durch das Gewaltschutzgesetz möglich ist. Dabei geht sie individuell auf ihr Gegenüber ein, um zu ergründen, ob Schutz oder eine gemeinsame Lösung mit dem Partner gesucht wird.
Für den ersten Fall gibt es die schnelle Möglichkeit der Wegweisung: Der Täter wird ohne Gerichtsbeschluss für höchstens 14 Tage der gemeinsamen Wohnung verwiesen. Diese Übergangsregelung ist seit 2003 im sachsen-anhaltischen Polizeigesetzbuch verankert.
In diesen zwei Wochen kann oft schon ein Antrag auf eine länger andauernde Schutzanordnung beim Gericht gestellt werden. Begleitende Beratung ist aber häufig nötig, da Gewaltbeziehungen nicht selten auf langjähriger Gewohnheit fußen. Kontaktadresse: Sozial-kulturelles Frauenzentrum Dessau e.V., Törtener Straße 44, 06842 Dessau, Telefon 0340/882 60 70.
- Buch-Tipp: Ailine Kessler, Sarah Seck, Janine Loretan: "Häusliche Gewalt Männer- oder Frauensache. Vdm-Verlag Dr. Müller.
- Internet: Unsystematisch gesammelt Fälle weiblicher Gewalt gegen Männer enthält die Website
www.maennerrat.de/frauengewalt-gegen-maenner.htm.
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